Elbphilharmonie

Kleinvieh in der Bedürfnisanstalt

Die Elbphilharmonie wird nun wohl doch mit Klobürsten zu 40 statt wie ursprünglich geplant zu 290 Euro pro Stück ausgestattet. Wie wäre es, wenn man die Notdurftverrichtung ganz vom Kulturgenuss abkoppelt? Überall Sparpotenzial!

Ulrich Seidler
3 Min
Kleine Nachbildungen haben auch viel Sparpotenzial: Die Elbphilharmonie im Maßstab 1:130.

Kleine Nachbildungen haben auch viel Sparpotenzial: Die Elbphilharmonie im Maßstab 1:130.

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Jedes Theater, jedes Museum, jeder Konzertsaal, kurz: Jede kulturelle Institution sollte auch eine funktionstüchtige Bedürfnisanstalt sein. Ausgerechnet am Montag, dem Welttoilettentag, mussten wir erfahren, dass die für die Hamburger Elbphilharmonie zuständigen Behörden den Vorwurf der Verschwendungssucht zumindest im Punkt sanitäre Ausstattung scharf zurückweisen. Nein, sie wollten mitnichten Unsummen für die Toilettenausstattung verprassen, zumindest nicht in dem Maß wie ursprünglich einmal geplant.

Irgendwelche Medienleute haben aus längst überarbeiteten Kalkulationen die Preise dieser für den reibungslosen Kulturgenuss unverzichtbaren Gerätschaften herausposaunt: eine Toilettenbürste für mehr als 290 Euro. Fast 1000 Euro für einen Papierspender und noch einmal 274 Euro für einen Korb, in den man das gebrauchte Papiertuch (Bütten vermutlich) entsorgen kann. Wie gesagt, das waren Zahlen aus besseren Zeiten. Inzwischen ist man sich im Klaren, dass man die aus dem Ruder gelaufenen Baukosten (irgendwas im neun- bis zehnstelligen Bereich) zumindest auf niederster symbolischer Ebene auffangen muss und hat sich mit einem Klobürstenmodell für 40 Euro begnügt. Wir hoffen, dass es sich bei dem Bürstenhalter um ein diebstahlsicher anschraubbares Produkt handelt, wegen der Wiederbeschaffungskosten. Die Bürsten selber wären in bescheidener, aber durchaus zweckdienlicher Form schon für 1 Euro zu haben.

Ist diese Krümelkackerei kulturpolitisch überhaupt würdig? Wir meinen: Ja! Das bisschen Sparen scheint, wie der Seitenblick auf die finanziellen Nöte etwa der mecklenburgischen oder uckermärkischen Bühnen verrät (um nur die zu nennen, die gerade über den Ticker laufen), nichts zu nützen. Da springt ja pro Kabinenausstattung noch nicht einmal die Monatsgage für einen Anfängerschauspieler heraus. Sicher. Aber. Kleinvieh.

Es ist nicht lang her, da haben Theaterbesucher ihr vom Munde abgespartes Stückchen Kohle oder einen Scheit Brennholz selbst mitgebracht. Warum sollte man sich in Zukunft nicht wenigstens mit Papier ausstatten, bevor man ins Museum geht? Ist es zu viel vom Konzertbesucher verlangt, seine Verdauung so zu regulieren, dass er nicht die gesellschaftlich getragene Einrichtung unnötig notdürftig belastet? Jeder sollte seinen kleinen Beitrag leisten.

Mit gutem Beispiel gehen die Schauspieler der nächsten Katie-Mitchell-Inszenierung in der Schaubühne voran, indem sie den für ihre Beleuchtung nötigen Strom selbst erzeugen. Sie treiben spielend und strampelnd kleine Elektrogeneratoren an. Diese Energie!

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