Aus der Perspektive von elf gewonnen Meisterschaften und zwei Champions-League-Titeln mit Manchester United vergleicht Sir Alex Ferguson den neureichen Lokalrivalen City gern mit einem "noisy neighbour", einem lauten, nervigen Nachbarn. Den man nicht möge, aber der nun einmal da sei und der sein Radio einfach nicht leiser stellt, so oft man auch gegen die Wand haue oder die Hausverwaltung einschalte. Vor einem halben Jahr schlussfolgerte Ferguson noch gelassen: "Was macht man also? Man gewöhnt sich daran."Aus derselben Zeit sind von dem grummeligen Schotten auch ungewohnt zarte Elegien über Wayne Rooney überliefert. Der sei nicht wie andere Fußballer, der lasse sich nicht den Kopf verdrehen. "Er hat so wundervolle Qualitäten, wie man sie heutzutage selten bekommt." Man übertreibt kaum, wenn man behauptet, dass der ehemalige Mittelstürmer Ferguson in dem Mittelstürmer Rooney ein Stück von sich selbst sah, mehr als in anderen seiner großen Spieler, als in Roy Keane etwa oder in David Beckham.Sinnbild einer neuen ÄraWie einst diese bereitet jetzt auch Rooney einen Abschied im Zorn vor. Dem United-Vorstand soll er dabei nicht nur mitgeteilt haben, alsbald gehen zu wollen, er scheint zu allem Überfluss auch einen Wechsel zum Kläffer von nebenan ins Auge zu fassen. Der würde dann nicht mehr mit einer herkömmlichen Stereoanlage operieren, sondern mit dem Soundsystem eines mehrstöckigen Techno-Clubs. Über die persönliche Demütigung Fergusons hinaus wäre der Frontwechsel auch Sinnbild einer neuen Ära in Manchesters Fußball. Während das aus Abu Dhabi hochgepäppelte City außer dem neuen Uefa-Lizenzierungs-Verfahren keinen natürlichen Feind mehr kennt und erstmals seit Menschengedenken in der Tabelle stabil vor United steht, liegt rund um Old Trafford ein Hauch von Liverpool in der Luft. Wie der Rivale vom Mersey bis zu seiner Übernahmeschlacht letzte Woche, ist auch United von seinen Besitzern horrend überschuldet worden. Über 700 Millionen Pfund betragen die Verbindlichkeiten, große Zukäufe hat es lange nicht mehr gegeben. Springt jetzt noch der wichtigste Spieler ab, könnte die Kreditwürdigkeit des Klubs sinken und eine dramatische Kettenreaktion in Gang gesetzt werden.Rooney dürfte um all diese möglichen Konsequenzen wissen, aber er scheint so tief gekränkt, dass sie ihm egal sind. Es heißt, Ferguson lasse seinen ehemaligen Lieblingsstürmer links liegen, seit der auf dem Platz nicht mehr viel bietet und stattdessen wieder verstärkt seine anderen Qualitäten zeigt, wie etwa betrunkenes Pinkeln gegen Häuserwände. Auch ob er Rooney im heutigen Champions-League-Match gegen Bursaspor einsetzt, ist fraglich. Aber der Anfang des Schismas geht wohl auf den vorigen April zurück, als Ferguson den Angreifer trotz Fußverletzung in das Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Bayern warf. Es war ein unverantwortliches Spiel mit Rooneys Gesundheit, das Uniteds Ausscheiden letztlich nicht verhinderte. Und das Ferguson im schlimmsten Fall um seinen letztes großes Ziel bringen könnte - United mit dem 19. Titel zum alleinigen Rekordmeister zu machen. Vor Liverpool.------------------------------Foto: Grummelig: Sir Ferguson.
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