Ein Jahr nach der Ankündigung der Energiewende gehen deutsche Solarfirmen reihenweise pleite – gleichzeitig machen die großen Energiekonzerne wieder ordentliche Gewinne. Doch halt: Der Rückschluss, dass das nur mit großkonzernfreundlicher Politik der Regierung zu tun hat, ist überhastet, zeigt ein Blick auf die Eon-Bilanz.
Tatsächlich legte Eon am Montag richtig gute Zahlen vor. Dass der Aktienkurs nicht in die Höhe schoss, lag nur daran, dass die wichtigsten Neuigkeiten schon vorab bekannt waren. Der Gewinn verdreifachte sich in den ersten sechs Monaten 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 3,1 Milliarden Euro.
Hälfte des Gewinns kommt von Gazprom
Allein die Hälfte des Zusatzgewinns stammt allerdings aus der kürzlich erzielten Einigung mit Gazprom, über die jahrelang verhandelt wurde. Gazprom gewährte Eon endlich einen Preisnachlass. Zuletzt hatte das Gasgeschäft hohe Verluste verursacht, weil der Brennstoff teurer eingekauft werden musste als er verkauft werden konnte.
Der zweite Effekt ist den Bilanzregeln geschuldet: Im ersten Halbjahr 2011 hatte Eon in seinen Zahlen berücksichtigen müssen, dass zwei seiner Atommeiler vom Netz mussten. Insgesamt schlugen die verkürzten Laufzeiten vor einem Jahr mit einem einmaligen Effekt von 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Entsprechend besser fällt das Ergebnis jetzt aus. Am Dienstag wird Hauptkonkurrent RWE vermutlich aus den gleichen Gründen ebenfalls deutlich bessere Zahlen vorlegen.
Eon-Chef Johannes Teyssen hat den heftigen Einbruch im Vorjahr für eine radikale Neustrukturierung des Konzerns genutzt – auf Kosten der Eon-Mitarbeiter. Der einst zweitwichtigste Standort München wurde drastisch verkleinert. Bis zu 11.000 Beschäftige müssen insgesamt gehen, vor allem in Deutschland. Der Konzern hat mit der Tradition gebrochen, dass die großen Energiekonzerne ihre Mitarbeiter pfleglich behandeln.
Probleme könnte Eon allerdings noch bekommen, wenn die Strompreise so niedrig bleiben wie derzeit. Der Großteil des Stroms, den Eon zurzeit produziert, wurde bereits vor einem bis drei Jahren verkauft. Gibt es keine Erholung, wird es zum Beispiel für einige Gaskraftwerke eng, die Schließung droht.
Noch ist das Geschäft mit erneuerbaren Energiequellen deutlich kleiner als die Umsätze mit Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken. Die konzerneigene Energiewende hat Eon noch lange nicht abgeschlossen. Doch die Gewichte bei Neuinvestitionen verschieben sich immer stärker Richtung grüne Energie. Eon wandelt sich.
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