Durch die Inbetriebnahme des früheren Bankgebäudes als Anlaufstelle für Asylsuchende würden sich die Wohnungspreise im Nu halbieren. „Wir wollen keinen einzigen Flüchtling diskriminieren, aber die Nachrichten von Gewalttaten in Flüchtlingslagern, Einbrüchen und Diebstählen... gehen jeden Tag durch die Presse.“ Wer jetzt seine Wohnung verkaufe, erhalte noch den vollen Preis. „Wir haben eine große Datei von Interessenten, die nach einer Wohnung in Volksparknähe suchen.“
Mann mit guten Kontakten
Absender des Briefes ist Uwe Fenner. Er residiert mit seiner Maklerfirma Unter den Linden und ist in der Region kein Unbekannter. In den 90ern war er Chef der Internet-Firma Midat AG in Potsdam. Sitz des Unternehmens war der prächtige Ulmenhof am Jungfernsee, in den er zu Salongesprächen lud.
Er verkehrte mit Prominenten wie dem früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Modedesigner Wolfgang Joop. Im Jahr 2002 störte eine Polizeirazzia eine dieser elitären Runden, weil dort angeblich Kokain konsumiert wurde. Die Beamten fanden zwar nichts, doch Fenner geriet ins gesellschaftliche Abseits. 2005 gründete er sein „Institut für Stil und Etikette“ und bietet Benimmkurse an. Nebenbei ist er unter die Makler gegangen und verfasst Briefe.
„Das ist dumpfe rechte Propaganda, mit der Ängste und Sorgen geschürt werden“, sagt Stefan Evers, stellvertretender CDU-Fraktionschef. Er hat in Wilmersdorf seinen Wahlkreis und wurde von Anwohnern auf den Brief aufmerksam gemacht, den er dann auf Facebook publik machte. „Die Sorgen der Bürger dürfen nicht von Geschäftemachern instrumentalisiert werden.“ Dass es durch die Flüchtlinge mehr Einbrüche geben würde, sei „alles Quatsch“.
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„Schäbig und pervers“
Auch der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), sagt das. „Ich finde das schäbig und pervers.“ Die Polizei habe mehrfach darauf hingewiesen, dass durch Asylsuchende die Kriminalität nicht signifikant steige. Fenner behauptet in seinem Brief zudem, dass in dem früheren Bankgebäude Tausende Flüchtlinge unterkommen sollen. Tatsächlich werden dort gegenwärtig lediglich ihre Asylanträge bearbeitet. „Das ist Brandstiftung im Gewande eines Biedermannes einer vermeintlich seriösen Firma“, sagt Naumann. Die Maklerverbände müssten sich davon distanzieren.
Der Gescholtene gibt sich zerknirscht. „Die ganze Aktion tut mir furchtbar leid“, sagt Fenner. „Es tut mir besonders leid, weil ich eine Benimmschule habe. Und das war kein gutes Benehmen.“ Offenbar wurde der 72-Jährige von wütenden Reaktionen überrascht und will den Brief nicht mehr weiter verbreiten. „Ich wollte niemanden verletzen. Aber wenn sich 20.000 Menschen versammeln, ob Flüchtlinge, Amerikaner oder Deutsche, hinterlassen sie ein Gelände voller schrecklicher Abfälle.“
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