„Wir haben noch mal Kräfte mobilisiert und durchgehalten“, sagte der zum besten Spieler der Partie gewählte Kari Arnason, während sein Trainer Heimir Hallgrímsson von einem historischen Moment sprach. „Normalerweise ist unser Nationalfeiertag am 17. Juni, aber ich denke, wir werden das ändern, so viel bedeutet uns dieser Sieg“, sagte der Fußballlehrer mit einem Schmunzeln. Künftig werde der 22. Juni gefeiert, meinte Hallgrímsson. Am 17. Juni 1944 wurde die Republik Island ausgerufen, nachdem die Atlantikinsel die Unabhängigkeit von Dänemark erreicht hatte.
Für die Österreicher, in der Heimat zuvor nach starker Qualifikation als Wundertruppe gefeiert, ist es ein unerwartet kurzes Turnier geworden. Nur einen Punkt konnten sie ergattern, und den beim 0:0 gegen Portugal äußerst glücklich. Gestern boten sie ihre beste Leistung, doch da fehlte zur Abwechslung ihnen das Glück gegen sehr starrsinnige Isländer. „In der zweiten Halbzeit haben wir so gespielt wie in der Qualifikation“, sagte Koller, „das haben wir gegen Ungarn und Portugal nicht getan.“
Ungebrochener Optimismus
Der Optimismus der Fans aus dem Alpenland war vor dem Match ungebrochen. Mehr als zur Hälfte war das Stadion in österreichischer Hand, obwohl die Isländer in jedem Fall einen größeren Prozentsatz ihrer Bevölkerung mobilisiert hatten. Koller ließ sein Team deutlich offensiver auftreten als beim 0:0 gegen Portugal, Marko Arnautovic spielte mit Marcel Sabitzer und David Alaba in vorderster Front. Dem neuen System wollte Koller Österreichs Fehlstart aber nicht zuschreiben. „Wir waren zu hektisch und nervös und haben einfach nicht sauber gespielt“, sagte der Trainer.
Island - Österreich 2:1
Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason - Gunnarsson, Gylfi Sigurdsson - Gudmundsson (86. Ingason), B. Bjarnason - Bödvarsson (71. E. Bjarnason), Sigthorsson (80. Traustason)
Österreich: Almer - Dragovic, Prödl (46. Schöpf), Hinteregger, Fuchs - Ilsanker (46. Janko), Baumgartlinger - Klein, Alaba, Arnautovic - Sabitzer (78. Jantscher)
Tore: 1:0 Bödvarsson (19.) 1:1 Schöpf (60.), 2:1 Traustason (90.+4)
SR: Szymon Marciniak (Polen)
Zuschauer: 65.714
Gelb: Arnason, Halldorsson, Skulason, Sigthorsson – Janko
Bes. Vork.: Dragovic schießt Foulelfmeter an den Pfosten (37.)
Schon in der zweiten Minute nahmen die isländischen Anhänger indes erfreut zur Kenntnis, dass ihr Team nicht gekommen war, um auf ein Remis zu spielen, das zum Weiterkommen gereicht hätte. Johann Gudmundsson von Charlton Athletic gab einen vehementen Schuss ans Lattenkreuz ab, dem Torhüter Robert Almer nur erstaunt nachschauen konnte. Es genügte dann aber eine simple Kopfballverlängerung nach einem weiten Einwurf, um die Abwehr der Österreicher auszumanövrieren. Julian Baumgartlinger kam viel zu spät gegen Jon Dadi Bödvarsson, und der Stürmer vom 1. FC Kaiserslautern schoss Island in der 18. Minute in Führung.
Während die Nordmänner nun ihren Offensivdrang deutlich reduzierten, war Alaba bei den verzweifelt angreifenden Österreich erneut mit einigen Fehlpässen am Werk. Gefährlich war allein Arnautovic, bis Ari Skulason beschloss, den nicht gerade als Kopfballmonster berühmten Alaba bei einem diesbezüglichen Versuch am Arm festzuhalten. Doch Aleksandar Dragovic hatte offenbar zu genau bei Cristiano Ronaldo zugeschaut. Wie der Portugiese gegen Österreich beförderte er den Elfmeter an den linken Pfosten (37.).
Nach der Pause brachte Koller mit Marc Janko einen weiteren Stürmer, und es begann eine Dauerbelagerung des isländischen Strafraums, die in der 60. Minute auch zum Erfolg führte. Nach Vorarbeit von Alaba traf der ebenfalls eingewechselte Alessandro Schöpf zum Ausgleich. Das reichte noch nicht, entsprechend wütend rannte Kollers Team gegen trödelnde Isländer an. „Wenn zehn Mann am Sechzehner stehen und eine isländische Mauer bilden, ist es schwierig durchzukommen“, sagte Koller, „wir haben es ein paar Mal gut gemacht, aber es hat nicht zum Siegtor gereicht.“ Das schossen dafür die Isländer. Der Jubel des isländischen TV-Kommentators ist unbeschreiblich.
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