Degradiert "avenidas" Frauen zu Objekten?
In der vergangenen Woche hatte der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule in Berlin beschlossen, das Gedicht übermalen zu lassen. International war die Entscheidung heftig kritisiert worden. Der Deutsche Kulturrat, Spitzenorganisation von 250 Bundeskulturverbänden, reagierte „erschüttert“.
Angehörige der Hochschule hatten moniert, „avenidas“ könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Dabei geht es um den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Damit würden Frauen, so die Kritiker, zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.
Grütters spricht von Barbarei
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kritisierte die geplante Übermalung des als einen „erschreckenden Akt der Kulturbarbarei“ kritisiert. „Kunst und Kultur brauchen Freiheit, sie brauchen den Diskurs, das ist eine der wichtigsten Lehren aus der Geschichte“, erklärte Grütter. „Wer dieses Grundrecht durch vermeintliche political correctness unterhöhlt, betreibt ein gefährliches Spiel.“
Die aktuelle Poetik-Preisträgerin der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, Barbara Köhler, hatte die Entscheidung des Akademischen Senats hingegen verteidigt. Nach Ansicht der Lyrikerin sei nicht das Gedicht an sich das Problem, sondern was man von diesem Gedicht im öffentlichen Raum halte. Wenn die Studierenden „patriarchale Denkmuster“ darin entdeckten und sie sich deshalb in ihrem schulischen Umfeld nicht wohl fühlten, sei dies zu akzeptieren, sagte Köhler.
Die Alice Salomon Hochschule ist nach eigenen Angaben mit 3700 Studierenden die deutschlandweit größte staatliche Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung. (BLZ/dpa)
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