BERLIN, 19. April. Nach der Ankündigung massiver Preissenkungen durch den Einzelhandelskonzern Wal-Mart haben Fachleute vor den Folgen einer neuen Preisschlacht in der Branche gewarnt. Gute und sichere Lebensmittel müssten einen angemessenen Preis haben, sagten Vertreter des Bauernverbandes sowie des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV) der Berliner Zeitung. Es bestehe die Gefahr, dass andere Handelsketten auf den Vorstoß Wal-Marts reagieren und ebenfalls ihre Preise noch weiter herunterschrauben werden. Damit würde der Druck auf Landwirte und Lebensmittelindustrie unweigerlich zunehmen."Wer Geiz-ist-geil-Methoden durchsetzen will, der riskiert eine Landwirtschaft, die an der Grenze dessen produziert, was der Natur zuzumuten ist", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born. Die Landwirte selbst hätten dagegen ein Interesse an einer nachhaltigen Produktion. Sie seien maßlos verärgert über das Vorgehen der großen Ketten, die die Erzeugerpreise immer weiter zu drücken versuchten. "Wir sind nicht bereit, qualitativ hochwertige Ware zu verschleudern", betonte Born.Der US-Handelsriese Wal-Mart hatte am Montag angekündigt, in seinen deutschen Filialen die Preise von mehr als 1 000 Artikeln um teilweise mehr als ein Fünftel zu senken. Damit will das Unternehmen Discounter wie Lidl und Aldi attackieren. Zu den verbilligten Waren gehören auch zahlreiche Lebensmittel. Wal-Mart betreibt in Deutschland 89 große Supermärkte. Anfang des Monats hatte bereits die Metro-Tochter Real in einer eintägigen Aktion Lebensmittel zu Niedrigstpreisen verkauft.Die Verbraucherzentralen erinnerten daran, dass Lebensmittel in Deutschland bereits jetzt so günstig seien wie nirgendwo sonst in Europa. "Der fortwährende Preisdruck kann zu neuen Lebensmittelskandalen führen", sagte VZBV-Sprecher Christian Fronczak. Wenn die Discounter und Supermarktketten die Ware immer billiger abgeben, müssten sie dies auf ihre Lieferanten umwälzen. "Bei Lebensmitteln besteht die Gefahr, dass an Qualität und Sicherheit gespart wird", sagte Fronczak. Notwendig sei ein neuer Qualitätsbegriff, der auch Faktoren wie Herstellungsbedingungen, Umweltverträglichkeit und Service berücksichtige. Der Chef der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, Thilo Bode, sagte, der Wettbewerbsdruck im Handel könne zum Qualitätsverlust der Nahrungsmittel beitragen. Das eigentliche Problem seien aber "die Spielregeln der Produktion". Bei der Erzeugung von Lebensmitteln gebe es zum Teil zu laxe Vorschriften, zu wenig Kontrollen, eine zu geringe Haftung und zu wenig Transparenz.Auch der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, bezeichnete die Lebensmittelpreise in Deutschland als sehr niedrig. Dass das Ende der Abwärtsspirale in Sicht ist, glaubt er nicht: "Schließlich erzielen die Hersteller immer wieder Produktivitätsfortschritte. Der harte Wettbewerb unter Anbietern und Händlern führt hier zu Lande dazu, dass diese Fortschritte an die Kunden weitergegeben werden müssen." Ob mit der Aktion von Wal-Mart eine erneute Preissenkungsrunde im Lebensmittelhandel ausgelöst werde, könne man noch nicht einschätzen. "Allerdings lassen sich die deutschen Discounter ihre Preisführerschaft nicht so einfach nehmen."Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka will auf den Wal-Mart-Vorstoß nicht reagieren. "Was anderes wäre es, wenn Aldi die Preise senkt", sagte Manager Dirk Schlüter.------------------------------"Wir sind maßlos verärgert über das Vorgehen der großen Ketten." Helmut Born, Bauernverband------------------------------Foto: Auch Milch und Milchprodukte werden von den großen Handelsketten oft zu Niedrigstpreisen verkauft. Den Landwirten und Verarbeitern macht der Kostendruck zunehmend zu schaffen.
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