Regenrinne, Balkon, Hochparterre

Neuer Trend bei Einbrechern zu beobachten

Es wird häufiger in Wohnungen, die im ersten oder zweiten Stock liegen, eingebrochen.

Katrin Bischoff
6 Min
Einbrecher nutzen verstärkt Regenfallrohre oder Balkonbrüstungen, um in Wohnungen einzusteigen. 

Einbrecher nutzen verstärkt Regenfallrohre oder Balkonbrüstungen, um in Wohnungen einzusteigen. 

© imago images / Schöning

Es gibt einen neuen Trend bei Einbrechern. Waren es vor wenigen Jahren noch kleine Gasbrenner, die die Täter nutzten, um in den Kunststoffrahmen von Terrassentüren ein Loch zu brennen, einen Draht hindurchzuschieben und damit die Schließmechanik der Tür zu öffnen, so entdecken derzeit immer mehr Einbrecher ihre „Sportlichkeit“. „Wir beobachten, dass Einbrecher vermehrt klettern“, sagt Georg von Strünck, Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Einbruchschutz am Platz der Luftbrücke.

Kriminalist rät davon ab, sich Einbrechern in den Weg zu stellen

Die Täter suchen sich für ihren Beutezug nicht mehr nur das Erdgeschoss oder aber Dachgeschosswohnungen aus. Sie brechen jetzt häufiger in Wohnungen ein, die in der ersten oder zweiten Etage liegen. „Sie schleppen dafür keine Leitern mit, sie nutzen die Einstiegshilfen, die sie vor Ort vorfinden“, erklärt der Erste Kriminalhauptkommissar. Dazu gehörten am Fenster angebrachte Metallstäbe, Regenfallrohre, Balkonbrüstungen. Einbrecher kommen in der Regel am Tage. „Weil nachts die Bewohner meist zu Hause sind“, sagt Georg von Strünck.


Serie zur Kriminalität in Berlin

Der Deutsche Präventionstag (DPT) findet am 20. und 21. Mai im Estrel Congress Center statt. Mit 3000 Teilnehmern ist es weltweit der größte Jahreskongress zur Kriminalprävention. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns diese Woche mit Fragen rund um diese Problematik.

Gewalt und die gefühlte Sicherheit sind die Themen am Montag.

Wohnungseinbrüche und Schutz vor Einbrechern stehen am Dienstag im Zentrum.

Mit Drogen und der Cannabislegalisierung beschäftigen wir uns am Mittwoch.

Gewalt auf dem Schulhof ist am Donnerstag der Schwerpunkt unserer Serie.

Der Extremismus wird am Freitag behandelt.

Mit Zivilcourage schließen wir am Sonnabend unsere Serie ab.


Einbrecher seien heimliche Täter, die unerkannt kommen und auch wieder verschwinden wollen. Die aber durchaus auch rabiat werden können, wenn sie bei der Tat erwischt werden.

Dies zeigt der Fall eines 54-jährigen Mannes, der im September vorigen Jahres in seiner Wohnung in der Alexandrinenstraße in Kreuzberg einen Einbrecher ertappt und sich in den Weg gestellt hatte. Der mutmaßliche Täter stach daraufhin mit einem Messer auf den Mieter ein. Ein tiefer Stich in den linken Unterarm traf die Arterie, der Mann verblutete. Der mutmaßliche Einbrecher steht deswegen derzeit auch wegen Mordes vor Gericht. Daher, so rät der Kriminalist, sollte man es vermeiden, sich dem Täter in den Weg zu stellen.

Bewegungsmelder und Lichtstrahler helfen gegen Einbrecher - Alarmanlagen eher weniger

Einbrecher sind nach von Strüncks Angaben Spezialisten. Sie leben von ihren Taten. „Es sind Gelegenheitstäter, die jede Gelegenheit nutzen“, sagt er. Ein angeklapptes Fenster, ein überfüllter Briefkasten, der von der Abwesenheit der Bewohner zeuge, ein lange Zeit dunkles Haus seien gerade in der Winterzeit Belege dafür, dass niemand zu Hause sei. „Ein nicht gesichertes Fenster oder eine nicht gesicherte Terrassentür zu öffnen, dafür braucht ein Einbrecher weniger als eine Minute“, sagt Strünck. Deswegen komme es darauf an, Eingangstüren, Terrassentüren und Fenster besonders zu schützen, es den Tätern also so schwer wie möglich zu machen. „Denn der Einbrecher hat nicht ewig Zeit. Scheitert er nach kurzer Zeit beim Eindringen in die Wohnung oder das Haus, gibt er den Einbruch auf.“

Georg von Strünck zeigt in der Beratungsstelle, in der insgesamt 15 Frauen und Männer arbeiten, gesicherte Eingangstüren, Fenster, Terrassentüren, Querriegel, Stangenschlösser und Türschlösser, die doch eine gewisse Sicherheit geben. Georg von Strünck erklärt Begriffe wie Pilzkopfzapfen und die standardmäßig eingebauten Rollzapfen bei Fenstern und Terrassentüren. „Standard ist in Ordnung, wenn ich im dritten oder vierten Stock wohne“, sagt der 57-Jährige. Ansonsten empfiehlt er Pilzkopfzapfen für die Verriegelungen, abschließbare Fenstergriffe, eine einbruchshemmende Terrassentür, einen Hochschiebeschutz bei Rollläden. Die blickdichte Hecke nennt der Erste Kriminalhauptkommissar dagegen eher kontraproduktiv. „Wenn ich nicht von den Nachbarn gesehen werde, können die Nachbarn auch nicht einen möglichen Einbrecher hinter der Hecke erkennen“, sagt er. Strünck empfiehlt für die Hecke Sichtachsen und Bewegungsmelder mit einem Lichtstrahler am Haus, der vom Einbrecher nicht so einfach weggedreht werden könne. Bei Alarmanlagen hält sich der Experte dagegen zurück. Zu oft würden sie einen Fehlalarm auslösen. Und das könne, wenn die Polizei umsonst anrücke, teuer werden.

Berater von der Polizei kommt kostenlos nach Hause - um beim Schutz gegen Einbrecher zu helfen

7574 erfasste Fälle von Wohnungseinbrüchen registrierte die Polizei in Berlin im vergangenen Jahr. Das ist der tiefste Stand seit vielen Jahren. 673 dieser Fälle wurden aufgeklärt, damit liegt die Quote bei 8,9Prozent. Doch mehr als 43 Prozent dieser Taten scheiterten beim Versuch. Niemand müsse Opfer eines Einbruchs werden, ist Strünck überzeugt. Aber er spricht auch davon, dass die Berliner beim Einbruchsschutz noch immer zu blauäugig seien. „Viele denken, das kann mir nicht passieren“, sagt er. Der Gedanke könne schnell zum Trugschluss werden.

Dagegen gingen die Täter mit offenen Augen durch Straßen und Siedlungen. Nicht auf elektronische Geräte hätten sie es in den meisten Fällen bei ihrem Beutezug abgesehen. „Bevorzugt werden noch immer Geld und Schmuck. Beides kann schnell abtransportiert und verwendet werden“, sagt der Sicherheitsexperte. Er empfiehlt, Schmuck und Geld nicht im Wäscheschrank zu verstecken. Dort würden die Täter zuerst wühlen. „Am besten ist in so einem Fall ein Tresor, der vor Wegnahme geschützt – also mit einer tragenden Wand oder mit dem Fußboden verschraubt ist.“ Zudem erhalten Interessierte in der Beratungsstelle oder auch online einen „Adressennachweis“ von Fachfirmen, die Schlösser, Türen oder Fenster einbruchssicher ein- oder umbauen können. Die Unternehmen haben sich laut Internetseite „dem Aufnahmeverfahren des Landeskriminalamtes Berlin erfolgreich unterzogen“.

Rund 80 Betriebe werden genannt, vom Schlosser, über den Schlüsseldienst bis hin zum Tischler. Wer sich allerdings unsicher ist, was er für seine häusliche Sicherheit benötigt, der kann sich einen Berater der Polizeilichen Beratungsstelle nach Hause bestellen. Das Angebot ist kostenlos, so man im Erdgeschoss, in der ersten Etage, im Dachgeschoss oder in einem Einfamilienhaus wohnt. Die Wartezeit für einen Termin beträgt derzeit zwei bis drei Wochen. In der Polizeilichen Beratungsstelle am Platz der Luftbrücke kann man sich ohne Termin und kostenlos beraten lassen. Geöffnet ist montags von 10 bis 18 Uhr und dienstags bis donnerstags von 8 bis 15 Uhr. Bauherren von Einfamilienhäusern können sich vor Baubeginn beraten lassen. Dann allerdings sollte man in der Beratungsstelle einen Termin vereinbaren.

Terminvergabe und Beratung unter Tel. 466 497 99 99 oder per E-Mail unter der Adresse einbruchschutz@polizei.berlin.de

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