Eine kleine Zeitungsberühmtheit

BLZ
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Magazin: "Berlin Mitte. Die Eintagsfliege" von Silke Janovsky (23.Oktober):Der Gedichte-Erzähler in der Bahn ist den Berlinern ja seit Langem bekannt, ich musste schmunzeln, dass er es jetzt bis in die Berliner Zeitung geschafft hat. Just am Montag fuhr ich wieder vom Rosenthaler zum Alexanderplatz und da war er: Der "Eintagsfliegen"-Erzähler.Prompt entdeckte ich drei Menschen, denen ein Lächeln über die Lippen kam und die allesamt ihren Geldbeutel zückten. Unser Gedichte-Erzähler war fassungslos (übrigens diesmal mit Socken in den Flip Flops) und murmelte "Mensch, was isn heute los. Das ist ja ein Ding. Im Übrigen kann man mich och noch heiraten!" Ich tippe stark darauf, dass jene Menschen, die ihm anscheinend (ebenso wie ich) großzügig Geld in den Becher warfen, Leser der "Berliner" sind. Zumal keiner der Spender ihn direkt gesehen hatte, nur von hinten gehört und schon zückten sie ihre Geldbörsen.Vielen Dank für diese nette kleine Geschichte über Menschen, die in unsere Stadt gehören. Ob er weiß, dass er jetzt eine kleine Zeitungsberühmtheit ist? Vermutlich nicht, aber dafür freut er sich über die unverhofft erhöhten Spenden.Noch ein Zusatz: Ich saß vor längerer Zeit an einer U-Bahn-Station mit ihm auf einer Bank. Ihm lief furchtbar die Nase, also reichte ich ihm ein Taschentuch. Er sah mich erstaunt an: "So 'ne hübsche Frau gibt mir ein Taschentuch? Seit meine Frau nicht mehr lebt, ist nämlich alles anders geworden." Ich erfuhr, dass er aus der Wohnung ausziehen musste. "Klar, so jemand wie ick findet keene Wohnung mehr. Die alte war zu groß für mich alleene. Nun hab' ick eine Schlafstätte, muss aber morgens um sieben dort raus und darf erst abends wiederkommen". Ich gab ihm dann noch zwei Euro. Er strahlte mich an, unser "Eintagsfliegen"-Erzähler.Ina Reeg, Berlin

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