Das Tor zur Heimat ist weiß, hat einen Durchmesser von gut einem Meter und ist gen Süden ausgerichtet: An wohl keinem anderen Haus dieser Stadt hängen so auffällig viele Satellitenschüsseln wie am Pallasseum in Schöneberg. Wie weiße Punkte hängen die Schüsseln an den Balkonen und liefern den Bewohnern die heimischen Fernsehsender direkt in ihre Berliner Wohnung. "Ich habe die Schüsseln gezählt", sagt Klaus-Peter Fritsch, Geschäftsführer der Pallasseum Wohnbauten KG, die den riesigen Block verwaltet. 300 seien es bestimmt, und er fände sie hässlich. Doch inzwischen schaut er gern zu den Balkonen auf, denn manche Schüsseln sind jetzt bunt. Rund ein Viertel zieren Motive nach Wahl seiner Bewohner - eine Landschaft, Kinder, Puppen, Blumen ..."Von Innen nach Außen" heißt die Aktion des 34-jährigen Künstlers Daniel Knipping, der eigentlich am Bodensee in Baden-Württemberg zu Hause ist. Dort hatte er vor einigen Jahren auch die Idee zu seiner Kunstaktion. "Ich habe mich gefragt, was passiert, wenn man die Satellitenschüsseln umdreht und sozusagen ein Bild nach außen sendet", sagt Knipping. Wegen mangelnder Finanzierbarkeit habe er das Projekt allerdings nicht weiter- verfolgt. Als er vor zwei Jahren einen Freund in Berlin besuchte und ihm von dieser alten Idee erzählte, empfahl ihm dieser das Pallasseum.Knipping wandte sich 2008 an die Hausverwaltung. "Ich fand die Idee sofort toll", erinnert sich Geschäftsführer Fritsch. Allerdings sei ihm klar gewesen, dass die Verwaltung das Projekt weder allein finanzieren noch organisieren könne. Hinzu kam eine nicht zu unterschätzende Hürde. "Die Mieter waren skeptisch, vor allem, weil sie dachten, dass der Fernsehempfang gestört wird." Fritsch beschloss, fünf bunte Schüsseln vorzufinanzieren. Das überzeugte viele. Aus dem Senatsprogramm "Soziale Stadt" gab es 16 000 Euro dazu.Und dennoch hatte Künstler Knipping noch einen langen Weg vor sich - den durchs Pallasseum. "Ich habe noch nie im Leben so viel Cai getrunken", sagt er rückblickend. Dieser Tee sei ihm häufig angeboten worden, wenn sich denn die Wohnungstüren öffneten und er hereingebeten wurde.Mieter Recep Altinok ist zufrieden mit seiner bunten Satellitenschüssel. Anfangs habe er Bedenken gehabt, aber das Fernsehbild sei nicht beeinträchtigt. Die Schüssel ziert nun ein Bild von ihm selbst, aufgenommen 1966 in der Türkei als jungen Mann im Kostüm.Jedes einzelne der 78 Motive ist übrigens Maßanfertigung, gedruckt auf lichtechter Plane und einzeln zugeschnitten für die jeweilige Schüssel. Und hinter jedem Motiv steckt eine eigene Geschichte. Ein Mieter entschied sich beispielsweise, sein Motorrad zu zeigen. Knipping: "Das wurde ihm vor Kurzem geklaut."------------------------------Vom Sozialpalast zum PallasseumWie ein Riegel erstreckt sich das zwölfgeschossige Pallasseum an der Pallas-/Ecke Potsdamer Straße quer über die Straße. Das Gebäude wurde 1977 nach Plänen des Architekten Jürgen Sawade errichtet. In den 514 Wohnungen leben 1 500 Menschen aus mehr als 40 Ländern.Lange Zeit haftete dem Haus ein schlechter Ruf an. Der Sozialpalast, wie er im Volksmund hieß, wurde mit Junkies, Drogendealern, Vandalismus und Krawallmachern in Verbindung gebracht. Fast die Hälfte der Bewohner lebt von Sozialleistungen.Die Probleme haben sich gelegt, seit sich das Quartiersmanagement im Schöneberger Norden um Haus und Mieter kümmert und eng mit der Hausverwaltung zusammenarbeitet. Seit einem Wettbewerb der Mieter im Jahr 2001 heißt der Komplex nun Pallasseum.------------------------------Foto: Kunst auf dem Balkon: Viele Satellitenschüsseln am Pallasseum in Schöneberg haben jetzt ein Motiv.
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