Mit seiner Unterstützung für die Vision eines „Groß-Israel“ hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in mehreren arabischen Ländern Empörung hervorgerufen. Von Ägypten bis Jordanien stießen die Äußerungen von Netanjahu in einem Interview auf scharfe Kritik und wurden am Donnerstag als „Eskalation“ und „Bedrohung der Souveränität“ der Staaten der Region verurteilt.
Der Begriff „Groß-Israel“ bezieht sich auf die biblischen Grenzen aus der Zeit des Königs Salomon und umfasst neben dem Westjordanland auch Teile israelischer Nachbarländer wie Jordanien, Libanon und Syrien. Ultranationalistische Israelis streben die Besetzung dieser Gebiete aus biblischer Zeit an.
In einem Interview mit dem Fernsehsender I24 News hatte ein Journalist am Dienstag Netanjahu gefragt, ob er auch der „Vision“ eines „Groß-Israel“ anhänge. Dabei überreichte der Interviewer Sharon Gal, der kurzzeitig als rechtsgerichtetes Mitglied der Knesset tätig war, Netanjahu gegen Ende des Interviews ein Geschenk, das er als Amulett mit einer „Karte des Gelobten Landes“ bezeichnete. „Das ist meine Vision“, sagt Gal. Er scherzt, dass er Netanjahu nicht weiter in die Vorwürfe gegen den Premierminister „verwickeln“ wolle, wonach er angeblich Schmuck und andere Luxusgüter von mehreren Geschäftsleuten für sich und seine Frau Sara erhalten habe, sagt aber auch, dass er sich wünschen würde, dass Netanjahu das Amulett Sara schenkt.
„Danke“, sagt Netanjahu. „Können Sie sich mit dieser Vision identifizieren?“, fragte Gal Netanjahu. „Sehr sogar“, antwortet der Premierminister. „Wirklich?“, fragt Gal. „Sehr“, wiederholt Netanjahu. „Es ist Groß-Israel“, betont Gal.
„Wenn Sie mich fragen, sind wir hier“, antwortet Netanjahu, hält inne und fährt dann fort: „Sie wissen, dass ich oft meinen Vater erwähne. Die Generation meiner Eltern musste den Staat gründen. Und unsere Generation, meine Generation, muss sein Fortbestehen sichern. Und das sehe ich als eine große Mission.“
Ägypten und Jordanien sehen in Netanjahus Äußerung Eskalation
Das Außenministerium in Ägypten – ie ägyptische Sinai-Halbinsel war nach dem Krieg von 1967 von Israel besetzt worden – forderte eine „Klarstellung“ von Israel zu dem Thema. Das Ministerium warnte vor „Provokation zur Instabilität, Zurückweisung der Friedensoption in der Region“ sowie einer „Eskalation“.
Das jordanische Außenministerium prangerte eine „gefährliche provokante Eskalation und eine Bedrohung der Souveränität des Landes“ an. Das Ministerium im Irak warf Israel am Donnerstag „expansionistische Bestrebungen“ vor. Auch der Irak sprach von „Provokation“.
Saudi-Arabien wies ebenfalls am Mittwoch „Besiedlungsprojekte und Expansionsideen durch die israelischen Besatzungbehörden“ zurück und hob das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat hervor. Im Februar hatten mehrere arabische Länder Netanjahus Vorschlag kritisiert, einen palästinensischen Staat auf saudiarabischem Staatsgebiet einzurichten.
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