„Ein Wendepunkt in meinem Leben“

Charlie Sheen macht seine HIV-Infektion öffentlich

US-Schauspieler Charlie Sheen gibt bekannt, dass er HIV-positiv ist. Kein ganz freiwilliges Geständnis: Er habe früher mehrere Millionen Dollar Schweigegeld gezahlt, um die Diagnose zu verheimlichen. Mit diesen Erpressungen solle nun Schluss sein.

Anne Vorbringer
4 Min
Charlie Sheen im US-Fernsehen: Er sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, weil er erpresst worden sei, sagte der Schauspieler.

Charlie Sheen im US-Fernsehen: Er sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, weil er erpresst worden sei, sagte der Schauspieler.

© getty images/Andrew Burton Lizenz

Gerüchte gab es schon seit Tagen, nun ist es Gewissheit: Der Schauspieler Charlie Sheen hat am Dienstag im US-Fernsehen bekannt gegeben, dass er HIV-positiv ist. „Ich muss einräumen, dass ich in der Tat HIV-positiv bin“, sagte der 50-Jährige in der „Today“-Show, die vom amerikanischen TV-Sender NBC ausgestrahlt wird.

Bereits am Montag hatte der Sender erklärt, Sheen werde in der Show ein „enthüllendes persönliches Statement“ abgeben. Was genau er verkünden würde, blieb zunächst unklar. Allerdings brodelte die Gerüchteküche schon seit geraumer Zeit.

Spekulationen vorbeugen

Anfang November hatte das Portal Radar Online bekannt gegeben, ein Hollywood-Star habe sich mit dem HI-Virus infiziert. Ein Name wurde nicht genannt, dafür jedoch eine Beschreibung, die auf Sheen perfekt zu passen schien: Ein Mann mittleren Alters, der als Playboy und für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt sei. Der regelmäßig Sex mit Prostituierten habe und Drogen konsumiere.


Charlie Sheen ist nicht der erste Star, der seine HIV-Infektion publik macht. 1991 ging Basketball-Spieler Magic Johnson mit der Diagnose an die Öffentlichkeit. Im September offenbarte Danny Pintauro („Wer ist hier der Boss?“), dass er mit dem Virus lebe.

Eine HIV-Infektion ist heute kein Todesurteil mehr. Betroffene können jahrzehntelang mit dem Virus leben, wenn sie rechtzeitig und regelmäßig Medikamente bekommen. Die Arzneien hindern das Virus an der Vermehrung, oft ist es kaum mehr nachweisbar.

In diesem Fall erkranken die Betroffenen auch nicht an Aids. Dennoch kann die Medizin das Virus nicht ganz aus dem Körper vertreiben. Weltweit werden etwa 15 Millionen Menschen, die das Virus in sich tragen, mit Medikamenten behandelt.


Nun ist der Golden-Globe-Preisträger, der als Hauptdarsteller der Sitcom „Two and a Half Men“ bis zu seinem Rauswurf im Frühjahr 2011 der bestbezahlte Seriendarsteller der Welt war, selbst an die Öffentlichkeit gegangen. Und zwar auch, um weiteren Spekulationen vorzubeugen: Er wolle Schluss machen mit Halbwahrheiten und verletzenden Geschichten über ihn, sagte Sheen in dem Interview.

Und tatsächlich hatten sich die Geschichten gehäuft – darüber, dass der Vater von fünf Kindern einigen seiner früheren Sexualpartnerinnen großzügige Summen überwiesen habe, um Berichte über seine HIV-Infektion zu verhindern. Darüber, wie er sich medizinisch behandeln lasse. Dass er Angst habe, mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen, weil er fürchte, es könne der Karriere schaden.

Einer Karriere, die schon viele Höhen und Tiefen gesehen hat. Auf der einen Seite stehen Erfolge, stehen Sheens Auftritte in gefeierten Filmen wie „Platoon“ und „Wall Street“ in den Achtzigern, ab 2003 dann die Rolle des Charlie Harper in der Serie „Two and a Half Men“. Sah man dem Womanizer Harper zu, wie er von einem One-Night-Stand zum nächsten taumelte, hatte man stets das Gefühl, Sheen spiele sich selbst.

Denn mit seinem Privatleben liefert Sheen fortwährend Schlagzeilen, nicht umsonst führte sein lockerer Lebenswandel zum Slangwort „sheening“, das in den USA synonym für starken Drogenmissbrauch und Totalabstürze gebraucht wird. Immer wieder hatte Sheen Probleme mit Alkohol und Drogen.

Daraus, dass er Sex mit etlichen Frauen hatte, machte er nie einen Hehl. Im Gegenteil: Er vermarktete sein Image als Playboy. 2011 lud er ein Fernsehteam in seine Villa ein, in der er zu dieser Zeit mit einem Porno-Starlet und einem Model in einer Dreierbeziehung lebte. Verbale Ausfälle, Hotelzimmerrandalen und Gewalt gegen Frauen, mit denen er zusammen war – all das sind traurige Konstanten in seinem Leben.

Mehrere Millionen gezahlt

Im Interview sagte Sheen, er habe die HIV-Diagnose vor vier Jahren erhalten. Wie er sich angesteckt habe, wisse er nicht. Aber: „Es ist ein Wendepunkt im Leben.“ Vom Moderator fast schon ins Kreuzverhör genommen, gab er zu Protokoll, er habe seit der Diagnose jedem Sexpartner von seiner Infektion erzählt. Er habe zwar auch anschließend mit zwei Personen ungeschützten Sex gehabt, es sei aber unmöglich, dass er das Virus weitergegeben habe.

Berichte über Erpressungen bestätigte Sheen. Eine Prostituierte habe Fotos von seinen Medikamenten gemacht und hinterher Geld gefordert. Er habe mehrere Menschen für ihr Schweigen bezahlt, insgesamt mehrere Millionen Dollar. Mit seinem Geständnis entlasse er sich nun selber aus diesem Gefängnis, so Sheen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema