Eishockey Deutschland-Cup

Arbeitsnachweis auf der Autobahn

Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina möchte beim Deutschland-Cup an diesem Wochenende für Aufbruchsstimmung sorgen. Es ist Teil einer groß angelegten Reform: Vor allem die Nachwuchsarbeit soll langfristig gefördert werden.

Benedikt Paetzholdt
3 Min
Hat jetzt den Durchblick: Pat Cortina.

Hat jetzt den Durchblick: Pat Cortina.

© dpa Lizenz

Pat Cortina hat viel gesehen in diesem Sommer. 9000 Kilometer will der 49-jährige Eishockey-Bundestrainer auf europäischen Autobahnen zurückgelegt haben. Um die A-Nationalmannschaft, die beim Deutschland-Cup in München von Freitag bis Sonntag die Saison versöhnlich ausklingen lassen will, ging es dabei weniger. Vielmehr besuchte der Italo-Kanadier die Basis, leistete hier einen ersten Arbeitsnachweis als Sportdirektor. Das ist der deutlich wichtigere, wenn auch weniger öffentlichkeitswirksame Teil seines Zwitter-Anstellungsverhältnisses beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB).

„Ich weiß jetzt, wie der DEB funktioniert“, sagt Cortina. Damit hat er sich in der Erkenntnis-Hierarchie schlagartig sehr weit nach oben katapultiert. Mit dem Projekt, die Strukturen des Verbands zu durchschauen, tut sich mancher schwer. Entsprechend wenig ist in letzter Zeit passiert, um hier die Arbeitsweisen an die Bedürfnisse von Gegenwart und Zukunft anzupassen.

„Momentan weiß U16 nicht, was U18 tut“

Geht es nach Cortina, dem immer noch ein Rest-Makel der verpassten Olympiaqualifikation anhaftet, soll sich das schnell ändern. „Wir müssen anfangen, in eine Richtung zu gehen“, sagt er. „Und wir müssen gemeinsame Standards einführen.“ Er meint damit vor allem die Ausbildung im Nachwuchsbereich. „Momentan weiß U16 nicht, was U18 tut.“ Das sei für ihn mitentscheidend dafür, dass Deutschland keine Eishockeynation ist. Anders als die Schweiz, die man gerne als Vergleich heranzieht, meistens mit ernüchternden Erkenntnissen für die Entwicklung hierzulande.

Am Freitag (20 Uhr, Sport 1) warten beim Heimturnier der Senioren gerade diese Eidgenossen. Danach folgen die Slowakei und die USA. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen und den Titel verteidigen“, sagt Cortina, der weiß, dass diese Punkte auf dem Wunschzettel am schwierigsten zu erfüllen sein werden. Wegen zahlreicher Absagen − vor allem verletzungsbedingt − waren mal wieder allerhand Umbauten im Kader nötig geworden. Kein einziger Berliner ist in München dabei. Zudem fehlen Spieler wie Christoph Schubert (Hamburg), Moritz Müller (Köln) oder Kai Hospelt (Mannheim).

Die anderen Wünsche Cortinas sollten sich da schon leichter umsetzen lassen. „Wir wollen dem deutschen Eishockey ein Gesicht geben“, sagt er, „und den Leuten zeigen, dass wir glücklich sind, hier spielen zu dürfen.“ Trotz der begrenzten Aussagekraft des Deutschland-Cups als Turnier erhofft er sich gerade bei den nachnominierten Spielern eine Aufbruchstimmung Richtung Zukunft.

Ansage des Präsidenten

Denn wie im Eishockey so üblich, wartet auch im kommenden Jahr eine Weltmeisterschaft, Gastgeber wird voraussichtlich Weißrussland sein. Bis auf ein belangloses Tête-à-tête in Frankreich, wo sich Deutschland während der Olympischen Spiele mit anderen Gescheiterten misst, sowie der Euro Hockey Challenge 2014, wo wegen der Playoffs Schwund herrscht, gibt es kaum Gelegenheit, am Kader zu basteln.

Das hat auch Verbandspräsident Uwe Harnos erkannt, der sagt: „Spieler und Trainer müssen jetzt schon perspektivisch alles für die nächste WM machen.“ Das klingt wie eine ernste Ansage: Schon jetzt beim Deutschland-Cup sollte Cortina Ergebnisse liefern. Warum auch sonst braust er Tausende von Kilometern auf Verbandskosten durchs Land.

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