Ex-Bayern-Präsident im Gefängnis

Uli Hoeneß könnte im März aus der Haft entlassen werden

Bereits im März könnte der wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß wieder frei sein. Kürzlich meldete er sich überraschend bei einem Radiosender. Sein Musikwunsch von Adele könnte ein Fingerzeig für seine Zukunftspläne sein.

Maik Rosner
5 Min
Uli Hoeneß zu Besuch eines Abschlusstrainings des FC Bayern Münchens im Ende November 2015.

Uli Hoeneß zu Besuch eines Abschlusstrainings des FC Bayern Münchens im Ende November 2015.

© dpa Lizenz

Um das Lied „Hello“ der britischen Sängerin Adele bat Hoeneß kurz vor Weihnachten, und wer auf den Text achtete, durfte vermuten, dass es eine bewusste Wahl war. Im Song heißt es: „Hallo, ich bin es. Ich habe mich gefragt, ob du dich nach all den Jahren treffen willst, um alles durchzugehen. Man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilen soll, aber bei mir hat das nicht richtig funktioniert. Hallo, kannst du mich hören? Ich bin in Kalifornien, träume davon, wer wir waren, als wir jünger und frei waren. Ich habe vergessen, wie es sich anfühlte, bevor uns die Welt vor die Füße fiel.“

Arbeit in der Jugendabteilung

Uli Hoeneß ist nicht in Kalifornien, sondern pendelt auch jetzt, während des Trainingslagers der Profis in Katar, zwischen dem Freigängerhaus Rothenfeld im Landkreis Starnberg und dem Klubgelände des FC Bayern in München. Dort arbeitet er tagsüber in der Jugendabteilung, ehe es abends die 35 Kilometer zurückfährt zur Übernachtung. Nach der Verurteilung am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro hatte Hoeneß seine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren am 2. Juni 2014 zunächst in der JVA Landsberg angetreten, ehe er vor einem Jahr Freigänger wurde. Die Wochenenden darf er seit Juni bei der Familie am Tegernsee verbringen.


Als Fußballspieler, Manager und Präsident feierte Uli Hoeneß zahlreiche Erfolge, wurde Welt- und Europameister und holte mit den Bayern insgesamt 21 Deutsche Meisterschaften.

Geld verdiente er auch mit der 1985 gemeinsam mit Werner Weiß gegründeten HoWe Wurtswaren KG.

Ins Gefängnis brachten ihn jedoch groß angelegte Börsenspekulationen in den Jahren 2001 bis 2006, für die er ein geheimes Konto in der Schweiz nutzte.

Da ein Steuerabkommen mit der Schweiz scheiterte, zeigte sich Hoeneß Anfang 2013 selbst wegen Steuerhinterziehung an.

Auf 28,5 Millionen Euro belief sich die Summe, wegen der er im März 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Die Strafe trat er am 2. Juni 2014 an.


Nun steht für Hoeneß kurz nach seinem 64. Geburtstag am vergangenen Dienstag der nächste und größte Schritt auf dem langen Weg zurück in die Freiheit bevor. Noch im Januar, womöglich schon Mitte des Monats, soll nach einer Befragung durch die zuständige Landsberger Amtsrichterin darüber entschieden werden, ob ihm die beantragte Halbstrafe gewährt wird. Experten schätzen seine Chancen als recht gut ein, wegen einer tadellosen Führung und einer guten Sozialprognose. Zudem ist er Ersttäter. Werden die zweiten 21 Monate seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt, wäre Hoeneß von Anfang März an wieder ein freier Mann. Möglich ist ein Straferlass auch erst nach zwei Dritteln, das wäre im Herbst. Für beide Varianten stellt sich die Frage: Und dann?

Aus dem kleinen Hallo im Radio könnte ein großes werden, sofern sich der langjährige Manager und Präsident des FC Bayern entschließen sollte, ins Rampenlicht zurückzukehren. Es heißt zwar, er wolle im Fall der Fälle erst einmal Urlaub machen mit „meiner geliebten Frau Susi“, wie er bei seinem Anruf im Radio sagte und sich gleich noch bei seiner Familie bedankte, die es ihm ermöglicht habe, „diese so schwierige Zeit zu überstehen“.

Doch noch immer hallt ja sein Ausruf von der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 2. Mai 2014 nach, als er zwei Monate nach seinem Rücktritt als Präsident und Aufsichtsratschef verkündete: „Wenn ich zurück bin, werd' ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht.“ Die Mitglieder jubelten.

Am Jahresende läuft die Präsidentenamtszeit seines Nachfolgers Karl Hopfner aus, der zugleich auch Aufsichtsratschef ist. Diesen Posten wird Hoeneß als verurteilter Steuersünder wohl kaum wieder übernehmen können. Schließlich ist der Aufsichtsrat ein Wirtschaftsgremium. Eine Rückkehr des Patriarchen als Präsident aber halten sie auch im Verein für möglich, trotz des Aufschreis, der dann zu erwarten wäre. Hopfner jedenfalls hat angekündigt, Hoeneß nicht im Wege zu stehen. „Eine zweigleisige Kandidatur oder gar eine Kampfabstimmung wird es nicht geben“, sagte Hopfner kurz vor Weihnachten, „es geht bei diesem Thema nicht um mich. Ich stelle mich da zurück.“

Unterstützung für Rückkehr

Teile der Fans machen sich bereits für eine Rückkehr von Hoeneß stark, bei einer Online-Petition haben sich inzwischen knapp 5000 Unterstützer gefunden. Im Verein wächst derweil der Eindruck, Hoeneß wolle es wirklich noch einmal wissen. Längst ist er wieder voller Tatendrang und ein wichtiger Ansprechpartner, mit den Spielern tauscht er sich ebenso regelmäßig aus wie mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Kaderplaner Michael Reschke. Zudem soll er mehrfach vergeblich versucht haben, Trainer Pep Guardiola von einem Verbleib über den Sommer hinaus zu überzeugen.

Im Lied von Adele gibt es weitere Passagen, bei denen Hoeneß genau zugehört haben könnte. Es geht um „einen Gruß von der andere Seite“, um tausende Anrufe, „um dir zu sagen, dass es mir leidtut, was ich alles gemacht habe“ und „dass ich dein Herz gebrochen habe“. Und dann heißt es da noch: „Es ist so typisch von mir, über mich zu reden. Es ist kein Geheimnis, dass uns beiden die Zeit davonläuft.“ Es geht ums Bedauern in Adeles Hello, nicht nur um Liebeskummer wegen einer einzelnen Person.

Vielleicht fand Uli Hoeneß das gerade deshalb so passend für sein überraschendes Hallo im Radio. Wegen seiner Familien, die zu ihm stehen und mit der er noch einiges vorhat. Auch mit der des FC Bayern.

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