Diese Nachricht kam überraschend: Der Holländer Jos Luhukay, 54, ist neuer Trainer beim englischen Traditionsverein Sheffield Wednesday. Der schon 1867 gegründete Klub spielt im Moment auf der Insel nur in der Zweiten Liga, der sogenannten Football League Championship. Dort tummeln sich zahlreiche Vereine mit großen Namen, die einst zur Elite des englischen Fußballs gehörten und unbedingt wieder Anschluss an die lukrative Premier League finden wollen, etwa Wolverhampton, Nottingham oder Leeds. Auch Sheffield Wednesday gehört zu diesem Kreis. Luhukay übernimmt allerdings eine Mannschaft, die nur auf Rang 16 von 24 Klubs steht und nur eines der letzten zehn Spiele gewinnen konnte. Er ist der Nachfolger von Carlos Carvalhal. Der Portugiese wechselte im Dezember zu Swansea City in die Premier League.
Für Luhukay ist es nach Deutschland seine zweite Station als Trainer im Ausland. Er habe zuletzt, als er ohne Job war, häufig London besucht und zahlreiche Spiele gesehen, erzählte er. Vorgestellt wurde er vom Besitzer des Klubs Dejphon Chansiri, einem wohlhabenden Geschäftsmann aus Thailand. Luhukay sagte: „Sheffield ist genau die richtige Herausforderung, auf die ich gewartet habe. Angebote aus der Ersten und Zweiten Liga in Deutschland habe ich abgelehnt.“
Sheffield Wednesday, in harter Konkurrenz zum Stadtrivalen Sheffield United, war im Vorjahr erst in den Playoffs um den Aufstieg in die Premier League gescheitert – im Halbfinale am späteren Aufsteiger Huddersfield Town, das unter dem deutschen Coach David Wagner als Underdog inzwischen für viele positive Schlagzeilen sorgte.
Der Aufstiegsspezialist
Für den 54 Jahre alten Trainer Luhukay wird England eine ganz neue Erfahrung. Der Mann, der einst als Spieler lediglich zwei Kurzauftritte in der Ersten Bundesliga beim KFC Uerdingen hatte, aber in Holland in seiner Geburtsstadt Venlo beim VVV Venlo ein wichtiger Profi war, trainierte bislang den SC Paderborn, Borussia Mönchengladbach, den FC Augsburg, Hertha BSC und zuletzt für wenige Wochen den VfB Stuttgart.
Luhukay eilt der Ruf voraus, ein Aufstiegsspezialist zu sein, der auch mit kleinem Budget ein starkes Team formen kann. Mit Mönchengladbach (2008), Augsburg (2011) und Hertha BSC (2013) schaffte der eigenwillige Coach jeweils den Sprung in die Erste Liga. Gerade in Berlin war Luhukay lange Zeit erfolgreich und auch beliebt. Noch vor der unsäglichen Relegation der Hertha samt Abstieg im Mai 2012 gegen Fortuna Düsseldorf (1:2, 2:2) unterschrieb er in Berlin einen Vertrag, noch bevor feststand, in welcher Liga die Mannschaft ab August 2012 spielen würde. Das brachte ihm Anerkennung bei Fans und Vorstand ein. Sofort schaffte er die Rückkehr in die Erste Liga mit der Rekordpunktzahl von 76 Zählern.
„Glücksfall Luhukay“
In der Spielzeit 2013/14 landete das Team auf Platz 11 in der Bundesliga und Manager Michael Preetz sprach lange Zeit vom „Glücksfall Luhukay“. Nach einer langen erfolglosen Serie aber wurde Luhukay im Februar 2015 entlassen und durch Pal Dardai ersetzt. Nach einem Jahr ohne Job holte ihn der Absteiger VfB Stuttgart. Dort aber trat Luhukay schon im September 2016 zurück, da er „kein uneingeschränktes Vertrauen seitens der Verantwortlichen spürte“. Unter solchen Verhältnissen reagierte der Mann mit dem kleinen Schnauzbart stets sensibel. Auch in Paderborn warf er nach Einmischungen des allmächtigen Klubchefs einst seinen Job freiwillig hin. Luhukay gilt als äußerst konsequent. Nach dem Intermezzo in Stuttgart wurde er häufig genannt, wenn ein Trainer-Platz frei wurde.
City spaziert in vierte Runde
Lockere Pflicht: Premier-League-Spitzenreiter Manchester City ist auch im englischen Pokal auf Erfolgskurs. Die Mannschaft von Teammanager Pep Guardiola mit den deutschen Nationalspielern Leroy Sané und Ilkay Gündogan in der Startelf gewann ihr erstes FA-Cup-Spiel der Saison gegen den Ligakonkurrenten FC Burnley klar mit 4:1 und erreichte die vierte Runde.
Extra-Schicht: Huddersfield Town siegte mit dem deutschen Teammanager David Wagner 2:1 bei Zweitligist Bolton Wanderers. Meister FC Chelsea und Nationalspieler Antonio Rüdiger kamen beim vom deutschen Teammanager Daniel Farke trainierten Zweitligisten Norwich City nicht über ein 0:0 hinaus – was ein Wiederholungsspiel notwendig macht.
Im November 2016 sagte er ein Angebot des FC Ingolstadt ab. Später wurde er beim VfL Bochum gehandelt und zuletzt als aussichtsreicher Kandidat beim 1. FC Köln, wo er einst drei Jahre als Co-Trainer gearbeitet hatte.
Luhukay will Aufbruchstimmung verbreiten
Nun also die Überraschung: Sheffield Wednesday. Luhukay sagt: „Ich will mit meinem Trainerteam die Fans begeistern, guten und erfolgreichen Fußball spielen lassen. Wir müssen mehr Spiele gewinnen in dieser Saison als zuletzt. Dafür werde ich hundert Prozent geben. Wir müssen eine Aufbruchstimmung verbreiten.“ Dafür hat er einen Kader mit 28 Profis zur Verfügung. Schon am 12. Januar kommt es zum Derby gegen United.
Luhukay soll zuerst die Mannschaft stabilisieren und später Richtung Aufstiegsplätze führen. Beim Spiel im FA-Cup am Sonnabend in Carlisle, das 0:0 endete, führte Interimscoach Lee Bullen das Team. Am Montag wird Jos Luhukay der Presse vorgestellt.
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