Bis vor einigen Monaten war es den ganz kühnen Optimisten vorenthalten, ernsthaft zu glauben, dass Stefan Ustorf tatsächlich wieder in den sportlichen Betrieb der Eisbären Berlin zurückkehren wird. Ein erschreckendes Bild gab Ustorf ab, als er im März vergangenen Jahres nach 625 Spielen in Deutschlands höchster Spielklasse seinen Rücktritt vom Profisport erklärte. 2011 hatte er im Ligaspiel gegen Hannover ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. An Sport war überhaupt nicht mehr zu denken. Chronische Kopfschmerzen bestimmen seitdem seinen Alltag. Eine Therapie folgt auf die nächste.
Seit dem Wochenende steht jetzt aber fest, dass der gebürtige Kaufbeurer im Sommer als Sportlicher Leiter beim DEL-Rekordmeister anheuert – als Stellvertreter von Manager Peter John Lee. Er sagt: „Er hat sich über die Jahre viel Erfahrung und Respekt im Eishockey erarbeitet und bereits als Spieler bewiesen, dass er hervorragende analytische Fähigkeiten besitzt.“ Ustorf, 40, soll eine Art Bindeglied zwischen Mannschaft und Geschäftsführung sein. Scouting und Erfolgskontrolle gehören jetzt zu seinem Aufgabengebiet.
Von einem Happy End für Ustorf zu sprechen, wäre verfrüht. Im Interview mit dieser Zeitung hatte er jüngst gesagt: „Ich muss mich damit abfinden, dass einige Schäden nie mehr verschwinden.“ Es ist deshalb nicht abzusehen, wie sein Körper auf die Belastungen reagieren wird. Seit dem folgenschweren Check im Ligaspiel gegen Hannover befand er sich durchweg in medizinischer Behandlung. Erst in der Schlussphase der vergangenen Saison hatte man ihn wieder regelmäßig als Beobachter in der Eishalle gesehen. Schritt für Schritt versucht er, wieder Normalität ins Leben zu bekommen.
Die Eisbären können von der Rückkehr Ustorfs nur profitieren. Der ehemalige Kapitän und 127-fache Nationalspieler führte die Eisbären zu sechs Meistertiteln. Er ging auf dem Eis voran, ließ viele Zähne beim Einsatz für die Mannschaft. Nach einer verkorksten Saison und dem Ausscheiden in den Pre-Playoffs kann Ustorf der Mannschaft als Orientierungspunkt beim Neuanfang dienen. Hilfreich dabei ist die Expertise aus 59 Spielen in der nordamerikanischen Profiliga NHL.
Nicht weniger wertvoll sind Ustorfs rhetorische Fähigkeiten. Im ruppigen Männergeschäft war der zweifache Familienvater eine Ausnahmeerscheinung. Diese Begabung kann er zukünftig einbringen, um die Eisbären in der Öffentlichkeit wieder besser zu positionieren. Sein Vorgesetzter schien damit zuletzt etwas überfordert.
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