Eurovision Song Contest

Veranstalter droht mit Verlegung des ESC von Kiew nach Berlin

Der Streit zwischen der Ukraine und Russland spitzt sich zu.

Dominik Mai
4 Min
Das Logo des Eurovision Song Contest 2017. 

Das Logo des Eurovision Song Contest 2017. 

© picture alliance / Serg Glovny/Z

"Wir haben alles in Berlin reserviert", sagte EBU-Chefin Ingrid Deltenre in einem Telefongespräch, das am Mittwoch auf der kremlnahen russischen Nachrichtenseite life.ru veröffentlicht wurde. In dem Text heißt es, Deltenre sei auf einen Fake-Anruf hereingefallen und habe geglaubt, sie telefoniere mit dem ukrainischen Premierminister Wolodymyr Hrojsman. Tatsächlich aber hätten sie die Comedians Wladimir Krasnow und Alexej Stoljarow hereingelegt und sich als Premier ausgegeben.

In dem Gespräch zwischen Deltenre und den Komikern geht es um die Differenzen zwischen der Ukraine und Russland. Die Ukraine hatte der russischen ESC-Kandidatin Julia Samoilowa verboten, zum Finale am 13. Mai nach Kiew zu kommen. Als Russland 2014 die Halbinsel annektierte, hat die Regierung in Kiew Reisen auf die Krim über russisches Gebiet verboten und bestraft diese mit mehrjährigen Einreisesperren. Die 27-jährige Samoilowa war im Juni 2015 auf der Krim aufgetreten. Der ukrainische Geheimdienst SBU hat der im Rollstuhl sitzenden Russin deshalb für drei Jahre die Einreise verboten.

ESC 2017: Der Ukraine drohen Sanktionen

Seither gibt es Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Vergangene Woche war ein Brief der EBU-Chefin Ingrid Deltenre an den ukrainischen Ministerpräsidenten Wladimir Groisman bekanntgeworden. Da hieß es, dass der Ukraine Sanktionen drohen, sollte sie Samoilowa nicht teilnehmen lassen. Ein Kompromiss, sie live zuzuschalten, war vorher sowohl von Russland als auch von der Ukraine abgelehnt worden. Vor wenigen Tagen verteidigte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das Einreiseverbot.

Ingrid Deltenre, Chefin der European Broadcasting Union (EBU). 

Ingrid Deltenre, Chefin der European Broadcasting Union (EBU). 

© imago

In dem nun veröffentlichten knapp elfminütigen Gespräch droht EBU-Chefin Ingrid Deltenre damit, der Ukraine die Austragung des Wettbewerbs zu entziehen. Als der vermeintliche ukrainische Premierminister sagt, dass es nicht möglich sei, den Song Contest in den verbliebenen zwei Monaten in ein anderes Land zu verlegen, antwortet sie: "Wir haben alles in Berlin reserviert". Konkreter äußert sie sich nicht.

Darf die Ukraine in den kommenden Jahren nicht mehr am ESC teilnehmen?

Jedoch drohte sie damit, dass die Ukraine in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mehr am ESC teilnehmen dürfe, wenn die russische Sängerin nicht einreisen darf.

Auf Nachfrage des Stern wollte die EBU die Echtheit des Gesprächs zwar nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Auch zu Berlin als Austragungsort ist die Antwort ausweichend: "Unsere erste Priorität bleibt es, uns auf einen großartigen Eurovision Song Contest im Mai in Kiew zu konzentrieren", sagte ein EBU-Sprecher. Eine eventuelle Verlegung wird damit nicht explizit ausgeschlossen.

Auch der NDR, der in Deutschland für den Eurovision Song Contest zuständig ist, will sich zur möglichen Austragung in Berlin nicht äußern. "Diese Spekulationen kommentieren wir nicht," sagte NDR-Sprecher Ralf Pleßmann der Berliner Zeitung. 

Doch wo könnte eine solch große Veranstaltung in Berlin überhaupt stattfinden? Zum Beispiel am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Dort gebe es für das ESC-Finale keine Reservierung, sagte die Sprecherin der Tempelhof Projekt GmbH, Irina Dähne. 2011, als der Songcontest in Deutschland ausgetragen wurde, war das Flughafengelände als Austragungsort im Gespräch. 

Auch auf dem Messegelände wäre genügend Platz. Doch auch hier sind entsprechende Pläne nicht bekannt, sagte Messe-Sprecher Emanuel Höger. Ebenfalls keine Anfrage gab es beim Berliner Olympiastadion, so Sprecher Christoph Meyer. 

ESC in der Mercedes-Benz Arena?

Bleibt die Mercedes-Benz Arena am Ostbahnhof. 17.000 Menschen finden dort Platz - genug für eine Großveranstaltung wie den ESC. Ob es eine entsprechende Reservierung gibt, wisse er nicht, sagte Sprecher Moritz Hillebrand. Reservierungen seien streng geheim. "Ich kann mir das aber nicht vorstellen", so Hillebrand. Denn eine solche Veranstaltung brauche viel Vorlaufzeit. Ein klares Dementi ist das nicht. Fest steht: An den beiden Halbfinals am 9. und 11. Mai und am Finale am 13. Mai sind in der Mercedes-Benz Arena keine Veranstaltungen geplant - offiziell. 

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