KARLSHORST. Uwe John hat sie schon nicht mehr gezählt, die Sachbeschädigungen und Diebstähle auf der Trabrennbahn. Mal wurde in Büros eingebrochen, mal zerstörten Jugendliche mit ihren Autos das Oval. Bis jetzt waren das für den Sprecher des Berliner Trabrennvereins immer noch "Dumme-Jungen-Streiche". Doch der jüngste Vorfall ist weit mehr als das. Wie erst gestern bekannt wurde, sind in der Nacht zu Dienstag die Kabel der Flutlichtanlage sowie Leitungen zur Sprecherkabine zerstört worden. Außerdem wurde in die Tierarztpraxis und in Büros eingebrochen. "Das ist Sabotage", sagt John. "Da wollte jemand den Rennbetrieb lahm legen", sagt John. Das wäre den unbekannten Tätern auch fast gelungen. Denn nur durch Zufall wurde der Schaden bemerkt. Mitarbeiter des Trabrennvereins testeten am Dienstag die Flutlichtanlage. "Wir wollten vor dem Rennen am Mittwoch ein neues Funkmikrofon ausprobieren und schauen, ob von der Flutlichtanlage Strahlungen ausgehen, die den Gebrauch des Funkmikros beeinträchtigen", sagt John. Doch als die Kollegen den Schalter für die Anlage drückten, passierte nichts. Die 31 Flutlichtmasten blieben dunkel. Die Kabel waren professionell durchtrennt worden. "Hätten wir die zerschnittenen Kabel nicht entdeckt, hätten wir das Rennen am nächsten Tag absagen müssen." Auch Schäden an der Sprecherkabine fanden die Mitarbeiter. Dort waren Kabel durchtrennt, die unter anderem für die Fernsehübertragung gebraucht werden.Wer hinter der Tat steckt, weiß John nicht. Er ist aber überzeugt, dass sich die Täter bestens auf dem Gelände auskennen. Der Trabrennbahn sollte ein schwerer Schaden zugefügt werden. Vermutungen, dass die Tat etwas mit der Konkurrenzsituation der zwei Berliner Trabrennbahnen zu tun haben könnte, weist John zurück. "Wir betreiben als Verein beide Bahnen und sind nach anfänglichen Schwierigkeiten zufrieden", sagt er. Die Umsätze seien stabil, es gebe zurzeit keinen Grund, eine der Bahnen zu schließen.Der Berliner Trabrennverein hat die Bahn in Karlshorst von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) gepachtet. "Die Schäden belaufen sich nach ersten Schätzungen auf rund 5 000 Euro", sagt TLG-Sprecherin Sabine Pentrop. Noch seien aber nicht alle Reparaturrechnungen eingegangen, eine endgültige Bilanz könne erst in wenigen Tagen vorgelegt werden. Die TLG ist verärgert über die Zerstörungen, einen Wachschutz will sie aber nicht engagieren. "Den hatten wir schon einmal", sagt Pentrop. Der Service habe damals 12 000 Mark im Monat gekostet. "Gebracht hat es nichts." Die Zahl der Straftaten hat dadurch nicht abgenommen. "So ein großes Gelände kann man nicht einfach so hermetisch abriegeln."Die Polizei ermittelt inzwischen gegen unbekannt. Allerdings sind die Ermittler noch nicht weit. "Wir werden die Streifenfahrten verstärken", sagt Polizeisprecher Frank Thiele. Die Kripo sucht nun Zeugen, die in den vergangenen Tagen verdächtige Personen an der Trabrennbahn gesehen haben. Hinweise nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer 29 32 64 25 entgegen.Seit 1884 im Trab // Die Anlage: Auf der Trabrennbahn Karlshorst gehen seit 1884 Traber mit ihren Sulkys an den Start. Das Gelände ist 60 Hektar groß. Neben dem 1 200 Meter langen Oval gibt es auch Ställe. Zurzeit sind dort 150 Pferde untergebracht Der Verein: Seit Juli 2000 betreibt der Berliner Trabrennverein die Bahnen in Karlshorst und Mariendorf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einer drohenden Schließung verzeichnet der Verein nun in Karlshorst stabile Umsätze. Im nächsten Jahr sind dort mindestens 40 Rennen geplant.
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