WIESBADEN, 18. November. Vor überzogenen Kriminalitätsvorwürfen gegenüber der jungen Generation hat die Münchener Kriminologin Wiebke Steffen gewarnt. Auf der Jahrestagung des Bundeskriminalamtes (BKA) sagte sie am Mittwoch, die heutige Jugend sei "so gut und so böse, wie sie immer war". Die Leiterin der kriminologischen Forschungsgruppe der bayerischen Polizei machte anhand bundesweiter Statistiken deutlich, daß nur ein geringer Teil der Kinder (3 Prozent) und Jugendlichen (7 Prozent) polizeilich auffällig wird. Von den insgesamt 4,4 Millionen Kindern in Deutschland seien etwas über 7 000 als Tatverdächtige bei Gewalttaten registriert worden. "Wir sollten überlegen, ob diese Zahl die Aufgeregtheit verdient, die manchmal zu beobachten ist", sagte Steffen. "Vom Nachwachsen einer Monstergeneration kann keine Rede sein." Dennoch gibt es laut Steffen einen ernstzunehmenden Anstieg der Tatverdächtigen seit 1990. Bei einer Untersuchung in München sei zwischen 1983 und 1997 eine Verdoppelung registriert worden; 1,8 Prozent der deutschen und 3,9 Prozent der ausländischen Kinder kamen 1997 mit dem Gesetz in Konflikt. Die Langzeitbeobachtung habe ergeben, daß ein Drittel nur einmal in den Polizei-Akten auftauchte und danach "schlauer" oder "geheilt" gewesen sei. (pi.)
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