Beim Zusammenstoß zweier U-Bahnen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sind am Freitag mehr als 170 Menschen verletzt worden. Wie die Feuerwehr mitteilte, war am Nachmittag ein fahrender Zug in der Station Sangwangsimni im Osten der Stadt auf einen stehenden Zug mit Hunderten Insassen gefahren. Den Behörden zufolge wurden nur leichtere Verletzungen gemeldet. Ein Fahrer sei wegen einer gebrochenen Schulter operiert worden.
Das Zugunglück ereignete sich auf einer der wichtigsten Strecken der Seouler Metro, die täglich von mehr als fünf Millionen Menschen benutzt wird. Der erste Zug war dort wegen mechanischer Probleme stehengeblieben. Beim nächsten Zug habe dann wahrscheinlich die automatische Entfernungskontrolle versagt, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Passagiere der Züge erzählten im Fernsehen, dass viele stehende Fahrgäste beim Aufprall gestürzt seien. Die Lichter seien plötzlich ausgegangen. Außerdem hätten sie 20 Minuten lang keine Anweisungen von der Station gehört. Viele seien deshalb verwirrt gewesen. Viele sprangen aus den Wagen auf die Gleise, um auf die Bahnsteige zu kommen.
Im Fernsehen waren Bilder von einer herausgerissenen Verbindungstür und geplatzten Scheiben zu sehen. Der Zugbetrieb auf der Strecke kam vorübergehend zum Erliegen. Täglich fahren mehr als fünf Millionen Menschen mit der U-Bahn.
Das Zugunglück ereignete sich zu einer Zeit, in der viele Südkoreaner noch den Schock nach dem Untergang der Fähre „Sewol“ vor mehr als zwei Wochen verarbeiten müssen. Die Regierung hatte sich nach der Katastrophe mit rund 300 Toten und Vermissten für schlechtes Krisenmanagement entschuldigt und eine Überholung des Sicherheitssystems des Landes angekündigt. Derzeit untersuchen die Ermittler unter anderem, ob eine Überladung zusammen mit früheren Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre ein Grund für den Untergang gewesen sein könnte. Der Kapitän und die anderen 14 leitenden Besatzungsmitglieder sitzen in Untersuchungshaft. (dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de