Ex-CDU-Generalsekretär stellt seine Mitstreiter im Kampf um die Schönbohm-Nachfolge vor

"Wir um 40" wollen an die Macht

Andrea Beyerlein
3 Min

POTSDAM. Der Altersdurchschnitt der knapp 7 000 CDU-Mitglieder in Brandenburg liegt bei 53 Jahren. Die engere Parteiführung soll - wenn es nach Sven Petke geht - diesen Wert bald erheblich unterschreiten. "Wir um 40" lässt sich das gestern vorgestellte Team betiteln, mit dem der 39-jährige Landtagsabgeordnete am 27. Januar den Machtkampf um die Nachfolge des 69-jährigen CDU-Chefs Jörg Schönbohm gewinnen will. "Es geht um den Generationswechsel an der Spitze. Wir machen ein Angebot der personellen Erneuerung", sagte Petke. Dabei ist die jüngere Generation schon jetzt im Parteivorstand überproportional vertreten.Zwei junge KreisvorsitzendeZum Jahresende hatte schon Ex-Justizministerin und Vize-Parteichefin Barbara Richstein (41) ihre Bereitschaft bekundet, unter Petke als Generalsekretärin anzutreten. Als Schatzmeister-Kandidat outete sich gestern der 43-jährige Europa-Abgeordnete Christian Ehler. Und die CDU-Chefs von Potsdam-Mittelmark und Cottbus, Saskia Funck (38) und Michael Schierack (40) saßen im Konferenzraum eines Potsdamer Hotels auch mit am Tisch des "Petke-Teams".Schierack will abermals CDU-Vize werden. Das ist er schon seit knapp zwei Jahren - als praktizierender Arzt der Einzige, der nicht hauptamtlich Politik macht. Auf jenem Parteitag im Mai 2005 hatte eine ganze Reihe von jüngeren, nach Einfluss strebenden Politikern den Sprung in die Führung geschafft. Auch Ehler und Funck, die parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion. Sven Petke wurde damals von Schönbohm zum Generalsekretär gemacht. Er konnte fortan auf eine verlässliche Mehrheit im CDU-Vorstand bauen.Aber nicht nur Petke, der sich damals noch als stramm konservativer innenpolitischer Hardliner zu profilieren suchte, ist ein politischer Ziehsohn des scheidenden Parteichefs. Auch Barbara Richstein und Christian Ehler protegierte er. Beide gelten als liberal und stammen aus Westdeutschland. Gegen Widerstände ebnete Schönbohm 1999 ihnen den Weg in die Brandenburger Politik und setzte sie als Quereinsteiger für den Landtag durch.Mittlerweile ist das Tischtuch zwischen dem einstigen Förderer und der jungen Garde zerschnitten. Schönbohm entzog Petke im Herbst wegen der so genannten E-Mail-Affäre der CDU das Vertrauen. Er musste als Generalsekretär zurücktreten. Richstein hatte er nach den Turbulenzen der Trennungsgeld-Affäre 2004 erst gar nicht mehr zur Ministerin berufen. Und Christian Ehler war schon 2002 von Schönbohm enttäuscht, als der Ulrich Junghanns mit dem gerade vakant gewordenen Posten des Wirtschaftsministers bedachte. Der aus Frankfurt (Oder) stammende Junghanns ist jetzt auch Jörg Schönbohms Favorit für den CDU-Vorsitz. Weil sich die Brandenburger Wirtschaftsdaten derzeit prächtig entwickeln, lobte auch das Petke-Team den 50-jährigen Minister. "Selbstverständlich" würde er Junghanns als CDU-Vize akzeptieren, sagte Petke: "Darüber entscheiden doch die Delegierten."Ordentlich RückenwindÜber die Stimmung unter jenen gut 200 Abgesandten aus den Kreisen wird derzeit wild spekuliert. Petke jedenfalls meinte gestern, dass ihm die Kandidatur von Barbara Richstein "noch einmal ordentlich Rückenwind" beschert habe. Im Junghanns-Lager glaubt man ebenfalls an einen Sympathie-Vorsprung. Ein Jahr vor den Kommunalwahlen in Brandenburg sei es gut angekommen, dass die Oberbürgermeisterin von Brandenburg/ Havel, Dietlind Tiemann, und der Landrat der Prignitz, Hans Lange, unter Junghanns als Vize antreten wollten. Als Generalsekretär schlägt er den Landtagsabgeordneten Dierk Homeyer vor. Alle sind über 50.Nur mit Saskia Funck saß eine Politikerin am Petke-Tisch, die sich auch der Wirtschaftsminister in einer wichtigeren Rolle in der CDU-Führung wünscht. "Junghanns hat gar nicht mit mir gesprochen", sagte die Unternehmerin. Aber sie sagte auch, dass es nach dem Wahltag eine Integration beider Lager geben müsse.------------------------------Foto: Dreamteam? Ex-Generalsekretär Sven Petke (M.) mit dem Europaabgeordneten Christian Ehler (l.) und der Landtagsabgeordneten Barbara Richstein.

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