Der Gesundheitsbericht für die Jahre 2006 und 2007, den Senatorin Katrin Lompscher (PDS) gestern vorstellte, enthält eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass die Berliner immer älter werden. Mit 82 Jahren bei den Frauen und 76,7 Jahren bei den Männern liegt die durchschnittliche Lebenserwartung heute drei beziehungsweise vier Jahre höher als noch in den 90er-Jahren. Die Berliner leben zudem im Schnitt erstmals länger als die Bundesbürger. Außerdem sterben heute weniger Hauptstadtbewohner vor Vollendung des 65. Lebensjahres als noch Anfang der 90er-Jahre und auch die Todesfälle, die als vermeidbar gelten, gehen zurück. Dazu zählen Krankheiten wie Lungenkrebs und Leberzirrhose, die durch Rauchen oder Trinken verursacht werden können, aber auch Brustkrebs, bei dem man durch Früherkennung Todesfälle vermeiden kann, oder Aids."Die Gesundheit der Berliner hat sich in vielen Bereichen verbessert", sagte die Gesundheitssenatorin. Auch im Bundesvergleich stehe Berlin gut da. Das könne daran liegen, dass die Ärzteversorgung hier besser ist als anderswo oder daran, dass Präventionskampagnen wie "Berlin qualmfrei" Wirkung zeigten, so Lompscher.Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass es weiterhin einen engen Zusammenhang zwischen gesundheitlicher und sozialer Lage gibt. In ärmeren Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sterben Frauen und Männer früher als im reichen Steglitz-Zehlendorf und in Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Unterschied beträgt bei den Frauen fast drei, bei den Männern sogar vier Jahre. Außerdem gibt es in Bezirken mit negativen Sozialindizes durchweg mehr Todesfälle, die durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermieden werden könnten. Dort sterben mehr Menschen an Lungenkrebs, Herzinfarkt oder alkoholbedingten Krankheiten. Zudem sei auch die Zahl der Ärzte ungleich verteilt, in schlechter gestellten Bezirken sei ein Rückgang an spezialisierten Fachärzten zu verzeichnen, so Lompscher.Auch die Gesundheitssituation von Zuwanderern - die knapp ein Viertel der Bevölkerung ausmachen - ist in vielen Fällen schlechter als die von Deutschen. Die Hälfte der 2006 gestorbenen Ausländer war jünger als 65 Jahre. Dabei lässt sich jeder vierte dieser Todesfälle bei ausländischen Frauen und fast jeder dritte bei Männern auf einen ungesunden Lebensstil zurückführen - Tendenz steigend.Und während die Rate der tödlich verunglückten Deutschen in Berlin seit 1998 etwa um ein Viertel zurückging, stieg sie bei Ausländern im gleichen Zeitraum um 57 Prozent an. Auch die Säuglingssterblichkeit und die Zahl der Totgeburten liegt bei ihnen um ein Mehrfaches über der der deutschen Bevölkerung und sie stieg ebenfalls in den letzten Jahren an. Katrin Lompscher sieht die Gesundheitspolitik des Senats dennoch auf einem guten Weg. Um Sprachbarrieren für Migranten abzubauen, sei der Gemeindedolmetscherdienst mit 19 Sprachen künftig flächendeckend verfügbar. Präventionsmaßnahmen müssten in Zukunft konsequent auf verschiedene Kulturen zugeschnitten werden und niedrigschwellige zielgruppengerechte Angebote würden ausgebaut. Die vierte Landesgesundheitskonferenz habe 2007 zudem beschlossen, Präventionsprogramme speziell für Kinder aus sozial benachteiligten und Migrantenfamilien aufzulegen.------------------------------Raucher sind in der MinderheitMigranten: Mitte 2007 lebten in Berlin 472 653 Ausländer, das entspricht 13,9 Prozent. Die meisten kommen aus der Türkei (25 Prozent), gefolgt von Polen (10 Prozent), Serbien und Montenegro (5 Prozent), Italien und der Russischen Föderation (jeweils 3 Prozent). Dazu kommen rund 323 000 Deutsche mit Migrationshintergrund, also rund zehn Prozent der Bevölkerung. Somit hat fast ein Viertel der Berliner einen Migrationshintergrund.Bildung: 949 000 Berliner haben lediglich einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Schulabschluss. Das ist jeder Dritte über 15 Jahren. 908 000 Berliner, das entspricht 30,3 Prozent, haben keine berufliche Ausbildung abgeschlossen.Sozialleistungen: Insgesamt erhalten 708 276 Berliner Sozialleistungen, das entspricht 20,8 Prozent der Bevölkerung. Rund 452 000 bekommen ALG II, 154 000 als Angehörige von ALG-II-Empfängern Sozialgeld, 56 000 Arbeitslosengeld I, 38 724 erhalten Grundsicherung und 7 200 Hilfe zum Leben.Rauchen: Raucher sind in Berlin in der Minderheit. 28 Prozent aller Berlinerinnen rauchen, bei den Männern sind es 38 Prozent. Im Schnitt haben die Raucher mit ihrem Laster im Alter von 17 Jahren angefangen.Ernährung: 11,8 Prozent aller erwachsenen Frauen und 12,4 Prozent aller Männer in Berlin haben einen Body-Mass-Index von mehr als 30 und gelten damit als fettleibig.Früher Tod: 2006 starben in Berlin 6 742 Menschen vorzeitig, das heißt vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Davon waren mit 4 503 mehr Männer betroffen als Frauen (2 239). Ein Drittel dieser vorzeitigen Sterbefälle ist auf ein ungesundes Leben zurückzuführen und wäre vermeidbar gewesen.------------------------------ZAHLEN UND FAKTENGrafik: In Friedrichshain-Kreuzberg leben Männer und Frauen am kürzesten. Insgesamt liegt die Lebenserwartung in Berlin über dem Bundesdurchschnitt.Grafik: Fast zwei Drittel der vermeidbaren Todesfälle werden durch Krankheiten verursacht, die man durch ein gesundes Leben vermeiden könnte.Grafik: Die Ärzteversorgung in Berlin wurde in den vergangenen Jahren immer besser. Sie ist auch im Bundesvergleich sehr gut. Insgesamt sind in Berlin 7 348 ambulante Ärzte, 3 597 Zahnärzte und 1 608 Psychotherapeuten tätig. Krankenhausbetten gibt es 60 je 10 000 Einwohner, im Bundesdurchschnitt sind es 63,5.------------------------------Foto: Je früher beispielsweise ein Lungentumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Viele Todesfälle lassen sich durch Vorsorgeuntersuchungen vermeiden.
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