Nach der letzten Vendée Globe habe er versucht, einen Psychologen zu finden, der ihm helfen sollte, erzählt Boris Herrmann auf dem Portal von Eurosport. „Aber ich habe niemanden gefunden, der nachvollziehen konnte, was ich durchmache.“ Nun steht ihm genau das wieder bevor, was er befürchtet und zugleich ersehnt.
Im Hafen von Les Sables-d’Olonne an der französischen Atlantikküste bereitet er sich auf seinen Start zur Vendée Globe vor, der härtesten Regatta für Einhandsegler, die am 10. November beginnt. Gefahren wird mit Jachten der Open-60-Klasse, etwa 18 Meter lang. Jemand nannte sie „Geschosse aus Kohlefaser“.
Platz drei beim Ocean Race: Segler Boris Herrmann zieht ein positives Fazit
Am Sonntagmittag geht es für Boris Herrmann los: von Frankreich aus über den Atlantik bis zum Südpolarmeer und dann einmal um den Globus; etwa 45.000 Kilometer durch stürmische und gefährliche Regionen, ganz allein, ohne Stopp und ohne fremde Hilfe. Lange hat sich Herrmann mit seinem Team Malizia – das er 2016 gemeinsam mit Pierre Casiraghi aus Monaco gründete – auf die mittlerweile zehnte Vendée Globe vorbereitet.
80 Tage Einsamkeit mit bösen Überraschungen
Seine neueste Hochseesegeljacht „Malizia-Seaexplorer“ ist die schnellste, die je für einen deutschen Segler gebaut wurde. Auch die Instrumente wurden verbessert, um den Segler vor bösen Überraschungen zu bewahren. Denn alles Mögliche kann passieren. Bei der letzten Vendée Globe vor vier Jahren nahm Herrmann an der Such- und Rettungsaktion für einen schiffbrüchigen französischen Teilnehmer teil. Seine eigene Jacht kollidierte kurz vor dem Ziel mit einem Fischereiboot. Er erreichte noch als Fünfter das Festland.
Als erster Deutscher hatte sich der Ausnahmesegler, 1981 in Oldenburg geboren, für diese härteste Solo-Segelregatta der Welt qualifiziert. Er weiß, was auf ihn zukommt. Der Stress ist riesig. Herrmann wird nur stundenweise schlafen können. Vor allem fürchtet er die Einsamkeit, dass er mehr als 80 Tage keinen physischen Kontakt zur Familie, zu Freunden haben wird.
Erst belächelt, jetzt beneidet: Boris Herrmanns Boot als Starkwind-Rakete
Zugleich aber ist er süchtig nach dem Segeln. Dabei fühle man sich „den Astronauten näher als den Menschen auf der Erde“, sagte er. „Ja, und alle Entbehrungen einmal hinzunehmen, das bedeutet auch, dass man wieder mal versteht, wie gut es uns eigentlich geht, was wir alles haben.“
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de