Ermittlung gegen Fitschen

Deutsche-Bank-Chef droht Gefängnisstrafe

Nach dem Abgang des umstrittenen Josef Ackermann wollte Nachfolger Jürgen Fitschen einen Kulturwandel einleiten. Doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Prozessbetrugs. Die Reputation der Bank ist schwer angeschlagen.

Sebastian Wolff
4 Min
Da hilft nur noch beten.

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© Reuters/Kai Pfaffenbach Lizenz

Schlimmer Schock für die Deutsche Bank und ihre Aktionäre: Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt einer ihrer beiden Vorstandschefs, Jürgen Fitschen, im Rechtsstreit mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch vor Gericht gelogen zu haben. Es gehe um versuchten Prozessbetrug, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Im Falle einer Verurteilung drohen Fitschen bis zu fünf Jahren Gefängnis. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe vehement zurück. Ob es tatsächlich zu einer Anklage kommt, ist noch offen. Fitschens Vertrag wurde gerade um zwei Jahre bis 2017 verlängert. Die Aktie der Deutschen Bank lag am Dienstagnachmittag rund zwei Prozent im Minus und war damit einer der größten Verlierer im Dax.

Prozessrisiken in Milliardenhöhe

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Fitschen sind ein neuer Höhepunkt in den juristischen Auseinandersetzungen, denen sich Deutschlands größtes Geldhaus und seine obersten Führungskräfte seit Jahren ausgesetzt sehen. Mehr als vier Milliarden Euro hat die Deutsche Bank für Prozessrisiken bereits zurückgestellt. Und ein Ende der Hiobsbotschaften ist noch nicht absehbar. Der Reputationsschaden ist immens. Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim befürchtet deshalb auch gravierende Auswirkungen für das laufende Geschäft: Angesichts der Flut an Rechtsstreitigkeiten dürfte es dem Führungsduo Fitschen und Anshu Jain immer schwerer fallen, sich auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren.


Trickreich: Neben den Belastungen aus der Affäre Kirch sieht sich die Deutsche Bank zahlreicher Manipulations- und Trickserei-Vorwürfen ausgesetzt. So soll sie ihre Bilanz in der Finanzkrise geschönt, in- und ausländische Gemeinden bei Zinsgeschäften übervorteilt, Umsatzsteuerbetrug begangen, die Interbankenzinsen Libor und Euribor manipuliert und am Devisenmarkt getrickst haben. Die Bank sieht sich deshalb im Visier von Aufsehern und und Staatsanwälten.


Dabei hatten Jain und Fitschen bei ihrem Amtsantritt im Juni 2012, als sie den umstrittenen Vorstandschef Josef Ackermann ablösten, einen Kulturwandel versprochen: Fragwürdige Geschäfte sollten der Vergangenheit angehören. Stattdessen sehen sich die beiden Chefs mit immer neuen Vorwürfen konfrontiert: Neben dem Schadenersatzverfahren der Kirch-Familie geht es um mutmaßliche Zinsmanipulationen, Bilanztricksereien und fragwürdige US-Hypothekendeals.

Hinzu kamen jüngst Recherchen der Finanzaufsicht, die dem Verdacht von Manipulationen auf dem Devisenmarkt nachgehen. Viele der Vorwürfe betreffen seinen Co-Chef Jain, der viele Jahre lang das Investmentbanking geleitet hatte. Doch nun gerät zunehmen auch Fitschen unter Druck. In Frankfurt am Main ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn bereits wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug bei CO2 -Verschmutzungsrechten.

800 Millionen Euro waren nicht genug

Dabei galt der 65-jährige Fitschen bei seinem Amtsantritt noch als Prototyp des hanseatisch korrekten und integren Bankers alter Prägung. Er wurde Jain bewusst auch deshalb an die Seite gestellt, um das nach der Ära Ackermann angeschlagene Image der Bank wieder aufzupolieren. Seit dem Frühjahr ist Fitschen auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) und damit oberster Repräsentant der Privatbanken in Deutschland.

Das Oberlandesgericht München hatte der Bank im vergangenen Dezember eine Mitverantwortung für die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Jahr 2002 gegeben. Der damalige Vorstandschef Rolf Breuer hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs in einem Interview öffentlich infrage gestellt, obwohl die Deutsche Bank selbst zu den Gläubigern Kirchs gehörte. Das Geldhaus wurde deshalb zu Schadenersatz verurteilt, um dessen Höhe beide Seiten allerdings noch ringen. Vergleichsverhandlungen sind wiederholt gescheitert – und das obwohl die Deutsche Bank angeblich bereit war, 800 Millionen Euro an die Kirch-Erben zu zahlen.

Finanzkreisen zufolge dürften die Ermittlungen gegen Fitschen bis 2015 dauern: „Das hängt dann solange wie ein Damoklesschwert über Fitschen“, sagt ein Insider. Das Geldhaus stellte sich hinter seinen Co-Chef und erklärte: „Die Bank ist davon überzeugt, dass sich der Verdacht als unbegründet erweisen wird.“ (mit Reuters)

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