Unioner mit viel Reisestress im Vorfeld des Spiels
Was den Aufwand im Vorfeld anbelangte, hatten die Eisernen definitiv das straffere und Energie raubendere Programm. Auch wenn beide Mannschaften am Donnerstagabend europäisch im Einsatz waren, gab es für die Eintracht mit dem Heimspiel gegen Antwerpen keinen Reisestress. Ganz anders die Unioner: Seit Mittwochvormittag war der gesamte Tross unterwegs. Am Donnerstag stattete die Delegation um Präsident Dirk Zingler dabei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Besuch ab und legte einen Kranz nieder, am Abend sah sie einen 1:0-Sieg ihrer Mannschaft gegen Maccabi Haifa. Auf eine Rückreise nach Berlin wurde verzichtet, stattdessen ging es am Freitag direkt nach Frankfurt. Dort hatte Urs Fischer mit den Spielern „versucht, das Bestmögliche zu machen. Wir haben regeneriert, haben leicht trainiert, um für die Aufgabe bereit zu sein“, sagte der Trainer am Sonntag vor dem Spiel am Mikrofon von DAZN.
Ruhe und Präzision mit dem Ball – die auch in Haifa zwischendurch immer wieder fehlten, hatte Fischer als wichtige Dinge ausgemacht, um auch bei der Eintracht bestehen zu können. Die ging exakt mit der Elf in das Spiel gegen die Eisernen, mit der am Donnerstagabend ein 2:2-Unentschieden in der Europa League gelungen war. Fischer hingegen nahm vier personelle Änderungen vor: Andreas Luthe rückte wieder für Frederik Rönnow zwischen die Pfosten. Kevin Möhwald, Julian Ryerson und Tymoteusz Puchacz mussten ebenfalls ihren Startelf-Platz räumen, dafür standen Grischa Prömel, Christopher Trimmel und erstmals in einem Bundesligaspiel für den 1. FC Union auch Bastian Ozcipka beim Anpfiff auf dem Rasen.
Gerade die Hereinnahme von Ozcipka, der von 2012 bis 2017 das Trikot der Eintracht trug und der seit seinem Wechsel im Sommer nach Berlin bislang erst eine Bundesligaminute absolviert hatte, überraschte. Er mache seine Sache im Training gut und habe sich mit seinem Einsatz unter der Woche diesen Einsatz verdient, begründete Fischer die Hereinnahme des 32-Jährigen, der nominell auf der linken Seite aufgeboten wurde.
Filip Kostic ist von Union kaum zu halten
Im Duell zweier Mannschaften, die gerne dem Gegner die Ballkontrolle überlassen, ging es erst einmal um defensive Sicherheit. Kein offensives Feuerwerk, sondern geduldiges Laufenlassen des Balles durch die eigenen Reihen. Die Frankfurter bewiesen dabei etwas mehr Drang in Richtung Tor der Unioner, probierten es meist über die linke Seite und den gefährlichen Filip Kostic, blieben aber zunächst ohne nennenswerte Chance. Kein Wunder war nach absolvierter Anfangsphase, dass die Führung der Eintracht von Kostic initiiert wurde. Eine Ecke von der linken Seite führte der 29-Jährige in der 22. Minute zunächst kurz aus und flankte dann scharf nach innen. Dort konnte Union-Kapitän Trimmel nicht richtig klären und legte den Ball stattdessen bestens für Djibril Sow auf, der mit einem sehenswerten Direktschuss unhaltbar für Luthe zum 1:0 traf.
Nur Zentimeter fehlten drei Minuten später, als erneut Kostic von links flankte und Daichi Kamada auf die Latte köpfte. Wiederum drei Minuten später ging ein weiterer Frankfurter Kopfball nach einer Kostic-Ecke nur knapp am Union-Kasten vorbei, kurz vor der Halbzeit flankte der Serbe abermals punktgenau nach innen und die Berliner hatten Glück, dass Rafael Borré den Ball aus kurzer Distanz knapp über das Tor setzte. Die Eisernen hatten aber nicht nur auf der rechten Abwehrseite Probleme, sondern schafften es gar nicht in den eigenen Spielaufbau. Frühes Attackieren der Frankfurter sorgte immer wieder für Fehler der Eisernen, die von Urs Fischer gewünschte Ruhe und Präzision mit dem Ball war in der ersten Hälfte nicht umsetzbar. Positiv war ob dieser Leistung müde wirkender Unioner lediglich der knappe Spielstand.
Max Kruse trifft per Elfmeter zum Ausgleich
Mit personellen Änderungen aber wartete der Schweizer Fußballlehrer bis zur 58. Minute. Bis dahin merkte man seiner Mannschaft zwar an, dass sie bemüht war, eine Änderung des Ergebnisses herbeizuführen, doch waren die Frankfurter dem zweiten Tor des Sonntagnachmittags deutlich näher. Nun hatten diese Wechsel, Julian Ryerson kam für Rani Khedira und Sheraldo Becker für Genki Haraguchi, noch gar nicht so recht ihre Wirkung entfalten können, da hatte der 1. FC Union die große Chance zum Ausgleich. Taiwo Awoniyi wurde in der 61. Minute im Frankfurter Strafraum gefoult und erhielt dafür einen Elfmeter, der auch nach dem Videobeweis nicht aberkannt wurde. Max Kruse trat an und ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen, indem er Kevin Trapp verlud und in die rechte untere Ecke zum 1:1 traf.
Im weiteren Spielverlauf gingen auch der Eintracht so langsam die Kräfte aus. Das ließ die Partie hitziger werden, was sich in intensiv geführten Zweikämpfen und kaum noch nennenswerten Torchancen zeigte. Und auch die Genauigkeit der Flanken von Filip Kostic ließ nach. Späte Gegentore hatte es zuletzt bei den Unentschieden in Stuttgart und Köln gegeben und ein spätes Gegentor fiel auch noch in Frankfurt. Diesmal gingen die Unioner völlig leer aus.
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