Elstal: Bahn Technologie Campus Havelland wird auf altem Rangierbahnhof gebaut

Der alte Wasserturm steht wie ein stummer Wächter am Eingang zu dem weitläufigen Gelände. Vor dem Krieg war dieses Bahn-Areal in Elstal (Havelland) der zweitgrößte Rangierbahnhof im Berliner Umland. Noch immer zeugen die mehr als drei Dutzend alten Backsteingebäude von der damaligen Bedeutung. Noch liegt der im Jahr 1909 eröffnete Rangierbahnhof im Dornröschenschlaf. Doch frische tiefe Reifenspuren im aufgewühlten Boden zeigen, dass sich hier etwas ...

BLZ
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Wustermark/Elstal - Der alte Wasserturm steht wie ein stummer Wächter am Eingang zu dem weitläufigen Gelände. Vor dem Krieg war dieses Bahn-Areal in Elstal (Havelland) der zweitgrößte Rangierbahnhof im Berliner Umland. Noch immer zeugen die mehr als drei Dutzend alten Backsteingebäude von der damaligen Bedeutung. Noch liegt der im Jahr 1909 eröffnete Rangierbahnhof im Dornröschenschlaf. Doch frische tiefe Reifenspuren im aufgewühlten Boden zeigen, dass sich hier etwas tut.

Bahn Technologie Campus Havelland (BTC) geplant

Das, was hier passiert, soll wieder mit der Bahn zu tun haben. Hier im westlichen Berliner Umland ist der sogenannte Bahn Technologie Campus Havelland (BTC) geplant. „Soweit ich das eruiert habe, gibt es kein vergleichbares Projekt in diesem Umfang in ganz Deutschland“, sagt Geschäftsführer Andreas Guttschau.

Das Ganze ist eine ungewöhnliche Kombination: Hier soll ein großes Ausbildungszentrum entstehen – für alles, was mit Schienen und Gleisen zu tun hat. Dazu Forschungseinrichtungen, eine Akademie sowie gewerbliche Unternehmen mit Bezug zur Bahn. Dass es einen großen Bedarf gibt, zeigt sich in Berlin, wo die Verkehrsbetriebe immer weniger Fahrer finden.

Ebenfalls ungewöhnlich an dem Projekt: Hausherr ist nicht etwa die Deutsche Bahn. Hauptteilhaber sind der Landkreis Havelland und die Havelländische Eisenbahn AG. Auch die Gemeinde Wustermark ist beteiligt. Allein in die Infrastruktur sollen 20 Millionen Euro investiert werden.

BTC größtes Innovationsprojekt im Kreis Havelland

Es wurden bereits Kontakte zum benachbarten Güterverkehrszentrum (GVZ) in Wustermark geknüpft. Mehr als 30 Unternehmen sind dort angesiedelt. Geschäftsführer Andreas Guttschau sagt, dass es ein großes Interesse an einer Kooperation gäbe. Der BTC gilt als das größte Innovationsprojekt im Kreis. Das Land Brandenburg gab 13 Millionen Euro Fördermittel dazu.

Theorie und Praxis in der Ausbildung verbinden, mit den Schienen vor der Tür ist das Erprobungsfeld bereits da. Die klassischen Berufe, Lokführer, Rangierer, Wagenmeister sollen hier ausgebildet werden. Auch akademische Anwärter für Berufe rund um die Bahn sollen in Elstal ein modernes Zentrum mit Praxisbezug bekommen. Die technische Hochschule Brandenburg und die Technische Universität Dresden sind bereits Partner des Projekts. Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung gehören ebenfalls zum Programm. Dazu kommt Forschung rund um die Schiene. „Wir streben hier eine Denkfabrik an“, sagt Guttschau.

Der Campus soll allen Anwärtern zur Ausbildung offenstehen. Wie sich das im Einzelnen gestaltet, wird gerade noch geklärt, laut Guttschau auch mit der Deutschen Bahn. Andreas Guttschau ist Diplom-Verwaltungswirt und hat in verschiedenen öffentlichen Verwaltungen gearbeitet. Günther Alsdorf war beruflich immer der Bahn verbunden, arbeitete bis 2017 bei der Havelländischen Eisenbahn AG. Dort wird ebenfalls ausgebildet. „Wir hatten eine Quote von null Prozent Abbrechern“, sagt er. Bis 2020 seien die Ausbildungsplätze dort bereits vergeben. Neben der Ausbildung nimmt auch die Forschung einen beträchtlichen Teil des Projektes ein. „Über die Zukunft der Bahn entscheidet die soziale Akzeptanz“, sagt Alsdorf. Weniger Lärm könnte nach Ansicht der beiden Geschäftsführer ein Baustein für eben diese Akzeptanz sein. Zu diesem Zweck wollen sie klären, wie der Lärm im Bahnverkehr reduziert werden kann. „LärmLab21“, heißt das Vorhaben, dass Bahnreisenden und Menschen, die dicht neben Bahngleisen leben, mehr Ruhe bringen soll.

Wasserweg über den Havelkanal in Sichtweite

Der 1909 eröffnete Rangierbahnhof erstreckt sich über 34 Hektar und ist damit etwas größer als der Berliner Zoo. Für die Verwirklichung des Projektes hat BTC noch zusätzliche zwölf Hektar Land erworben. 30 Kilometer Gleise stehen als Experimentierfeld zur Verfügung. Im Moment laufen die Räumungsarbeiten, der Bahnhof wurde in den letzten Kriegstagen massiv bombardiert. Zug um Zug soll es weitergehen. Geld von Kreis und Land wird in die Infrastruktur investiert, mit den Arbeiten soll in Kürze begonnen werden. Im Anschluss sollen die denkmalgeschützten Gebäude saniert und in ein modernes bauliches Ensemble integriert werden. Guttschau schätzt, dass hierfür etwa 70 bis 80 Millionen Euro nötig wären. Er hofft auf Unterstützung vom Bund.

Mehr Lieferverkehr auf die Schienen verlagern, das gehört zu den Plänen von Alsdorf und Guttschau. Neben den Kontakten zu den Unternehmen im GVZ Wustermark sollen auf dem Gelände selbst Gewerbe mit Bahnbezug angesiedelt werden. Die Rahmenbedingungen sind gegeben, die Schienen liegen quasi hinter der Tür, die Autobahn 10 und die Bundesstraße 5 führen in unmittelbarer Nähe vorbei, mit dem Binnenhafen HavelPort Berlin ist auch der Wasserweg über den Havelkanal in Sichtweite.

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