Während die Berliner Polizei über Personalmangel klagt, sind Nachwuchs-Polizisten nach ihrer Ausbildung vielleicht bald arbeitslos. Dies hat es seit Kriegsende nicht mehr in Berlin gegeben.Ende dieses Monats beenden 133 Polizeischüler regulär ihre zweijährige Ausbildung im mittleren Dienst zum Polizeimeister. Weil der Senat sparen muss, werden nur die 53 Besten übernommen. Die Schüler dieses Lehrgangs müssen sich zudem mit 30 Bewerbern messen, die normalerweise erst im Frühjahr fertig würden, aber wegen guter Leistungen ihre Prüfung schon im Oktober ablegen dürfen. Im Dezember werden an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege weitere 299 Polizei- und Kriminalkommissare fertig, von denen das Land hundert übernehmen will.Im vergangenen Jahr konnten das Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundesgrenzschutz (BGS) Berlin bei der Übernahme von etwa 150 Absolventen helfen. Dieses Mal sieht es anders aus. "Eine solche Punktlandung" sei wegen der Größe des Ausbildungsganges und der hohen Zahl früherer Übernahmen durch BKA, BGS und andere Bundesländer "nunmehr nicht zu erwarten", heißt es in einem Brief, den der Ausbildungsleiter jetzt an die Absolventen schickte. Laut Bundesinnenministerium sollen wieder "einige Absolventen" übernommen werden. Intern wird dort bezweifelt, dass es so viele wie im Vorjahr sein werden. Deshalb riet der Ausbildungsleiter der Berliner Polizei seinen Schülern: "Ich bitte Sie daher eindringlich, sich intensiv um eine Übernahme bei anderen Dienstherren zu bemühen, um Sie in keine ungewisse Zukunft entlassen zu müssen. " Solche Sätze klingen bei manchen wie Hohn. "Wir sollen also selbst zusehen, wo wir bleiben", sagt ein Absolvent. "Jeder Elektriker kann sich überall bewerben, als Polizist ist man festgelegt. " Entscheidend für die Übernahme sind die Prüfungsnote und soziale Kriterien. Mit einem komplizierten System wird daraus die Gesamtpunktzahl errechnet. Die letzten mündlichen Prüfungen finden am 26. August statt, einen Tag später werden die "Gewinner" auf Ranglisten ausgehängt. Wer weder von Berlin noch vom Bund oder einem Bundesland übernommen wird, dem bleibt am 1. September der Gang zum Arbeitsamt.So schlimm soll es laut Innenverwaltung nicht kommen. "Im Moment sieht es so aus, dass für die Betroffenen keine Probleme bestehen", sagte der Sprecher der Innenverwaltung, Peter Fleischmann, am Montag. "Es sei denn, sie fallen durch die Prüfung. " Sowohl auf Bundesebene als auch bei Ländern wie Niedersachsen sei Interesse an Absolventen bekundet worden. "Es ist für die Länder und den Bund attraktiv, voll ausgebildete Polizisten zu übernehmen und für die Betroffenen ein Chance. " Viele Neu-Polizisten dürfte es wie im vergangenen Jahr nach Hamburg ziehen. Die Hansestadt will bis Ende nächsten Jahres 500 Beamte einstellen. "Wir sind mit der Ausbildung der Berliner sehr zufrieden", sagte der Sprecher der Hamburger Innenbehörde, Thomas Model.Dass Berlin nur ein Drittel der Polizeischüler übernimmt, ist für den innenpolitischen Sprecher der CDU, Frank Henkel, ein Armutszeugnis. "Der Innensenator spielt mit der Sicherheit Berlins, wenn er nicht von den Stellenstreichungen Abstand nimmt", so Henkel.
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