Ermordet von der RAF: Unprominente Opfer wie Martin Schleyer und Heinz Marcisz geraten in Vergessenheit

Die Terroristen töteten 34 Passanten, Personenschützer, Fahrer und Polizisten.

BLZ
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Die Bitte der früheren RAF-Terroristin Silke Maier-Witt um Verzeihung, die sie an den jüngsten Sohn des ermordeten Hanns Martin Schleyer gerichtet hat, ist in vielen Medien ein großes Thema gewesen. Was aber ist mit den Familien von Reinhold Brändle, Roland Pieler, Helmut Ulmer und Heinz Marcisz? Wer das ist?

Es sind die Namen der Männer, die von den RAF-Terroristen bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten am 5. September 1977 ermordet wurden. Sie waren seine Begleiter, drei Polizisten und sein Fahrer. Heinz Marcisz etwa, der Schleyers Wagen steuerte, trafen fünf Geschosse. Er wurde 41 Jahre alt, hinterließ zwei Kinder und eine Ehefrau, die zwei Jahre später starb, weil sie seinen Tod nicht verwinden konnte.

12.500 Mark als Entschädigung

Die Männer teilen das Schicksal vieler der 34 Opfer der RAF, die keinen prominenten Namen tragen: Sie sind in der Öffentlichkeit so gut wie vergessen. Dabei sind die Folgen – das Entsetzen, die Trauer, die Leere – für ihre Familien genauso groß wie für die Hinterbliebenen von Hanns Martin Schleyer, des Bankiers Jürgen Ponto oder des Generalbundesanwalts Martin Buback.

In der Regel sind sie sogar noch härter getroffen, denn anders als die Familien der wohlhabenden prominenten Opfer stürzte sie der Tod des Haupternährers oft auch in materielle Schwierigkeiten. Die Hinterbliebenen der Polizisten bekamen eine Entschädigung von 12.500 D-Mark und ein Telegramm von Kanzler Helmut Schmidt.

Keinerlei Skrupel

Die Terroristen der Rote Armee Fraktion standen in dem Ruf, zentrale Führungsfiguren der von ihnen als imperialistisches System begriffenen Bundesrepublik anzugreifen, was ihnen eine gewisse Zeit Sympathien in einigen linksradikalen und links-intellektuellen Kreisen brachte.

Doch von Anfang hatten die Akteure keinerlei Skrupel, auch Menschen aus unteren Gesellschaftsschichten zu ermorden, wenn sie ihnen in die Quere kamen. Ihre ersten Opfer waren alles andere als symbolträchtige, hochrangige Repräsentanten des „kapitalistischen Schweinesystems“, wie die RAF die Bundesrepublik oft nannte.

"Das war eine militärische Entscheidung"

Als Ersten ermordeten zwei RAF-Mitglieder am 22. Oktober 1971 an einer Hamburger S-Bahnstation den Zivilfahnder Norbert Schmid. Zwei Monate später erschossen Terroristen während eines Banküberfalls in Kaiserslautern den Polizeibeamten Herbert Schoner. Und auch ihr drittes Opfer war ein Polizist. Hans Eckhardt wurde am 2. März 1972 bei einem Schusswechsel in Hamburg getötet.

So setzt sich die Liste fort – Personenschützer, Fahrer, Passanten, holländische Polizisten und einfache US-Soldaten sind die Opfer der RAF, über die kaum jemand spricht, an die sich außer ihren Familien niemand erinnert. Rolf Heißler, einer der Schleyer-Entführer, antwortete noch 30 Jahre nach der Tat auf die Frage nach dem Umgang mit Unbeteiligten: „Das war eine militärische Entscheidung, wie wir den (Schleyer) in die Hände kriegen.“

Opfer geraten in Vergessenheit

Ob er je versucht habe, nach seiner Haftzeit mit den Hinterbliebenen Kontakt aufzunehmen? Antwort: „Warum sollte ich?“ Die öffentliche Trauerarbeit der Bubacks und Schleyers wird bis heute mit Empathie begleitet. Auch die Biografien der Täter sind sorgfältig recherchiert worden, waren Gegenstand von Büchern, Film- und Fernsehproduktionen.

Nur die „einfachen“ Opfer des RAF-Terrorismus sind in Vergessenheit geraten. So werden in kaum einem Text über das Treffen von Silke Maier-Witt und Jörg Schleyer die Namen von Reinhold Brändle, Roland Pieler, Helmut Ulmer und Heinz Marcisz erwähnt, mit deren Ermordung das Verbrechen an Hanns Martin Schleyer begann.

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