Europawahl 2ß24

Studie zur Europawahl: Diese Partei hat das unverständlichste Wahlprogramm

Bandwurmsätze und viele Fachwörter: Wahlprogramme sind für Laien oft schwer zu verstehen. Eine Analyse zeigt: Die Formulierungen wurden zuletzt sogar noch komplizierter.

Team News Sophie Barkey AFP/sba
3 Min
Die Flagge der Europäischen Union weht vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg im Wind.

Die Flagge der Europäischen Union weht vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg im Wind.

© Philipp von Ditfurth/dpa

Bei einer Analyse der Programme der deutschen Parteien zur Europawahl hat sich gezeigt, dass sie für Laien kaum verständlich sind. Wie die Autoren der aktuellen Studie der Universität Hohenheim schreiben, habe sich die Verständlichkeit gegenüber den bisher letzten Europawahlen 2014 und 2019 sogar noch leicht verschlechtert. Beispiele für unverständliche Formulierungen seien etwa komplizierte Wörter wie „Quellentelekommunikationsüberwachung“ oder Fachbegriffe wie „autochton“. Auch Bandwurmsätze mit bis zu 60 Wörtern machten es Lesern schwerer, die Wahlprogramme zu verstehen.

„Parteien sollten ihre Positionen klar und verständlich darstellen, damit die Wählerinnen und Wähler eine begründete Wahlentscheidung treffen können“, betonte einer der Studienautoren, der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. Er und Kollegin Claudia Thoms bewerteten die Programme auf Basis des sogenannten Hohenheimer Verständlichkeitsindex (HIX), der von null (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich) reicht. Im Durchschnitt liegt die Verständlichkeit der diesjährigen Wahlprogramme bei 5,3 Punkten, vor fünf Jahren lag sie bei 5,8 Punkten, vor zehn Jahren bei 6,1 Punkten. „Alle Parteien könnten verständlicher formulieren“, betonte Brettschneider. Das zeigten gelungene Passagen in den Einleitungen und in den Schlussteilen.

Das sind die verständlichsten und unverständlichsten Wahlprogramme

Das verständlichste Europawahlprogramm haben demnach – wie bereits 2019 – CDU und CSU mit 8,2 Punkten auf dem Verständlichkeitsindex. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verwendet hingegen die unverständlichste Sprache, das BSW-Programm erreicht lediglich 3,5 Punkte. Mit 4,0 Punkten belegt die AfD den vorletzten Platz hinter den Grünen (4,4), der FDP (4,9) und der SPD (4,9).

Der längste Satz aller Programme mit 60 Wörtern findet sich in jenem der AfD. „Aber auch bei allen anderen Parteien tauchen überlange Sätze auf“, kritisiert Co-Autorin Thoms. „Sätze mit 30 und 40 Wörtern sind keine Seltenheit.“

Wichtiger als die Verständlichkeit sei aber der Inhalt, betont Brettschneider. „Unfug wird nicht dadurch richtig, dass er formal verständlich formuliert ist. Und unverständliche Formulierungen bedeuten nicht, dass der Inhalt falsch ist.“

Studie aus Hohenheim: Wahlprogramme auch auf Populismus untersucht

Für die Europawahlprogramme 2024 haben die Hohenheimer Forschenden erstmals auch ein computerbasiertes Sprachmodell für die Erkennung populistischen Vokabulars eingesetzt. Gemein hätten Populisten egal welcher Färbung den Autoren zufolge, dass sie „das (eine, wahre) Volk als Gegenspieler einer (entfremdeten, feindlichen) Elite begreifen“. Typischerweise fokussierten Rechtspopulisten dabei vor allem auf Themen wie Migration, während Linkspopulisten eher ökonomische Themen in den Mittelpunkt stellten. 

Demnach finden sich populistische Äußerungen in den Wahlprogrammen der Studie zufolge vor allem bei den Parteien links und rechts der politischen Mitte. „Anti-Elitismus ist ein Mittel, das insbesondere von der AfD, der Linken und dem BSW eingesetzt wird“, sagt Studienautor Dr. Thoms. Der höchste Anteil von Sätzen mit Anti-Elitismus-Inhalten findet sich beim Bündnis Sahra Wagenknecht (13,4 Prozent), gefolgt von der AfD (10,2 Prozent) und der Links-Partei (7,7 Prozent). Das BSW und die Linke weisen eher linkspopulistische Aussagen auf, die AfD eher rechtspopulistische.

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