Interview

Ex-Grenzschützer Jan Solwyn: „Mein Job und die Nachrichten – das waren Parallelwelten“

Er war jahrelang Bundesgrenzschützer, dann schmiss er hin, weil er psychisch und physisch nicht mehr konnte. Jetzt legt er sein zweites Buch über eine fehlgeleitete Asylpolitik vor.

13 Min
Jan Solwyn war Bundesgrenzschützer. Heute schreibt er über Asylpolitik.

Jan Solwyn war Bundesgrenzschützer. Heute schreibt er über Asylpolitik.

© Angela Garcia Zapata

Herr Solwyn, Ihr neues Buch, „Europa zerbricht an seinen Grenzen“, sollte eigentlich erst Ende August erscheinen, wegen der Ereignisse in Ceuta vor zweieinhalb Wochen kommt es nun schon heute in die Buchläden. Die Nordafrika-Enklave wurde von rund 80.000 Migranten überrannt, die Behörden verloren zeitweise die Kontrolle, Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben, es kam zu Plünderungen und Vandalismus. Ihr Buch befasst sich mit irregulärer Migration. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Ich dachte: Was für ein unglaublicher Zufall oder was für eine Ironie. Im Juni war das Gemeinsame Europäische Asylsystem, GEAS, in Kraft getreten. Schon zuvor meinten Politiker in Deutschland und Europa, dies würde das Allheilmittel werden, dann sei die Migrationskrise vorbei. Es hieß auch, dann hätte sich das auch mit den Rechtspopulisten in Europa erledigt. Dann passiert Ceuta, und man sah, strukturell hat sich nichts geändert. Europa steht genau da, wo es vor zehn Jahren stand. Diese Nebelkerze namens GEAS hat zu keinerlei Verbesserungen geführt.

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