Ein Mini-U-Boot aus Frankfurt wird auf den Malediven zur Touristenattraktion und soll nun in Serie gehen

Reif für die Insel

Jens Blankennagel
5 Min

FRANKFURT (ODER) Manche Zufälle passen einfach perfekt. Beispielsweise, dass die Farbe, die weltweit für zivile Unterwasserboote vorgeschrieben ist, ein knalliges Orange ist. Das hat lange Zeit niemanden interessiert, denn wer baut sich schon ein U-Boot. Doch zwei Hobbytaucher aus Frankfurt (Oder) haben genau das getan: Ab 2007 konstruierten sie einen vier Meter langen Zweisitzer, der im September 2008 seinen Jungferntauchgang im nahen Helenesee hatte. Das Boot trägt den Namen Nemo - wie der legendäre U-Boot-Kapitän in einem Roman von Jules Verne. Noch bekannter ist der Name heute allerdings durch den weltweit erfolgreichen Trickfilm "Findet Nemo". Und genau wie der kleine Clownfisch aus dem Film ist auch das U-Boot orange mit weißen Streifen.Perfekte Vermarktungsbedingungen also. Die beiden Frankfurter gründeten extra eine Firma und wollten "Nemo 100" in Serie bauen, damit die Boote möglichst weltweit in Tauchgebieten für Touristenfahrten eingesetzt werden können. Doch dann kam die Finanzkrise und die Branche hatte kein Geld mehr übrig für neue Attraktionen.Klimaanlage für die TropenNun, zwei Jahre später, steht Thomas Breinig, einer der Bootsbauer, in einem ehemaligen Autohaus, das jetzt ein Tauchladen und eine U-Boot-Werft ist. Der 53-Jährige streicht mit der Hand über den blanken Lack von "Nemo 102". Er lächelt zufrieden, denn das Boot ist eine echte Neuheit - und es ist verkauft. "Es geht an ein Luxushotel auf den Malediven", erzählt er. "Die haben unser erstes Boot dort ein Jahr lang getestet und waren begeistert."Doch die Käufer hatten einen wichtigen Änderungswunsch. Ins erste Boot passte nur der Kapitän mit einem Passagier. Doch Tauchfahrten lassen sich viel besser vermarkten, wenn Paare mitfahren können. "Also haben wir einen Dreisitzer gebaut", sagt Breinig, der auch als Kameramann arbeitet.Beim Probetauchgang im Helenesee erwies sich das neue Boot - obwohl es 80 Zentimeter länger ist als der Zweisitzer - als überraschend wendig und schnell. Der Trumpf der Frankfurter ist, dass sie den Passagieren beim Tauchgang all die Technik ringsum völlig vergessen lassen. Der Trick ist relativ simpel. Der Passagier sitzt im Rumpf, um ihn herum ist zwar nur wenig Platz, aber der Körper ragt oberhalb der Schulter aus dem Boot - nur geschützt durch eine halbrunde Plexiglaskuppel. Dadurch ist eine Rundumsicht möglich.Und noch ein Extra haben die Leute aus den Tropen gefordert: eine Klimaanlage. "So etwas habe ich in hiesigen Gewässern nie gebraucht, egal wie kalt das Wasser war", sagt Breinig. Doch unter der Tropensonne wird es unter der Glaskuppel schnell brütend heiß. "Also sorgen wir nun für Abkühlung."Die Finanzkrise hat die kleine Firma mit ihren sieben Mitarbeitern ganz gut überstanden. Zwei Jahre dauerten Konstruktion und Bau des Dreisitzers. Finanziert wurde dies durch eine Anzahlung des Käufers. "Aber wir mussten uns auch Geld von der Bank leihen", sagt Breinig. Er verdiente für die Firma in der Zwischenzeit auch noch Geld durch knapp 2000 Fahrten mit einem Zweisitzer: im Helenesee, in gefluteten Tagebauseen bei Leipzig, aber auch in der Ostsee oder im Mittelmeer. "Wir fuhren mit unserem Boot auf dem Hänger auch mal an einem Schweizer Bergsee und machten dort in drei Tagen 60 Tauchfahrten."Die Frankfurter hoffen, Nemo nun in Serie bauen zu können. "Es gibt keine bessere Werbung, als wenn das Boot auf den Malediven fährt." Es sei eines der beliebtesten Tauchreviere, das fast jeder Taucher einmal besucht. Er selbst war dort, um die U-Boot-Piloten auszubilden. "Ich tauche seit 30 Jahren, aber mit dem Boot war es ein Traum: fantastische Sicht, blaues Wasser, Korallen, unendlich viele bunte Fische." Interessenten, die sich während der Krise nicht gemeldet hätten, würden nun wieder anfragen. Immerhin kostet ein Boot für Privatkäufer etwa 300000 Euro.Erste unterseeische GeisterbahnBreinig geht in die Werkstatt, dort jaulen die Bohrer und die Trennschleifer um die Wette. Die Mitarbeiter bauen an einem anderen Boot und säubern jenes, das in den Tropen getestet wurde, nun mit Süßwasser. Der nagelneue Dreisitzer wird bald in einem großen Container verstaut und geht dann auf eine fünfwöchige Schiffsreise.Für ihre neueste Idee suchen die U-Boot-Bauer nun einen Partner auf einer Freizeitmesse in Rom. "Wir planen das erste Untersee-Fahrgeschäft", erzählt der zweite Geschäftsführer Jürgen Herrmann. Gemeint ist eine Art unterseeische Geisterbahn: Zehn Kapseln - in denen jeweils vier Passagiere unter einer halbrunden Plexiglashaube sitzen - fahren durch einen Parcours von Riffen und Unterseelandschaften. "Ideal wäre es, wenn dann echte Haie und andere Fische um die Kapseln herumschwimmen."------------------------------Tauchen bis zu 50 Meter tiefDas Vorbild für die Nemo-Boote war ein Prototyp, an dem der Potsdamer Tüftler Reinhard Küster sechs Jahre lang gebaut hat.Fast zwei Tonnen wiegt das U-Boot. Ohne Atemmaske und Tauchanzug fahren Pilot und Passagiere in dem vier Meter langen Boot.Angetrieben von zwei Elektromotoren erreicht das Boot eine Geschwindigkeit von vier Knoten (7,4 km/h) und kann bis zu 50 Meter tief tauchen. An Bord ist eine Luftreserve für 24 Stunden.120 Euro kostet eine halbstündige Tauchfahrt mit dem Zweisitzer im Helenesee (219 Euro für eine Stunde). Wer das Boot für andere Seen bucht, muss einen Aufschlag zahlen.Bundespräsident Horst Köhler zeichnete 2009 die Firma im Rahmen der Kampagne "Land der Ideen" aus.Infos im Internet: www.nemo-100.de------------------------------Foto: Letzte Kontrollen: Thomas Breinig (r.) im Dreisitzer.Foto: Auf Tauchgang zu den Korallen: Das erste Nemo-Boot testeten die Urlauber ein Jahr lang auf den Malediven. Es kann bis zu 50 Meter tief tauchen.

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