Fragwürdiger Drill

Schwere Vorwürfe gegen Staatliche Ballettschule in Berlin

Anfang Januar ging bei der Senatsverwaltung ein anonymes Dossier mit Beschuldigungen ein - ohne Quellen zu nennen. Das soll nun untersucht werden.

Margarethe Gallersdörfer
2 Min
Die Staatliche Ballettschule Berlin

Die Staatliche Ballettschule Berlin

© Imago

Ungnädiger Drill, zu lange Arbeitstage, zu hoher Druck

Der RBB hatte am Donnerstag eine Recherche veröffentlicht, in dem vom Verdacht auf besorgniserregende Zuständen an der Eliteinstitution berichtet wird: Ungnädiger Drill, zu lange Arbeitstage für die zum Teil Minderjährigen, zu hoher Druck in Bezug auf ihr Aussehen und aktives Ignorieren des Problems Magersucht durch die Schulleitung. Zitiert werden anonym eine ehemalige Schülerin, eine noch tätige Lehrerin und eine ehemalige Lehrerin.

An der Schule werden 300 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zehn und 19 Jahren unterrichtet. Die Senatsverwaltung, unter deren Aufsicht sich die Schule seit einem Jahr befindet, teilte am Donnerstag mit, „anonyme Vorwürfe verschiedener Art“ seien seit September 2019 bekannt – darunter auch bislang unbestätigte Gerüchte über sexuelle Übergriffe durch eine Lehrkraft und Kinder, die trotz Verletzungen tanzten.

Anonymes Dossier listet Beschuldigungen auf

Man habe die Vorwürfe sehr ernst genommen, Schulleitung und Lehrkräfte seien befragt worden. Erhärten ließ sich bislang wohl nichts. Schulleiter Ralf Stabel habe damals wegen Verleumdung Anzeige gegen unbekannt erstattet. Am 9. Januar sei dann in der Verwaltung ein etwa 40-seitiges anonymes Dossier eingegangen, „das eine Reihe von Beschuldigungen auflistet, allerdings ohne Quellen offen zu legen“. Diesen Beschuldigungen soll nun die neue Kommission nachgehen.

Die renommierte Ballettschule war am Donnerstag auch Thema im Bildungsausschuss. „Elite bedeutet nicht, dass man sich nicht an Grundregeln zu halten hat“, sagte Schulstaatssekretärin Beate Stoffers. Vorwürfe gegen derzeit unterrichtende Lehrkräfte seien ihr nicht bekannt, es stünden aber Beschuldigungen im Raum, die untersucht werden müssten. Die Senatsschulverwaltung hatte bereits eine externe Moderation an die Schule geschickt mit der Aufgabe, dort „mögliche Problemlagen“ zu erkennen.

Offenbar durchaus mit Erfolg: Bei einem Studientag am Mittwoch sei deutlich geworden, so Stoffers, dass die Ballettschule ein „einheitliches Verständnis“ entwickeln müsse darüber, wie mit psychischen und physischen Belastungen bei den Schülerinnen und Schülern umzugehen ist. Stoffers kündigte außerdem die Einrichtung eines Krisentelefons für mögliche Betroffene und auch Ehemalige an. Hinweise nimmt auch das Beschwerdemanagement der Schulsenatsverwaltung entgegen.

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