Eisbären verlieren gegen München

Vom Vorsprung zum Rückstand in 132 Sekunden

München hat in der Berliner Arena die Nase vorn.

Benedikt Paetzholdt
3 Min
Da flutscht die Scheibe ins Tor: Berlins Goalie Petri Vehanen kassiert rücklings am Boden gegen München das 2:1.

Da flutscht die Scheibe ins Tor: Berlins Goalie Petri Vehanen kassiert rücklings am Boden gegen München das 2:1.

© imago/Bernd König

Vielmehr glich das beste Team der Hauptrunde einer wilden Stierherde, die voller Wut diese Halbfinalserie ausgleichen wollte; was dank eines 2:1 aus Gäste-Sicht auch gelang. Eisbären-Verteidiger Frank Hördler sagte: „Wir haben heute genau das gesehen, was wir erwartet haben. Die wollten das unbedingt zurückholen.“

Doch der Zorn nach der 2:3-Overtime-Niederlage am Freitag mündete erst mal nicht in der passenden Umsetzung. Das Team des ehemaligen Meistertrainers Don Jackson, der doch recht verkniffen dreinblickte, wirkte oft zu hektisch, so dass ein erneut starker Petri Vehanen im Berliner Tor anfangs nicht besonders viel Mühe hatte, die Münchner Schüsse zu entschärfen.

Torgefahr der Berliner in diesen Playoffs

In der 13. Minute zeigt er allerdings mal wieder eine Glanzparade, die offenbarte, warum er so wichtig für seine Mannschaft ist.

Dass es zu diesem Zeitpunkt 1:0 für die Eisbären stand, zeigt die Torgefahr der Berliner in diesen Playoff-Tagen. Nach einem Pass von Frank Hördler, der die gesamte Abwehr aushebelte, stürmte Julian Talbot alleine auf das Gehäuse von Danny aus den Birken zu. Der konnte Versuch Nummer eins abwehren, der Rebound landete dann aber im Netz.

Dass die Berliner in der eigenen Halle konterten, zeigte aber schon, dass die Gäste hier Regie führen wollten. Das machte sich gerade auch im Berliner Powerplayb bemerkbar. Immer wieder spielten die Eisbären mit mehr Mann auf dem Eis, kurz vor der ersten Pause hatten sich sogar zwei Münchner auf die Strafbank verdrückt, doch ein echtes Powerplay war nicht zu erkennen.

Vom Vorsprung zum Rückstand in nur 132 Sekunden

Weil das Jackson-Team selbst in eigener Unterzahl massiv Druck ausübte. „Da muss mehr kommen“, sagte Hördler, „es ist wichtig, dass wir da was draus machen.“ So wie beim Overtime-Tor am Freitag.

Bei gleicher Spielerstärke konnten sich die Berliner dem Münchner Druck dann nicht mehr erwehren. Ein bisschen hatte man das Gefühl, dass die vielen Verlängerungen der letzten Tage noch in manchem Muskel sitzen. Innerhalb von 132 Sekunden hatte sich der Vorsprung in einen Rückstand verwandelt.

Keith Aucoin (28.) und Jason Jaffray (30.) hatten die anhaltende Druckwelle in Tore verwandelt. „Das ist ein anderer Druck als gegen Mannheim“, sagte Hördler, „ein sehr spezielles Forechecking.“

Der geklaute Heimvorteil ist weg

Mit den Erfahrungen vom Freitag, als das Team von Uwe Krupp einen Zwei-Tore-Rückstand noch drehte, war die Hoffnung längst nicht erloschen, im zweiten Spiel den zweiten Sieg einzufahren. Doch obwohl die weiß gekleideten Gäste ihre Sturm- und Drangphase nicht aufrechterhalten konnten, fehlte letztlich die nötige Wucht, um auch diesem Spiel eine andere Wendung zu geben.

Der geklaute Heimvorteil ist somit weg. Die Eisbären sind wieder etwas mehr in die Herausforderer-Rolle gerutscht. Für André Rankel ändert das allerdings nichts am allgemeinen Playoff-Wohlbefinden. Er sagte: „Es steht 1:1, das ist alles andere als unkomfortabel. Wir wollten 2:0 in Führung gehen, aber wir sind im Hier und Jetzt.

Bereits am Dienstag steht auf fremdem Eis der nächste Akt an (19.30) Uhr. Wie Getriebene wirkten auch Jackson und Eisbären-Coach Uwe Krupp auf der anschließenden Pressekonferenz nicht. So gelangweilt wie der Münchner Coach sein Statement auf Deutsch ablas, war diese Partie wahrlich nicht. Noch ist aber eben nichts Entscheidendes passiert.

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