Kritik

„Everytime“ im Kino: Sie fiel vom Dach, ihre Mutter wollte dieselbe Droge

Eine Mutter will den letzten Trip ihrer toten Tochter nacherleben. Sandra Wollners „Everytime“ ist das kühnste Kinoerlebnis des Jahres.

Daniel Kothenschulte
5 Min
Birgit Minichmayr in „Everytime“

Birgit Minichmayr in „Everytime“

© The Barricades Panama Film

Von allen Gründen, ins Kino zu gehen, ist die Suche nach Abkühlung wohl der profanste. Tatsächlich haben diese heißen Tage der Branche in Deutschland äußerst gutgetan. Dass urplötzlich niemand mehr von Krise spricht, hat dann aber doch mit dem Filmangebot zu tun. „Spider-Man: Brand New Day“ brachte es in einer einzigen Woche auf 1,4 Millionen Zuschauer, und für „Die Odyssee“ wurden inzwischen mehr als zwei Millionen Tickets verkauft. Und nicht nur das: Antikes Bildungsgut und die Frage seiner adäquaten Umsetzung werden auf der Straße plötzlich so ernsthaft diskutiert, als ginge es um „Barbie“.

Aber erreicht dieser Aufschwung der Filmbegeisterung auch das kostbare, fragile Kunstwerk jenseits der Blockbusterkategorien? Die vielleicht größte Entdeckung aus Cannes, den Gewinner des Zweitwettbewerbs „Un Certain Regard“? Wird „Everytime“ seine eigene, faszinierende Deutungsvielfalt entfalten können?

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