Man kann ihn überall gewinnen. Beim Warten auf Bus oder Arzt, beim Einkaufen, auf den Straßen, beim Fernsehen sowieso: den Eindruck, Deutschland sei ein Land der alten Menschen. Das ist zum Teil die normale Bevölkerungsentwicklung -unsere Gesellschaft altert, das ist keine neue Erkenntnis. Andererseits ist es in unserem Land aber auch so, dass man die Jungen nicht oder nur mit Widerwillen in die erste Reihe lässt. Und so bleiben sie eben in vielen gesellschaftlichen Bereichen unsichtbar. Chancenlos.2010 soll das Jahr sein, in dem wir um unsere Chancen kämpfen. Schon 2009 haben wir etwa mit den Studentenprotesten gezeigt, dass wir unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten und falsche Systeme verändern wollen. Zum Beispiel die Bologna-Reform. Sie wurde vielfach dafür kritisiert, undemokratisch von oben herab diktiert zu sein und den Leistungsdruck auf die Studierenden unnötig zu erhöhen. Das wollen wir nicht hinnehmen, und wir werden all unsere Energie in die Rücknahme der Reform stecken. Diese Energie wird auch 2010 und darüber hinaus zu spüren sein, sodass wir es bald schaffen, die junge Generation schneller und höher in wirtschaftliche und soziale Strukturen zu integrieren.Bislang ist es für junge Menschen fast unmöglich, eine beruflich hohe Position vor der Faltengrenze zu erreichen. Da wird eine 32-Jährige Familienministerin, und ein ganzes Land staunt über solch einen Ausnahmefall. Dabei könnten viele Mittzwanziger und Dreißiger Großes schaffen, wenn man sie nur ließe. Bislang wird in Deutschland das Potenzial, das aus dem Zusammenspiel von Tatendrang und Ideenreichtum der Jungen und der Erfahrung der Alten entstehen kann, viel zu wenig genutzt.Es geht nicht darum, die Alten aufs Abstellgleis zu stellen, sondern um einen klugen Umgang mit der aktuellen Altersstruktur der Gesellschaft. Wir müssen lernen, das Wissen der älteren Generation im praktisch-wirtschaftlichen Sinne und ihre allgemeine Lebenserfahrung zu nutzen und sie sinnvoll mit den Vorzügen der jungen Generation zu verknüpfen. Dafür muss man aber endlich anfangen, den Jungen etwas zuzutrauen.Damit hat Deutschland ein Problem. Während bei CNN und BBC U-30-Journalisten Nachrichten sprechen dürfen und ernst genommen werden, scheint es bei uns die ungeschriebene Regel zu geben, dass man Seriosität und Glaubwürdigkeit erst mit einem gewissen Alter ausstrahlen kann. Und das ist nur ein Beispiel von vielen aus der Wirtschaft.2010 werden wir anfangen, lautstark dafür zu kämpfen, nicht mehr in der Praktikumsschleife geparkt zu werden, weil höhere Positionen blockiert sind. Wir werden euch Modelle aufzeigen, die es möglich machen, dass ältere Menschen als Ratgeber fungieren für jüngere Menschen, die die Chance bekommen, sich zu beweisen. In diesem Sinne: Frohes neues Jahr!------------------------------Foto: Felix Szabó: "Deutschland traut seinen jungen Menschen nichts zu."Foto: 2010 lassen wir es krachen.
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