Rammstein-Fanshop

Pimmelleuchten, Pullis und Pyro

Teile der Bühnenshows werden ausgestellt, Fanartikel verkauft.

Stefan Strauß
4 Min
Einmal ein Engel sein: Silvia Kischkel ist aus Hamburg angereist, um den Laden von Rammstein zu besuchen.

Einmal ein Engel sein: Silvia Kischkel ist aus Hamburg angereist, um den Laden von Rammstein zu besuchen.

© camcop media / Andreas Klug (4)

Die Musiker der Berliner Band Rammstein haben sich ein Museum eingerichtet. Ziemlich abgelegen, auf dem früheren Industriegelände des VEB Bergmann-Borsig im Pankower Ortsteil Wilhelmsruh, haben sie einen Teil einer alten Industriehalle zu einem Ausstellungs- und Verkaufsraum umgebaut.

Zufällig kommt dort niemand vorbei. „Die Fans reisen gezielt an“, sagt Rammstein-Manager Stefan Mehnert. Und tatsächlich kurven am Sonnabendvormittag etliche Autos mit auswärtigen Kennzeichen und Rammstein-Aufklebern durch das ruhige Wohngebiet im Pankower Norden. Schon vor der Ladenöffnung um 10 Uhr warten die Fans in einer geordneten Schlange an der Eingangstür. Dort brennt eine Feuertonne. Sie passt gut zur pyromanen Veranlagung der Musiker.

Verrußt und verformt von den Flammen

Die Band ist bekannt für ihre Feuer- und Rauchfontänen, die sie bei ihren Konzerten zündet. Es brennt und qualmt aus den Instrumenten und aus der Kleidung der Musiker. Alles ist gigantisch: 50 Tonnen wog die Bühnenausstattung bei der Tour durch die USA und Kanada im Jahr 2012, verteilt auf 24 Trucks. Die Musikanlage hatte 380.000 Watt.

Berühmte Bühnendekoration: Riesenlüfter im Industriedesign.

Berühmte Bühnendekoration: Riesenlüfter im Industriedesign.

© Andreas Klug

Einige dieser Instrumente und Requisiten haben Rammstein im Laden ausgestellt, sie sind längst ramponiert. Etwa der kleine Synthesizer von Keyboarder Flake: Die Tasten sind verrußt und von der Hitze der Flammen verformt. In einer Vitrine liegen sogenannte Pimmelleuchten, es sind verkabelte Penismodelle, große Dinger; Sänger Till Lindemann trägt sie auf der Bühne. Ausgestellt sind auch Flammenwerfer und eine Sprengstoffweste.

Ein großer Wunsch der Band

Für Rammstein-Fans ist der Laden eine Freude. Sie kommen von weit her. Alex Leubacher etwa lebt in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens (USA), seine Begleiterin Ellen Vandenbruwaene in Belgien. Sie singt den Rammstein-Song „Mein Land“ mit, der gerade im Laden gespielt wird. „Wohin gehst du, wohin?“ Die 22-Jährige kennt den Text. „Mit Rammstein habe ich Deutsch gelernt“, erzählt Ellen Vandenbruwaene. Auf dem Rücken trägt sie den Schriftzug der Band als Tattoo. Auch im Laden ist das Logo überall zu sehen: auf T-Shirts und Pullovern, Kochschürzen und Fahrradsatteln. Babyschnuller und Lätzchen sind damit bedruckt, Fahrräder, Tequila- und Weinflaschen. Es gibt einen Rammstein-Rosé. Auf einer Fußmatte steht „Willkommen in der Dunkelheit“. Ein düsterer Gruß an Gäste.

Ende einer heißen Show: Die Flammen haben das Keyboard von Flake demoliert. 

Ende einer heißen Show: Die Flammen haben das Keyboard von Flake demoliert. 

© camcop media / Andreas Klug

Vor sieben Jahren kauften die Rammstein-Musiker die Fabrikhalle und bauten sie denkmalgerecht um. Auf dem Werksgelände lagert ihre Bühnentechnik. Gute Freunde und Kollegen der Technikverleihfirma Black Box Music arbeiten auch dort. Man kennt sich gut. Rammstein wollten auf dem Gelände bleiben. „Es war ein großer Wunsch der Band, einen eigenen Rammstein Store zu betreiben“, sagt Manager Mehnert.

Fans kommen von überall

Im Januar 2018 verlieh Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Rammstein für die „gelungene Wiederherstellung“ dieser Halle den Berliner Denkmalpreis. Rammstein haben das Areal vor dem weiteren Verfall gerettet, lobt der Senat. Heute hat das Management der Band darin seine Büros, im Lager liegen Fanartikel für den Verkauf.

Die Band zum Mitnehmen:  Sänger Till Lindemann in Bühnenpose fürs Schrankregal.

Die Band zum Mitnehmen:  Sänger Till Lindemann in Bühnenpose fürs Schrankregal.

© camcop media / Andreas Klug

Die Besucher im Rammstein-Laden wollen nicht nur einkaufen, sie fotografieren sich vor den Requisiten, an den Raketenwerfern, den riesigen Engelsflügeln aus Stahl. Auf der Bühne werfen sie Flammen.

Silvia Kischkel breitet die Arme aus, ihr Freund Matthias Lübcke fotografiert. „Ich bin ein Megafan seit meiner Teenagerzeit“, erzählt die 31-Jährige. Aus Hamburg sind die beiden gekommen, um den Laden in Wilhelmsruh zu sehen.

Vorerst vier Stunden hat der neue Laden jeden zweiten Sonnabend geöffnet. Und irgendwann werden auch die Musiker dort mal auftauchen, versichert Manager Mehnert.

Rammstein Store, Hertzstraße 63b, 13158 Berlin, geöffnet: 10. und 24. November; 8. und 15. Dezember, jeweils 10–14 Uhr

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