Am Sonntag, den 23. Februar, finden die vorgezogenen Bundestagswahlen statt. Rund 2,4 Millionen Berlinerinnen und Berliner sind stimmberechtigt.
Bundesweit gibt es 299 Wahlkreise, in denen jeweils um die 250.000 Menschen leben, und in jedem „stehen unterschiedliche Personen zur Wahl“, teilt das Statistische Bundesamt mit. „Für jeden Wahlkreis müssen daher eigene Stimmzettel gedruckt werden.“ Daher variiert auch die Reihenfolge der Parteien.
In Berlin stehen die SPD, die Grünen sowie die CDU ganz oben, gefolgt von der Linken, der AfD und der FDP. Unter den Top 10 ist auch die Tierschutzpartei. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht jedoch nur auf Platz 16.
Wahllokale, Parteien, Ergebnisse: Alles, was Sie zur Wahl in Berlin wissen müssen
Berliner CDU: „Die Vergiftung des Klimas hat bittere Früchte getragen“
Diese „Reihenfolge (...) richtet sich nach der Zahl der Zweitstimmen, die die einzelnen Parteien bei der letzten Bundestagswahl 2021 im jeweiligen Land erzielt haben. Die übrigen Parteien sind in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet“, so das Statistische Bundesamt weiter.
Daher steht in Sachsen und Thüringen die AfD an erster Stelle, in Baden-Württemberg die CDU und in Bayern die CSU. Insgesamt gibt es in Berlin zwölf Wahlkreise; es sind die Wahlkreise 74 bis 85. In den meisten Fällen entsprechen sie den Bezirksgrenzen.
Da die Bezirke sehr unterschiedliche Einwohnerzahlen haben, die Wahlkreise aber möglichst einheitlich groß sein sollen, werden vereinzelt gewisse Ortsteile einem anderen Bezirk zugeschlagen.
So kommt es, dass Berlins größter Bezirk Pankow bei der Bundestagswahl die Region Prenzlauer Berg Ost ans benachbarte, kleinere Friedrichshain-Kreuzberg „abgeben“ muss. Andererseits gewinnt Spandau den Bereich Charlottenburg Nord hinzu.
Die Grafik zeigt, wie viele Stimmen (in Prozent) die Parteien zuletzt geholt hätten.
© Grafik: BLZ. Quelle: Forsa
Kann ich auch ohne Wahlbenachrichtigung wählen?
Stimm- beziehungsweise wahlberechtigt sind laut Gesetz alle Deutschen, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten einen Wohnsitz in Deutschland haben. Aber auch im Ausland lebende Deutsche können mit abstimmen (Briefwahl), ebenso obdachlose Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft, sofern sie sich ins Wählerverzeichnis haben eintragen lassen (Antragsfrist war der 31. Januar 2025).
Üblicherweise erhält man eine Wahlbenachrichtigung, die man am Tag der Wahl im Wahllokal vorzeigen muss bzw. mit der man die Briefwahl beantragen kann. In Berlin sollten alle Wahlbenachrichtigungen bis zum 2. Februar zugestellt gewesen sein.
„Sie können auch wählen gehen, wenn Sie keine Wahlbenachrichtigung erhalten haben, aber sicher sind, im Wählerverzeichnis zu stehen“, schreibt der Landeswahlleiter. Das für Sie zuständige Wahllokal finden Sie im Internet.
Falls Sie Ihre Wahlbenachrichtigung verlegt oder verloren haben, können Sie trotzdem wählen. Sie müssen hierzu nur Ihren Personalausweis oder Reisepass im Wahllokal vorlegen.
Wozu gibt es Erst- und Zweitstimme?
Bei der Bundestagswahl gibt man zwei Stimmen ab, muss also zwei Kreuze machen. Auf der langen Liste – dem Stimmzettel – gibt es eine linke Spalte (schwarz gedruckt, Erststimme) und eine rechte Spalte (blau gedruckt, Zweitstimme).
In jeder Spalte darf nur ein Kreuz sein. Andernfalls ist die Abstimmung ungültig und wird nicht gezählt. Das gilt dann für beide Spalten. Sollten also links zwei Kreuze bei der Erststimme sein, so wäre automatisch die Zweitstimme ebenso ungültig.
So ist es richtig: ein deutliches Kreuz pro Spalte
© Sebastian Gollnow/dpa
Mit der Erststimme wählt man eine oder einen Wahlkreisabgeordnete(n); das sind die Direktkandidaten. Die Zweitstimme zählt für die Partei und deren Kandidaten. Man kann Erst- und Zweitstimme unterschiedlichen Parteien geben.
Anhand der Zweitstimmen wird die Sitzverteilung im Bundestag bestimmt. Heißt: Je mehr Zweitstimmen eine Partei bekommt, desto mehr Sitze bekommt sie und desto einflussreicher ist sie. So legt das Zweitstimmenergebnis die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag fest.
Jedoch: „Parteien müssen bundesweit mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erreichen oder in mindestens drei Wahlkreisen die Erststimmenmehrheit gewinnen, um in den Bundestag einziehen zu können“, erklärt die Bundesregierung.
Und weiter: „Die Kandidatin oder der Kandidat mit den meisten Erststimmen im Wahlkreis gewinnt das Direktmandat und zieht direkt in den Bundestag ein – jedoch nur, wenn die Partei insgesamt genügend Sitze durch die Zweitstimmen erhält. (…) Wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr durch die Zweitstimmen zustehen, entfallen die Direktmandate mit den niedrigsten Stimmenanteilen.“
Die Neuwahl verspricht einige spannende Duelle: Hier sind Berlins Direktkandidaten
Berlins spannendster Wahlkreis: Diese linke Ostdeutsche will Lichtenberg vor der AfD retten
Taktisches Wählen 2025: Was bedeutet das?
Bislang war es so, dass direkt gewählte Kandidatinnen und Kandidaten sicher in den Bundestag einzogen, weil sie ja mittels Erststimme gewonnen hatten. Das hatte zur Folge, dass Parteien zusätzlich zu ihrem Zweitstimmenergebnis weitere Sitze hinzubekamen.
Eine Reform hat nunmehr die Zahl der Sitze im Parlament auf 630 begrenzt; Ausgleichs- und Überhangmandate gibt es nicht mehr. Wahlkreissieger ziehen jetzt nicht mehr automatisch in den Bundestag ein (siehe oben).
Zum Beispiel der Linke-Politiker Gregor Gysi, der in der Vergangenheit als Direktkandidat aus Treptow-Köpenick in den Bundestag einzog. Wenn nun aber seine Partei zu wenig Zweitstimmen erhält, gar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, kann es sein, dass Gysi es nicht in den Bundestag schafft.
Vor der Wahlrechtsreform hätte er als Direktkandidat einen Sitz bekommen. Insofern ist – nicht nur bei der Linken – das taktische Wählen gerade ein großes Thema. Die Erststimme hat weniger Gewicht als früher.
Man sollte sich also auch Umfragewerte angucken: Wie groß sind die Chancen, dass die von mir favorisierte Partei in den Bundestag einzieht? Braucht ein potenzieller Koalitionspartner dringender mein Votum? So könnte man sich folglich überlegen, seine Stimme einer anderen Partei zu geben, gleichsam zu verleihen.
Warum sind Neu-Parteien wie die AfD so erfolgreich? Deutschland ist transformationsmüde
Im Kanzlerduell: Olaf Scholz erteilt Koalition mit BSW oder Linken eine Absage
Sollten Sie also eigentlich für eine Partei von einem hinteren Listenplatz stimmen wollen, weil es Ihren Überzeugungen entspricht, zugleich aber glauben, dass diese Partei es nicht oder nur knapp in den Bundestag schafft, könnten Sie Ihre Stimme taktisch an eine andere Partei geben, von der Sie sich eine Regierungsbeteiligung wünschen.
Indem Sie dieser Partei – im genannten Groko-Beispiel der SPD oder CDU – Ihre Zweitstimme geben, stärken Sie sie und minimieren zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass andere Parteien, die Ihren Erwartungen nicht entsprechen, an die Macht kommen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de