In Zusammenhang mit der anhaltenden Hitzewelle in Frankreich ist das Kernkraftwerk Golfech im Südwesten des Landes faktisch abgeschaltet worden. Grund ist die erwartete Erwärmung des Flusses Garonne, dessen Wasser zur Kühlung der Reaktoren auf den zulässigen Grenzwert genutzt wird.
Eine Sprecherin des Betreibers EDF erklärte, der zweite Reaktor des Kraftwerks sei am Montag um 23.45 Uhr aus „umweltbedingten Einschränkungen“ vorsorglich heruntergefahren worden, wie die Zeitungen Le Monde und Le Parisien unter Berufung auf AFP berichteten. Der erste Reaktor des Kraftwerks stehe bereits seit Mai wegen Wartungsarbeiten still. Beide Druckwasserreaktoren haben laut Le Parisien eine Leistung von je 1,3 Gigawatt.
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Verordnung begrenzt Erwärmung der Flüsse
Eine französische Verordnung aus dem Jahr 2006 schreibt demnach vor, dass die Temperatur der Garonne nach den Einleitungen des Kraftwerks 28 Grad nicht überschreiten darf. Die Grenzwerte sollen Tier- und Pflanzenwelt in den Flüssen schützen. Frankreichs 57 Kernreaktoren liegen entweder am Meer oder an Flüssen, da sie dauerhaft gekühlt werden müssen.
Bereits am vergangenen Donnerstag hatte EDF nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vor Produktionseinschränkungen an den Kraftwerken Golfech, Blayais und Bugey gewarnt. Auch das Kraftwerk Saint Alban an der Rhône werde wahrscheinlich betroffen sein.
Ein Analyst des Finanzanalyseunternehmens AlphaValue, Pierre-Alexandre Ramondenc, sagte dem Bericht zufolge, dass hitzebedingte Drosselungen die Strompreise an den betroffenen Tagen um bis zu fünf Euro pro Megawattstunde verteuern könnten. Ein struktureller saisonaler Anstieg werde jedoch nicht erwartet.
Produktionsdrosselungen aus Umweltgründen wirken sich laut Le Parisien bislang nur gering auf die französische Atomstromproduktion aus – sie kosten im Schnitt schätzungsweise rund 0,3 Prozent der Jahresleistung, hieß es. Vor dem Hintergrund des Klimawandels könnte dieser Wert ohne Gegenmaßnahmen dem Bericht zufolge bis 2050 auf etwa 1,5 Prozent steigen.
Hitze in großen Teilen Europas
Frankreich erlebte laut dem Wetterdienst Météo France am Montag den heißesten landesweit gemessenen Nachmittag seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947. Für 54 Départements gilt die höchste Hitzewarnstufe Rot – nach Angaben des Wetterdienstes ebenfalls ein bislang beispielloser Wert.
Der französische Premierminister Sébastien Lecornu erklärte laut Reuters am Dienstag, dass seit dem Wochenende vierzig Menschen im Zusammenhang mit der Hitzewelle beim Schwimmen in nicht überwachten Gebieten gestorben seien. Auch Spanien, Italien, Belgien und Großbritannien sind nach Angaben von Reuters von der Hitzewelle betroffen, mit Höchstwerten von über 45 Grad in der andalusischen Stadt Andújar am Montag.
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