Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, soll heute von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse drei Mauerteile geschenkt bekommen. Doch ob die jemals zum Sitz der UN nach New York gelangen werden, ist fraglich. Denn die Mauerreste gehören weder dem Bund noch dem Land Berlin. Das sagt jedenfalls Kaufmann Erich Stanke. Nach einem Urteil des Landgerichts ist er der Eigentümer. Weder Senat noch Bundestag hätten ihn gefragt, ob die am Leipziger Platz stehenden Mauerteile verschenkt werden könnten. Stanke ist zwar bereit, die Mauerreste abzugeben. Voraussetzung sei aber, dass das Land Berlin ihm zusichere, die übrigen zwei Mauerteile am Leipziger Platz und weitere 15 Elemente an der Stresemannstraße sowie den Wachturm am Leipziger Platz stehen zu lassen. Laut Urteil gehören Stanke zwar die Mauerteile, aber nicht der Boden auf dem sie stehen. Sollten seine Bedingungen nicht erfüllt werden, "dann gibt es keine Mauer", sagte er. Nach der Terminplanung für den Besuch des UN-Generalsekretärs in Berlin soll Bundestagspräsident Wolfgang Thierse heute am späten Nachmittag im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) die Mauerteile symbolisch an Kofi Annan übergeben. Auf den Betonteilen ist unter anderem die Umarmung zweier Menschen über die Mauer hinweg abgebildet. Die Segmente, die zur so genannten Hinterlandmauer gehörten, sollen später in New York aufgestellt werden. Da die Mauerteile erst nach der Sommerpause in die USA geschickt werden, hat der Senat noch Zeit, um mit Stanke zu verhandeln. Bundestagspräsident Thierse und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) versuchten Stanke gestern, einen Tag vor der symbolischen Übergabe, mit freundlichen Briefen wohlwollend zu stimmen. Thierse dankte dem Kaufmann schon einmal für dessen "Beitrag dazu", dass Kofi Annan die drei Segmente der Mauer symbolisch übergeben werden können. Und Strieder lobte, dass der Bewusstseinswandel im Umgang mit der Mauer "in großen Teilen" Stankes Verdienst sei. Strieder erklärte darüber hinaus, die beiden verbleibenden Mauerteile am Leipziger Platz sollten auf Dauer an ihrem jetzigen Platz stehen bleiben. Er werde anregen, die Teile unter Denkmalschutz zu stellen. Daneben sollen vier weitere Mauerteile aufgestellt werden, die bisher auf dem Leipziger Platz gelagert wurden. Eine Zusicherung, dass auch die Mauerteile an der Stresemannstraße stehen bleiben, wie es Stanke verlangt, machte Strieder aber nicht. Der Wachturm soll nach einem kürzlich ergangenen Beschluss des Senats zwar auch künftig am Leipziger Platz stehen, aber um einige Meter verschoben werden, wogegen sich Stanke wehrt. Der Kaufmann sagte gestern, er sehe die Schreiben Thierses und Strieders als Signal für deren Verhandlungsbereitschaft. Auch er sei zu ernsthaften Gesprächen bereit. Trotz des Landgerichtsurteils erklärte die Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, Petra Reetz, gestern: "Die Mauerteile gehören uns, dem Land Berlin." Die Mauer sei nach dem Einigungsvertrag Eigentum der Bundesrepublik geworden. Der Bund habe Berlin die Teile überlassen. Im Urteil des Landgerichts vom 10. September 1998, auf das sich Stanke stützt, heißt es dagegen, der Kaufmann habe "glaubhaft gemacht, dass er das Eigentum an den jetzt streitigen Mauerteilen am 16. August 1990" von einem Offizier der DDR-Grenztruppen erworben habe.Mauerwinkel West // Fast 500 Fotografien vom Alltag entlang der einstigen Berliner Mauer sind seit dieser Woche im Internet unter der Adresse "www. mauerfotos. de" zu sehen.Die Aufnahmen zeigen, sortiert nach Straßen und Stadtbezirken, Ausschnitte vom gesamten Verlauf der Mauer auf West-Berliner Seite. Sie wurden 1984 bis 1989 vom Berliner Politologen Matthias Hoffmann privat fotografiert.Nutzer können auch Stadttouren mit Informationen und Wissensfragen herunterladen und ihre eigenen Erinnerungen an die Mauer hinterlassen. Die Webseite soll der kollektiven Erinnerung dienen.BERLINER ZEITUNG/PABLO CASTAGNOLA Kaufmann Erich Stanke vor den Mauerteilen, die laut Landgericht sein Eigentum sind, aber nun vom Land Berlin und von Bundestagspräsident Thierse an Kofi Annan verschenkt werden sollen.
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