Bei einem Angriff auf eine Mittelschule in der südtürkischen Provinz Kahramanmaraş sind am Mittwoch neun Menschen getötet und mindestens 13 weitere verletzt worden. Sechs der Verletzten befinden sich auf der Intensivstation, drei davon in kritischem Zustand, wie Innenminister Mustafa Çiftçi laut Al Jazeera mitteilte. Unter den Toten sind acht Schüler und eine Lehrkraft.
Der Angreifer war ein Achtklässler derselben Schule, wie Gouverneur Mükerrem Ünlüer gegenüber Reportern erklärte. Der Schüler habe die Waffen seines Vaters – eines pensionierten Polizeibeamten – in einem Rucksack versteckt, sei in zwei Klassenräume gegangen und habe wahllos das Feuer eröffnet. Der Angreifer kam ebenfalls ums Leben, wie Reuters berichtet.
Zweite bewaffnete Angriff innerhalb von zwei Tagen
Die Tat ist der zweite bewaffnete Angriff auf eine Schule in der Türkei innerhalb von nur zwei Tagen. Bereits am Dienstag hatte ein ehemaliger Schüler an einer Oberschule in der benachbarten Provinz Şanlıurfa 16 Menschen verletzt, bevor er sich bei einem Schusswechsel mit der Polizei selbst tötete.
Aufnahmen der privaten Nachrichtenagentur IHA zeigten den Abtransport eines Opfers in einem Krankenwagen sowie weinende Eltern, die zur Schule geeilt waren. Zeugen berichteten von intensivem Schussfeuer. Justizminister Akın Gürlek teilte mit, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet habe.
Al Jazeeras Korrespondentin Sinem Köseoglu berichtete aus Istanbul, die Öffentlichkeit stelle sich drängende Fragen: „Wie konnte dieser Junge an die Waffen seines Vaters gelangen? Werden die Behörden die Waffenkontrollen verschärfen, obwohl sie bereits streng sind?“
Schießereien an Schulen kommen in der Türkei selten vor. Das türkische Waffenrecht sieht strenge Vorschriften vor, darunter Lizenzierungspflichten, Registrierung sowie psychologische und strafrechtliche Überprüfungen. Für illegalen Waffenbesitz drohen hohe Strafen. Im Mai 2024 hatte ein ehemaliger Schüler in Istanbul den Direktor einer Privatschule erschossen, so Al Jazeera.
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