Landgericht Berlin

Elfjährige und Großmutter getötet: Kurzer Prozessauftakt

Eine Mutter soll ihre Tochter und ihre eigene Mutter getötet haben. Als die Tat entdeckt wird, sind auch die 42-Jährige und ihr Vater schwer verletzt. Die St...

dpa
2 Min
ARCHIV - Fahrzeuge der Kriminaltechnik und Polizei stehen vor einer Häuserzeile in Berlin-Köpenick.

ARCHIV - Fahrzeuge der Kriminaltechnik und Polizei stehen vor einer Häuserzeile in Berlin-Köpenick.

© Paul Zinken/dpa/Archivbild

Der 71-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft von den Tötungsplänen gewusst und trotzdem nichts unternommen haben, um das Leben seiner Enkelin zu retten. Dem Senior wird Totschlag durch Unterlassen zur Last gelegt. Seine Verteidigerinnen kündigten an, dass sie für ihn im Prozess eine Erklärung verlesen werden.

Die Angeklagten waren am 16. Oktober selbst schwer verletzt aufgefunden worden. Die Frau in derselben Wohnung in Berlin-Köpenick wie das Mädchen und seine Großmutter, der Großvater in seiner Wohnung in der Nähe. Die 42-Jährige und ihr Vater hätten die Absicht gehabt, sich ebenfalls zu töten, hieß es von der Berliner Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung. Dies sei auch jeweils versucht worden - aber letztlich nicht gelungen. Von allen vier Familienmitgliedern sollen Abschiedsbriefe gefunden worden sein.

Die deutsche Familie habe sehr zurückgezogen gelebt, hieß es am Rande der Verhandlung. Sie sei „sehr, sehr gläubig“ gewesen, man habe „für sich gebetet“, so eine Anwältin. Es handele sich aber nicht um einen religiösen Wahn. Die Staatsanwaltschaft hatte bei Anklageerhebung mitgeteilt, die Familie habe sehr „bibeltreu und pietistisch“ gelebt. Dabei soll ihr Glaube „auch spirituell-esoterische Züge“ angenommen haben. Dadurch soll sich die Familie immer mehr von der gesellschaftlichen Entwicklung überfordert und mit der Politik unzufrieden gezeigt haben. Vor diesem Hintergrund sei der Plan für die angeklagten Taten entstanden.

Tochter und Vater kamen zunächst in Krankenhäuser und wurden später festgenommen. Beide befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind bislang neun weitere Verhandlungstage bis zum 14. Juni terminiert.

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