Die meisten Erstklässler sind gesund und gut entwickelt. Nach wie vor sind Beweglichkeit, Zahnhygiene, Körpergewicht und Sprachkenntnisse jedoch stark von zwei Faktoren abhängig: aus welcher sozialen Schicht die Kinder stammen und ob sie eine Kita besuchen. "Wir sind zufrieden, doch eines darf man nicht verkennen: Die Chancen für die Gesundheit der Kinder sind je nach sozialer Lage und Herkunft immer noch sehr unterschiedlich", sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) gestern. Die meisten Kinder mit gesundheitlichen Problemen und Risiken leben weiterhin in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Anlass dieses Befunds war die Präsentation der Ergebnisse von 26 390 Einschulungsuntersuchungen im Jahr 2008.Insgesamt zeigte sich die Senatorin zufrieden mit den Ergebnissen, denn in einigen Bereichen waren die Erstklässler gesünder und besser entwickelt als in den Jahren zuvor. So haben 82 Prozent der Kinder nach wie vor ein normales Körpergewicht, elf Prozent sind übergewichtig. Türkische und arabische Kinder sind häufiger betroffen. Während letztes Jahr mit 75 Prozent mehr Kinder über eine gute Körperkoordination verfügten als noch vor einigen Jahren (2005: 68 Prozent), stagniert der Anteil der Kinder mit einer "unauffälligen Sprachentwicklung" seit Jahren bei 75 Prozent. "Beeindruckend" befand Lompscher die Verbesserung der Sprachentwicklung bei Kindern nichtdeutscher Herkunft. Verfügten 2005 noch 55 Prozent über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, waren es letztes Jahr schon 69 Prozent.Ein Blick auf die Herkunft der Kinder zeigt aber auch hier, dass die Sprachkompetenz stark vom sozialen Status abhängig ist. Kinder aus türkischen und arabischen Familien sprechen schlechter Deutsch als Einwandererkinder aus westlichen Industriestaaten, deren Familien häufig besser integriert sind und finanziell besser dastehen. Außerdem bringen diese Eltern ihre Kinder häufiger in die Kita, die beim Spracherwerb eine entscheidende Rolle spielt: Unter den Kitabesuchern verfügen drei Viertel der Einwandererkinder über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, ohne Kitabesuch sind es nur 46 Prozent. "Die Kita ist der Schlüsselfaktor", sagte Lompscher.Selbst auf die Zahnpflege wirkt sich der Besuch einer Kita positiv aus: Fast 90 Prozent der Kita-Kinder haben gesunde Zähne. Neben dem Bildungsprogramm für die Kinder in Ernährung, Sprachförderung und Bewegung zahle sich der direkte Kontakt zu den Eltern aus: Bei Defiziten agieren viele Kitas nicht nur als Ratgeber, sondern auch als Vermittler zwischen Familien und Beratungsstellen, so Lompscher.Als bedenklich hob die Senatorin den Umgang mit dem Fernsehen in vielen Familien hervor. Zwar sehen 70 Prozent der Sechsjährigen gar nicht oder weniger als eine Stunde am Tag fern. Doch gucke immer noch jedes vierte Kind bis zu zwei Stunden täglich fern, jedes zehnte sogar mehr. Richtlinien für die richtige Menge gebe es nicht, sagte die Autorin der Studie, Sylke Oberwöhrmann. Fest stehe aber: "Die Zeit vor dem Fernseher fehlt für andere Tätigkeiten, die wichtig sind für die geistige und körperliche Gesundheit." Äußerst kritisch sei, dass 15 Prozent der Sechsjährigen über einen eigenen Fernseher verfügten. Auch der eigene Fernseher sei ein Phänomen armer Familien.Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei den Impfungen. Hier legten vor allem die Migrantenfamilien ein "vorbildliches Verhalten" an den Tag. Impfskeptiker stammten vor allem aus deutschen und sozial bessergestellten Familien.------------------------------"Die Kita ist der Schlüsselfaktor für Gesundheit und Entwicklung." Katrin Lompscher (Linke)
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