Sie sind die wohl bekanntesten Heimwerker der Hauptstadt – und dann auch noch Zwillinge: Julian und Marian. Auf dem gleichnamigen Account geben die Interior-Twins Tipps für ein schöneres Zuhause. 578.000 Follower haben die Wahlberliner allein bei Instagram.
Doch nun verabschieden sich die Brüder von jenem gemeinsamen Content, der sie zu Netzberühmtheiten machte: Videos davon, wie sie ihre Kreuzberger Altbauwohnung renovierten und Stück für Stück und in Eigenleistung in ein Einrichtungsjuwel verwandelten.
„Hätte man uns vor dreieinhalb Jahren erzählt, dass wir mit unseren Videos mehr als eine halbe Millionen Menschen inspirieren und unsere Leidenschaft zum Beruf machen werden – wir hätten es sicher nicht für möglich gehalten“, schreiben Julian und Marian nun auf ihrem Kanal.
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Wände verputzen, Böden abschleifen
Ihre gemeinsame Wohnung sei zunächst eine „Bruchbude“ gewesen – und sie ziemliche Anfänger in Sachen Heimwerken. „Wir hatten nicht viel Erfahrung in Sachen Wände verputzen oder Böden abschleifen, aber wir hatten viele Ideen, großen Optimismus und einen gemeinsamen Traum. Und wir hatten uns.“
Aus der Wohnung sei ihr Zuhause geworden und aus ihnen ein unschlagbares Team. „Heute schreiben uns Menschen, dass sie dankbar für unsere Tipps und Inspiration sind und schicken uns Fotos von Projekten, die sie nachgebaut haben. Das ist surreal.“
Nun aber sei das gemeinsame Zuhause fertig – und Marian ziehe aus.
„Er und sein Freund haben eine neue Wohnung gefunden, zehn Minuten zu Fuß von der alten entfernt.“
Für die Zwillinge gehe damit ein Kapitel zu Ende, „für das wir nicht dankbarer sein könnten“. Auf dem Kanal soll es auch künftig weitergehen, aber in anderer Form: „Wir werden zusammen Marians neue Wohnung renovieren und weiterhin Videos machen. Wahrscheinlich tauchen wir ab jetzt öfter auch mal alleine in ihnen auf, aber eines ist sicher: Wir bleiben ein Team.“
Auf einem Fotorückblick sieht man die Kreuzberger Wohnung, wie sie noch vor wenigen Jahren aussah, als die Zwillinge dort einzogen. Beim Interview mit der Berliner Zeitung, die die Influencer im Sommer 2024 besuchte, erinnerten sich Julian und Marian daran, wie alles begann.
Die Zwillinge im Interview mit der Berliner Zeitung im August 2024. Nun zieht Marian aus, Julian bleibt in der Wohnung.
© Ina Schoenenburg
Mitten in der Corona-Zeit bekamen sie mit, dass in ihrem Mietshaus die Wohnung unterm Dach frei wird. Sie sprachen den Vermieter an, der dort gerade die nötigsten Sanierungsarbeiten vornehmen ließ: elektrische Leitungen erneuern, Bad und Heizung einbauen.
Mehr werde nicht gemacht, ließ man die Brüder wissen. Sollten sie sich das handwerklich zutrauen, könnten sie die Wohnung in Eigenregie renovieren und dafür einige Monate mietfrei wohnen. „Wir hatten freie Hand und durften alles machen“, so Marian. „Da haben wir nicht lange gezögert und zugesagt.“
Anfang 2023 starteten sie dann ihren Content bei Instagram. In einem ihrer ersten Videos heißt es: „Wir sind Julian und Marian, wir sind Zwillinge und wir leben in Berlin. Wir renovieren zurzeit unsere 120 Quadratmeter große Altbauwohnung und unser Motto ist: Geht nicht, gibt’s nicht!“
Weil das Geld für teure Inneneinrichtung fehlte, haben die Zwillinge viel selbst gemacht.
© Ina Schoenenburg
Von da an schauten immer mehr Menschen zu, wenn die Brüder Wände verputzten und Dielen abschliffen. Tipps fürs Bohren und Schrauben, für den wackelnden Wasserhahn oder den Bau eines eigenen Wohnzimmerregals sind gefragt, die gewinnende Art der beiden Creator tat ihr Übriges.
Irgendwann kamen Werbung und Kooperationen hinzu. Schon vor zwei Jahren konnten Julian und Marian von ihren Social-Media-Aktivitäten leben. Die Bau- und Basteleuphorie der Brüder wurde schon in ihrer Kindheit in Duisburg geweckt, verrieten sie damals dieser Zeitung. Ihr Vater, der aus Ghana stammt und mit einer Deutschen verheiratet ist, ließ die Jungen ihre Zimmer selbst gestalten.
Dass sie künftig wieder in getrennten Wohnungen leben, kommt so überraschend nicht. „Wir fühlen uns hier wohl und lieben die Wohnung total“, sagte Marian bei unserem Besuch. „Aber alt werden wir hier sicher nicht.“
Die Follower jedenfalls sind gespannt auf das, was kommt. Eine Userin schreibt: „Als Zwillingsmama kenne ich diese besondere Dynamik nur zu gut und weiß, dass solch ein Schritt durchaus wichtig ist.“ Eine andere meint: „Hauptsache es geht weiter. Alles Gute für euch!“
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