Eine Chance fürs Tempodrom

Christine Richter
2 Min

Abschied nehmen ist schwer. Vor allem wenn man gehen muss - so wie Irene Moessinger und Norbert Waehl, die seit Jahren für das Kultur- und Veranstaltungszentrum Tempodrom verantwortlich waren. Und doch ist ihr Abschied vom Tempodrom notwendig und richtig.Irene Moessinger hat sich um das Kulturleben in dieser Stadt verdient gemacht, als sie Anfang der 80er-Jahre eine Erbschaft investierte und das Kulturzelt Tempodrom im Tiergarten gründete. Viele interessante Veranstaltungen haben dort ihren Ursprung - wie die Heimatklänge, die es früher noch "umsonst & draußen" gab. Doch als der Standort in Reichstagsnähe wegen des Umzugs der Bundesregierung aufgegeben werden musste, begann das Desaster. Der Neubau - wenn auch imposant und einzigartig in der Stadt - fiel viel zu groß aus, die Kosten verdoppelten sich auf 30 Millionen Euro. Und weil der Senat nicht wagte, einen halbfertigen Bau zu stoppen, schoss er immer weiteres Geld zu. Aus der Erfolgsgeschichte wurde die Tempodrom-Affäre, die schließlich zum Rücktritt des SPD-Landeschefs und Stadtentwicklungssenators Peter Strieder führte, zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und einem Untersuchungsausschuss, der immer noch tagt.Für die Kostenexplosion sind auch Moessinger und Waehl verantwortlich, die sich einen Prachtbau schaffen wollten. Außerdem stellte sich heraus, dass sie überfordert sind, ein solch großes Haus - das etwas anderes ist als ein Zelt - erfolgreich zu managen. Schade, dass die beiden das selbst nicht erkennen, sondern immer noch sagen, sie hätten die Einhaltung der Kosten gar nicht kontrollieren können. Deshalb ist ihr Abschied nun auch eine Chance - für das Tempodrom und die Kulturstadt Berlin.

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