Berlin in historischen Aufnahmen

Ein Wellness-Tempel auf der Spree

Das Welpersche Badeschiff war 1802 ein beliebtes Berliner Ausflugsziel.

Maritta Adam-Tkalec
4 Min
Das Welpersche Badeschiff bei der Langen Brücke zu Berlin, 1802.

Das Welpersche Badeschiff bei der Langen Brücke zu Berlin, 1802.

© Wikipedia

Das war wichtig: Weder London noch Paris hatten solch eine elegante Einrichtung, wie Berlin sie im Jahre 1802 bekam. Die Gesellschaft fühlte sich schon großartig, noch bevor sie dieses elegante Badeschiff ausgiebig konnte – einen  Wellness-Tempel im wahrsten Sinne des Wortes hatte man nun zur Verfügung.

Da schwamm tatsächlich ein einstöckiges Tempelchen auf der Spree zwischen der Langen Brücke (Rathausbrücke, Mitte)  und dem Mühlendamm. Vor allem die Reihe ionischer Säulen vermittelte den antiken Eindruck. Das fand man schön.

Erholung im Schwefelbad

Gleichwohl imponierte das Schiff, das nicht nach Schiff aussah, auf Dauer weniger durch sein Äußeres als durch seine inneren Werte. Obermedizinalrat Dr. Georg Adolf Welper, Obermedizinalrat, Stadtphysikus und Dekan des Ober-Collegii, hatte 1801 die königliche Lizenz erhalten, eine Badeanstalt zu errichten. Nach der Eröffnung bescheinigten die Nutzer die große „Zweckmäßigkeit der  Einrichtung“ und „Bequemlichkeit für die Badenden“. 

Im Lexikon des Johann Christian Gädike  von 1806 liest man: „Es kann darinnen das ganze Jahr hindurch, sowohl in abgesonderten Zimmern für Damen und Herren warm, als auch in Senkbädern unmittelbar im Spreestrom kalt gebadet werden.“ Zudem gab es Seifen-, Kleien-, See-, Schwefel- und Stahlbäder.

Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hatte das Baumaterial bezahlt, sodass man annehmen darf, er habe die Annehmlichkeiten des Bades – womöglich in Begleitung seiner schönen Gattin Luise – auch selber genossen.

Das Welpersche Badehaus an der Friedrichsbrücke im Jahr 1835 stand auf der heutigen Museumsinsel. Diese Zeichnung stammt von A. Schmidt, nach einer Vorlage von Friedrich August Calau oder Leopold Ludwig Müller.

Das Welpersche Badehaus an der Friedrichsbrücke im Jahr 1835 stand auf der heutigen Museumsinsel. Diese Zeichnung stammt von A. Schmidt, nach einer Vorlage von Friedrich August Calau oder Leopold Ludwig Müller.

© Wikipedia

1815 war es mit der Pracht vorbei, wie sich einem Bericht des Architekten Ludwig Friedrich Catel entnehmen lässt: „Das auf der Spree an der langen Brücke in Berlin gelegene Badeschiff ist nach 14-jährigem Gebrauch endlich so baufällig geworden, dass es nur noch einige Zeit wird benutzt werden können.“

Das sah natürlich auch Welpert und schritt abermals zur Tat. 1817 beauftragte er selbigen Catel mit dem Bau eines neuen Badetempels, diesmal auf festem Grund an der Friedrichsbrücke, nahe der später erbauten Alten Nationalgalerie.

Es bestand aus Haupt- und Nebengebäude, gemauert, mit Zinkdach versehen. Das Hauptgebäude zierten wiederum ionische Säulen, über einem Bogenfenster im Giebel stand der Spruch „In balneis salus“ – in Bädern ist Heilung.


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Das Innere bot Komfort für Damen und Herren unterschiedlicher sozialer Schichten. Im Keller lagen drei Bäder der vierten Klasse, wo die Armen – kostenlos – Zugang hatten. Im gehobeneren Bereich herrschte „Eleganz der Meubeln, Sophas und Spiegel“, wie Hofrat Johann Daniel Friedrich Rumpf berichtete.

Die Badewannen erster Klasse waren demnach „aus glasiertem Thon aus der hiesigen Feilnerschen Ofenfabrik, die der zweiten Klasse von Zink, die übrigen von Holz“. Im Nebengebäude warteten vier Schwefelbäder und ein Schwefeldampfbad.

Eine hauseigene Dampfmaschine hielt den Betrieb auch im Winter auf Temperatur. Es gab ein Gesellschaftszimmer, einen blumengeschmückten Korridor, einen Garten an der Spree, allerdings kein Bassin.

Der Abriss des schicken Badehauses, eines Berliner Juwels, begann um 1871 – es musste Kolonnaden weichen. Doch das Baden im historischen Teil Berlins soll bald wieder möglich sein - ganz in der Nähe.

Die Initiative "Flussbad" arbeitet an der Reaktivierung des seit über 100 Jahren weitgehend ungenutzten Spreekanals, und vor allem an der wichtigsten Voraussetzung: sauberem Spreewasser. Denn gebadet werden soll im Fluss und nicht im Badehaus. Also nichts für Warmbader.

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