Cristiano Ronaldo wird ihm auf ewig dankbar sein. Denn ohne seine Heldentaten hätte der 39 Jahre alte Starspieler am Montagabend das EM-Stadion in Frankfurt am Main fraglos als ein ganz trauriger Tropf verlassen. Als derjenige, der es für die Portugiesen in der Verlängerung des Achtelfinales gegen Slowenien mit einem verschossenen Elfmeter vermasselt und danach bitterliche Tränen vergossen hat.
Aber nein, da gab es eben diesen fantastischen Torhüter, Diogo Meireles Costa mit vollständigem Namen, der zum einen gegen Ende der Verlängerung auf grandiose Art und Weise per Fußabwehr einen Schuss des allein auf ihn zulaufenden Benjamin Sesko entschärfte, zum anderen im notwendig gewordenen Elfmeterschießen die ersten drei Versuche der Slowenen parierte und damit dem dritten Schützen aus seinen eigenen Reihen die Chance gab, diesen Thriller zugunsten der Seleção zu entscheiden.
Iker Casillas hatte eine Ahnung
Noch nie zuvor hatte ein Keeper bei einer EM derartiges fertiggebracht. Und noch selten zuvor hatte ein Schlussmann von der renommierten Sporttageszeitung Bola eine glatte 10 als Benotung erhalten. Sein Elfmeter-Geheimnis? Der 24-Jährige, der beim FC Porto unter Vertrag steht, hat offenbar keins. Nur so viel sagte er im Nachgang der Partie in aller Bescheidenheit: „Wir schauen uns jeden Spieler an. Aber die Spieler ändern ihre Meinung und ändern ihre Art zu schießen. Ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt.“ Und dann doch mit etwas mehr Pep: „Das war das beste Spiel meines Lebens. Vielleicht das Spiel, in dem ich meiner Mannschaft am nützlichsten war.“
Der Mann, der aus dem unglücklichen Ronaldo einen glücklichen gemacht hat, wurde im schweizerischen Rothrist im Kanton Aargau als Sohn portugiesischer Eltern geboren, ist – wie Schweizer Medien berichten – sowohl Eidgenosse als auch Portugiese. Im Alter von sieben Jahren ging es für ihn mit der Mutter allerdings nach Portugal, wo er als Elfjähriger vom FC Porto entdeckt wurde.
Ronaldo weint und das Netz fällt über ihn her – doch was sagt die Wissenschaft?
EM 2024: Frankreich braucht ein Eigentor für den Einzug ins Viertelfinale
Es folgte eine Bilderbuchkarriere, durch alle Jugendauswahlmannschaften Portugals bis hin in die Nationalmannschaft, wobei der legendäre Spanier Iker Casillas, der von 2015 bis 2020 beim FC Porto spielte, als Mentor und Vorbild dem Vernehmen nach entscheidenden Einfluss auf Costas Entwicklung genommen hat. Überliefert ist von Casillas bezüglich Costa jedenfalls folgendes, aus dem Jahr 2016 stammendes Zitat: „Ich glaube, dass aus ihm ein großer Torhüter werden kann.“ Tja, so ist das, wenn die Vermutung durch die Tatsache abgelöst wird.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de