Weniges ist so erbitternd wie die Vorbestellung eines Hotelzimmers zur Frankfurter Buchmesse. Die Geschäftspolitik der Hoteliers ist rasch und erschöpfend beschrieben als blanke Unverschämtheit. Vielfalt des Angebots? Wahlmöglichkeiten des Konsumenten? Das gibt es nur als Variation des Ärgers. Wer nicht mehr als zweihundert Euro pro Nacht ausgeben will, der wird sich vielleicht untergebracht sehen im Rotlichtviertel. Die Zimmer sind winzig, will man die Badezimmertür öffnen, so muss man zunächst den Koffer zuklappen. Von abendlichen Terminen heimkehrend, sieht man eine Form der Prostitution, die nur noch an Wolldecken, heiße Hühnerbrühe und drei Wochen Wandern im Harz denken lässt. Toll sind auch die Unterkünfte in der Umgebung, etwa in den Industriegebieten von Rüsselheim, um die 170 Euro pro Nacht und Gast. Hier sind noch gewaltige Taxikosten einzurechnen, bevor man es ins Bett geschafft hat, wo dann an Einschlafen nicht zu denken ist. Gleich hinter dem günstigen Hotel liegt der Rangierbahnhof; die ganze Nacht hört man die Güterwagen den Ablaufberg herunterrumpeln.Und auch die Messe Frankfurt selbst stellt dem Börsenverein des deutschen Buchhandels beziehungsweise seiner Ausstellungsgesellschaft exorbitante Preise in Rechnung. Der Ärger hat sich schon eine Zeit aufgestaut, jetzt ist er nach außen getreten: Der Börsenverein spielt mit dem Gedanken, die Buchmesse nach München zu verlegen. München ist nicht billig; ob die Kostenvorteile, die Messegesellschaft und Gastgewerbe jetzt anbieten, von Dauer sein werden? Und kann der Börsenverein so einfach Frankfurt verlassen? Bis 2007 existiert ein bindender Vertrag mit Frankfurt. Und dann den angestammten Sitz verlassen? Keine Empfänge mehr im Hessischen Hof mit den immer gleichen Häppchen? Keine Brände mehr in Jimmy s Bar? Es stimmt schon, dass die Messe inzwischen eine Frankfurtförmigkeit gewonnen hat, von der die Besucher sich ungern trennen werden, etwas von Palmengarten und Parkeisenbahn, Wasserhäuschen und Ebbelwoi, etwas Schluriges, dabei nicht frei von Munterkeit. Die Messe sollte in Frankfurt bleiben, wo sie schon nicht nach Leipzig zurückgekehrt ist, jedenfalls nicht richtig. Aber dass die Frankfurter Hotellerie aufgescheucht wird und sich für einen Moment fühlt wie ihre Gäste über die ganze Zeit der Messe, das ist doch innigst zu wünschen. Inzwischen hat der Börsenverein seine Sympathien für Frankfurt bekräftigt. Musste das so schnell sein?
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de