Europa League

Frankfurt verliert, Freiburg mit Remis

Eintracht Frankfurts Krise hat nun auch die Europa League erreicht. Bei Maccabi Tel Aviv setzte es eine verdiente 4:2-Niederlage für die Hessen, die aber trotzdem fast sicher in die K.o.-Runde einziehen. Der SC Freiburg hat ebenfalls noch Chancen.

BLZ
6 Min
Eintracht Frankfurts Marco Russ (r) im Zweikampf mir Munas Dabbur von Maccabi Tel Aviv.

Eintracht Frankfurts Marco Russ (r) im Zweikampf mir Munas Dabbur von Maccabi Tel Aviv.

© dpa Lizenz

In der Bundesliga ist die Eintracht seit sechs Spielen sieglos. „Wir standen in der ersten Hälfte neben den Schuhen. Es gibt kein Spiel, dass wir so angehen können, wie wir es hier getan haben“, sagte Veh: „Mit einer solchen Einstellung brauchen wir in der Bundesliga gar nicht anzutreten. Kompliment an die Mannschaft aus Tel Aviv, die in der ersten Halbzeit ein richtig gutes Spiel gemacht hat.“

Nach den drei Europa-League-Erfolgen zuvor haben die Frankfurter, die am Sonntag im brisanten Rhein-Main-Derby beim FSV Mainz 05 antreten müssen, dennoch beste Chancen auf den Einzug in die Runde der letzten 32. In den verbleibenden zwei Partien reicht dafür ein Punkt, die nächste Chance haben die Hessen gegen Girondins Bordeaux am 28. November.

Für Tel Aviv, das vor zwei Wochen im Hinspiel noch chancenlos 0:2 verloren hatte, war es der erste Erfolg gegen eine deutsche Mannschaft. Eran Zahavi (14.) und der überragende Barak Itzhaki (30./35.(90.+4, Handelfmeter) schenkten den Hessen die ersten Europapokal-Gegentreffer der Saison ein, die Gäste leisteten sich dabei amateurhafte Fehler in der Defensive und standen am Rand eines Debakels. Srdjan Lakic (63.) und Alexander Meier (67./Handelfmeter) sorgten zumindest für Schadensbegrenzung.

Grobe Patzer in der Frankfurter Innenverteidigung

Frankfurt hatte in der völlig verpatzten ersten Halbzeit zudem Glück, dass Schiedsrichter Serge Gumienny (Belgien) ein klares Handspiel von Constant Djakpa im Strafraum übersah (17.). Am Ende bewahrte Torwart Kevin Trapp die Eintracht vor einer höheren Niederlage. Vor 15.000 Zuschauern, darunter 2000 Eintracht-Fans, begann der UEFA-Pokalsieger von 1980 schwach und war sichtlich verunsichert. Beim ersten hohen Ball in den eigenen Strafraum versagten Innenverteidiger Bamba Anderson die Nerven, Zahavi war zur Stelle.

Neun Minuten später hätte Itzhaki schon früher erhöhen können. Auch beim zweiten und dritten Gegentreffer half die Eintracht-Defensive fleißig mit. Beim Kopfballtor Itzhakis kam Linksverteidiger Djakpa zu spät, sieben Minuten später schlief die Innenverteidigung. Trapp war jeweils machtlos. In der Folge warteten die Eintracht-Fans vergeblich auf eine Trotzreaktion ihres geschockten Teams. Bis auf ein paar ungefährliche Weitschüsse brachten die Gäste gegen den international bestenfalls zweitklassigen Gegner keine nenneswerten Offensivaktionen zustande.

Dennoch verzichtete Veh in der Halbzeitpause auf Wechsel. Die Liga-Dauerläufer Vaclav Kadlec und Bastian Oczipka saßen weiterhin auf der Bank. Kurz nach dem Wiederanpfiff kam die Eintracht erstmals halbwegs gefährlich vor das Tor von Maccabi-Keeper Juan Pablo, der bei Djapkas Hereingabe nicht sicher wirkte (47.). Aus dem Nichts kamen die Anschlusstreffer. Zunächst nutzte Lakic einen Patzer von Paulo Sousa, Meier nutzte die Gelegenheit, nachdem Nikola Mitrovic den Ball gegen Stefan Aigner nur mit der Hand verteidigen konnte (64). Bei den Gastgebern überzeugten die Torschützen Zahavi und Itzhaki, im Eintracht-Trikot erreichte nur Trapp Normalform.

SC Freiburg mit Nullnummer in Portugal

Wieder kein Sieg, zwei Platzverweise, aber trotzdem noch im Geschäft: Nach einem schmeichelhaften 0:0 in Portugal ist für den SC Freiburg in der Europa League wieder alles drin. Drei Tage vor dem Bundesliga-Derby gegen den VfB Stuttgart holten die Badener am Donnerstagabend bei GD Estoril Praia vor 2014 Zuschauern einen Punkt, der vielleicht noch Gold wert sein kann. Siege bei Slovan Liberec und dann zu Hause gegen den FC Sevilla sind für den Fußball-Bundesligisten in den letzten beiden Gruppenspielen Pflicht.

Nicolas Höfler und Karim Guéde werden zumindest in fünften Gruppenspiel fehlen. Höfler sah wegen Handspiels in der (87.) Minute Gelb-Rot. Wenig später folgte Karim Guéde (88.) ebenfalls mit Gelb-Rot nach wiederholtem Foulspiel. Die letzten Minuten waren hart für die Freiburger.

Von einem Erfolg waren die Freiburger in Estoril weiter entfernt als beim enttäuschenden 1:1 im Hinspiel. Diesmal hatten die Portugiesen die weitaus besseren Möglichkeiten. Doch Torhüter Oliver Baumann war wie schon beim 3:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg auch im spärlich besetzten Estadio António Coimbra da Mota der große Rückhalt. 747 Freiburger feierten ihren Keeper.

Nur der Torhüter und der im nächsten Bundesligaspiel gesperrte Verteidiger Oliver Sorg blieben in der Mannschaft, die zuletzt in Nürnberg den ersten Punktspielsieg der Saison geholt hatte. Den Rest seines Teams beorderte Streich auf die Bank und zeigte damit, was absolute Priorität hat: Das prestigeträchtige Landesderby am Sonntag gegen den VfB Stuttgart.

Ein Spiel, das zudem im nerven- und kräftezehrenden Kampf um den Klassenverbleib enorm wichtig für den Tabellendrittletzten ist.
Von daher war es keine Überraschung, dass zunächst im Dauerregen keine klare Struktur im SC-Spiel zu erkennen war. Es fehlte an einem systematischen Aufbau, klaren Ideen und Durchschlagskraft. Doch auch die Portugiesen machten es kaum besser. Die erste Chance in einem schwachen Spiel wurde nach einer halben Stunde notiert. Stürmer Luis Leal verzog knapp.

Munter ging es dann nach der Pause weiter. Vor allem die Hausherren wirkten wie ausgewechselt. Leal mit einem Kopfball (49.) vergab knapp. Eine Minute später verhinderte Baumann mit einer Glanztat den Rückstand nach einem Kopfball des Brasilianers Seba. Estoril wurde immer torgefährlicher. Der frühere Hannoveraner traf in der 59. Minute per Kopf die Latte. Zwischendurch hatte der Tscheche Vladimair Darida erstmals Estoril-Keeper Vagner geprüft. Doch das war viel zu wenig. Der gerade von der Bank gekommene Pedro scheiterte an Baumann (83.), der in der Abwehrschlacht in der Schlussphase den Sieg festhielt.

Florenz vorzeitig weiter, auch Salzburg souverän

Mitfavorit AC Florenz hat vorzeitig die K.o.-Runde der Europa League erreicht. Der Klub des verletzten Nationalspielers Mario Gomez feierte mit einem mühevollen 2:1 (0:1) beim rumänischen Vizemeister Pandurii Targu Jiu den vierten Sieg im vierten Spiel. Ryder (86.) und Borja Valero (90.+1) trafen erst spät für die Italiener, bei denen Ex-Nationalspieler Marvin Compper 90 Minuten durchspielte. Der gebürtige Brasilianer Eric (32.) hatte die Rumänen per Seitfallzieher überraschend in Führung gebracht.

Ebenfalls die Runde der letzten 32 Teams erreicht hat Österreichs Vizemeister RB Salzburg. Das Team von Sportdirektor Ralf Rangnick hat nach dem 3:1 (2:0) bei Standard Lüttich wie Florenz die Maximal-Ausbeute von zwölf Punkten auf dem Konto. Den Sprung in die K.o.-Phase geschafft haben zudem der FC Valencia (Spanien), Esbjerg fB (Dänemark), Rubin Kasan (Russland) und Dnjepr Dnjepropetrowsk (Ukraine). Zittern muss Torhüter Gerhard Tremmel mit dem englischen Ligapokal-Sieger Swansea City. Die Waliser bleiben nach dem 1:1 (1:0) beim russischen Vertreter Kuban Krasnodar zwar unbesiegt, verpassten aber eine mögliche Vorentscheidung. Tremmel musste im 3200 Kilometer entfernten Krasnodar erneut seinem in der Liga gesperrten Konkurrenten Michel Vorm den Vortritt lassen und den späten Ausgleich (90.+2) mit ansehen. Im Parallelspiel verlor der FC St. Gallen trotz Führung gegen den zweimaligen Champions-League-Finalisten und neuen Tabellenführer Valencia 2:3 (1:1). (SID)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema