Frankreichs Staatschef steht mit dem Rücken zur Wand. Doch wenn Nicolas Sarkozy angesichts der Proteste aufgibt, hätte dies für Frankreich wie für ihn verheerende Folgen. Das Land braucht die Rentenreform und die längere Lebensarbeitszeit: weil die Pensionskassen jährlich 32 Milliarden Euro Minus machen und bereits jede zweite Rente auf Pump finanziert ist; weil Rating-Agenturen die angekündigte Sanierung mit Argusaugen verfolgen und drohen, im Fall des Misslingens die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabzustufen. Was dies bedeuten kann, zeigte das Beispiel Griechenland. Und Sarkozy, der selbst ernannte Reformer, ginge ohne Reform bei der Präsidentschaftswahl 2012 als Verlierer an den Start.Zugleich kann er als Staatschef nicht einfach zusehen, wie die Lage außer Kontrolle gerät, Reformgegner das Land lähmen. Also versucht er, wenigstens den Treibstoffmangel zu mildern, lässt Zufahrtsstraßen zu blockierten Depots räumen - was die Fronten nur noch verhärtet. Theoretisch könnte der Präsident zwar auch den Kompromiss suchen. Aber angesichts der aufgeheizten Stimmung würde ein solches Signal die Reformgegner ermutigen, aufs Ganze zu gehen. Heute Abend soll die Reform verabschiedet werden. Sarkozy hofft, dass vollendete Tatsachen den Gegner resignieren lassen. Gut möglich ist aber auch, dass das Volk dann erst recht auf die Barrikaden geht.
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