Schwere Waldbrände könnten künftig auch in Berlin Siedlungen und Wohngebäuden gefährlich nahe kommen. In Brandenburg gab es im Dürrejahr 2018 und im vergangenen Jahr verheerende Waldbrände, mehrere Ortschaften mussten evakuiert werden. Feuerwehr und Forstbetriebe in Berlin versuchen nun, Schäden vorzubeugen.
„Das Jahr 2018 brachte uns dazu, uns dem Thema Vegetationsbrandbekämpfung stärker zu widmen“, sagte Berlins stellvertretender Feuerwehrchef Per Kleist am Mittwoch im Umweltausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Deshalb seien rund 2500 Mitarbeiter der Berufs- und der freiwilligen Feuerwehr in der Vegetationsbrandbekämpfung geschult worden.
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Auch neue Technik, zum Beispiel ein geländegängiges Tanklöschfahrzeug, will die Feuerwehr anschaffen. Beim Großbrand im Grunewald vergangenes Jahr habe man mit der Technik privater Unternehmen Erfahrungen sammeln können, so Kleist. Jetzt sollen zwei selbstfahrende kettengetriebene Lafetten beschafft werden. Diese seien nicht nur bei Waldbränden sinnvoll, sondern könnten auch eingesetzt werden, wenn in Lagerhallen oder Tiefgaragen Feuer ausbricht.
Die Feuerwehr spricht lieber von Vegetations- als von Waldbränden. Einer der Gründe liegt im Dürrejahr 2018. Vermutlich durch Funkenflug war an einer Bahnstrecke in Siegburg (Rheinland-Pfalz) eine Böschung in Brand geraten. Das Feuer breitete sich so schnell aus, dass zwölf Wohnhäuser in Flammen aufgingen. „Deshalb liegt bei uns der Fokus auf Bränden jeglicher Vegetation, wo es eine direkt angrenzende Bebauung geben kann“, so Kleist. Bebauung habe früher nie eine Rolle gespielt.
Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Feuerwehr und Berliner Forsten steht kurz vor dem Abschluss. Darin geht es zum Beispiel um die Ausbildung und darum, die Expertise der Bevölkerung zu nutzen. Geplant ist auch eine gemeinsame Kampagne, um die Bürger zu sensibilisieren.
Berliner Mischwaldprogramm soll Kiefernwälder mit Laubbäumen durchsetzen
In den Berliner Wäldern gibt es ein Netz von Zufahrtswegen, außerdem Löschwasserbrunnen – deren Wasserspiegel allerdings schwankt. Seit dem vergangenen Jahr ist Berlin ans Frühwarnsystem von Brandenburg angeschlossen. Dort gibt es Anlagen mit optischen Sensoren für die Waldbrand-Früherkennung. „Wir sind in Berlin mit einem Sensor in den Müggelbergen seit dem letzten Jahr mit dabei, um den südlichen Teil in das System einzubeziehen“, sagte der stellvertretende Leiter des Landesforstamtes, Lutz Wittich, bei der Expertenanhörung im Ausschuss. Das Frühwarnsystem werde in den kommenden Jahren im nördlichen Bereich Berlin ausgebaut.
Berlin ist der waldreichste Ballungsraum in Europa. Ein Fünftel der Fläche besteht aus Wald – überwiegend Kiefern, was eines der Probleme ist. Denn die 10.000 Hektar großen Kiefer-Monokulturen lassen den Boden austrocknen, und sie brennen schnell. Deshalb hat Berlin ein „Mischwaldprogramm“, das den Kiefernbestand mit Laubbäumen durchsetzen soll. Dies soll ein etwas feuchteres Klima erzeugen. Auch die Bodenflora ist dann schwerer entflammbar. Zudem soll es einen positiven Effekt auf die Grundwasser-Neubildung geben, da Nadelbäume das ganze Jahr über Wasser verbrauchen.
Von den 10.000 Hektar Kiefernwald werden pro Jahr etwa 100 Hektar mit Laubbäumen angereichert. „Mehr kriegt man nicht hin“, so Wittich. Denn nach seinen Worten gibt es einige Probleme: Der bestehende Kiefernbestand muss dafür gelichtet werden. Dadurch gibt es Gefahren durch Wind und Trockenheit. „Bei den Maßnahmen ist das Gefühl des Försters gefragt“, sagt Wittich.
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Rehe fressen die jungen Bäume ab
Dann sind da die Gegenspieler Damwild, Rotwild und Muffelwild. Sie fressen die jungen Triebe, die nicht eingezäunt sind. „Das Jagen, das Töten von Tieren ist in einer Stadtgesellschaft schwierig zu kommunizieren“, so Wittich. „Wir sehen ja auch, dass jagdliche Einrichtungen der Berliner Forste demoliert werden.“
Vergleichbar mit dem brandgefährdeten Brandenburg ist Berlin gleichwohl nicht. „Wir haben es einfacher“, sagt Wittich. „Es gibt sehr viele Menschen, die im Wald unterwegs sind und sehr zügig Brände melden. Und wir haben eine Feuerwehr, die schnell vor Ort ist.“
Auf das Rauchen und Feuermachen im Wald stehen harte Strafen, die gesetzlichen Grundlagen dafür sind vorhanden. Aber in den Berliner Wäldern gibt es mit dem Revierförster nur eine Ordnungskraft pro 1000 Hektar. So beklagt Moritz Foet von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald den vielen Müll, die weggeworfenen Flaschen, deren Scherben Brände auslösen können, und die Zigarettenstummel, die im Wald zurückgelassen werden. Foet empfiehlt eine Kampagne zur Sensibilisierung der Berliner Bevölkerung: „Wir müssen das Bewusstsein für den Umgang mit Wald schärfen.“
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